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Werkseintrag · Der Zauberberg
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Der Zauberberg
1924
– Werkseintrag –

Der Zauberberg

1924 · Roman

Ein junger Hamburger will im Schweizer Hochgebirge nur drei Wochen seinen Vetter besuchen – und gerät in eine Welt aus Krankheit, Liebe und großen Reden, die ihn nicht mehr loslässt.

Überblick

Mit dem 1924 erschienenen Roman Der Zauberberg legte Thomas Mann eines der bedeutendsten Werke der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts vor. Das Buch erschien seitdem in zahlreichen Auflagen und Übersetzungen. Angeregt wurde es durch Manns Aufenthalt in einem Davoser Sanatorium. Dieses lernte er 1912 beim Besuch seiner lungenkranken Ehefrau kennen. Im Mittelpunkt steht der junge Hamburger Hans Castorp. Er trifft in der abgeschlossenen Welt eines Hochgebirgssanatoriums in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg auf weltentrückte Figuren. Diese konfrontieren ihn mit Politik, Philosophie, Liebe, Krankheit und Tod. Der Roman gilt als ein Hauptwerk des deutschen Bildungs- und Entwicklungsromans und zugleich als großes Zeitpanorama der untergehenden Vorkriegswelt.

Inhalt (ohne Spoiler)

Der dreiundzwanzigjährige Hans Castorp ist einziges Kind einer Hamburger Kaufmannsfamilie und angehender Schiffbauingenieur. Im Sommer reist er in die Schweizer Alpen, um seinen Vetter Joachim Ziemßen im Internationalen Sanatorium Berghof bei Davos zu besuchen. Geplant sind drei Wochen. Doch die eigentümliche Atmosphäre des Hauses zieht ihn rasch in ihren Bann.

Das Sanatorium ist eine Welt für sich. Geleitet wird es vom Hofrat Behrens und von Dr. Krokowski, der für eine populäre Form der Psychoanalyse begeistert ist. Castorp begegnet hier Patienten in allen Stadien der Lungenkrankheit, einer trauernden älteren Dame, derben Tischgenossinnen und gebildeten Sonderlingen. Zwei Männer treten ihm besonders nahe. Der eine ist der italienische Humanist und Freimaurer Lodovico Settembrini, der ihm zum väterlichen Mentor und Mahner wird. Der andere ist die geheimnisvolle Russin Madame Clawdia Chauchat. Sie zieht ihn mit ihrer kühlen Eleganz und ihren schlechten Manieren am Mittagstisch zugleich an und verstört ihn.

Aus dem geplanten Kurzbesuch wird ein langer Aufenthalt. Castorp entdeckt an sich selbst Krankheitszeichen. Er lernt die festen Tagesrhythmen, die Liegekuren und das Fiebermessen kennen. Das Leben "unten" im Flachland beginnt er fremd und unwirklich zu finden. Er hört Krokowskis Vorträge, treibt eigene Studien und verfolgt die Schicksale der Mitpatienten. Zugleich gerät er in den Sog einer Liebe, die alle Vernunft beiseiteschiebt. Später tritt mit dem scharfzüngigen Jesuitenschüler Naphta ein Gegenspieler Settembrinis auf den Plan. Zwischen den beiden Lehrmeistern entspinnen sich heftige Disputationen. Der junge Castorp wohnt ihnen als faszinierter Zuhörer bei.

Die Handlung im Detail

Hans Castorp, einziges Kind einer Hamburger Kaufmannsfamilie, wächst nach dem Tod seiner Eltern zunächst bei seinem Großvater Hans Lorenz Castorp und dann bei seinem Onkel Tienappel auf. Er studiert Schiffbautechnik und reist mit dreiundzwanzig Jahren, vor dem geplanten Eintritt als Ingenieur-Volontär bei einer Werft, im Sommer in die Schweizer Alpen, um seinen Vetter Joachim Ziemßen im Internationalen Sanatorium Berghof nahe Davos zu besuchen. Drei Wochen sind eingeplant.

Schon die ersten Tage entfalten eine seltsame Wirkung. Beim Mittagessen sieht Castorp röchelnde und Blut hustende Patienten, beim Spaziergang trifft er die wegen ihres Pneumothorax aus der Lunge pfeifende Hermine Kleefeld. Er gewinnt den Eindruck, dass Krankheit den Menschen vergeistige und veredele, während robuste Gesundheit zur Einfalt neige. Besonders abstoßend findet er die "mörderlich ungebildete" Karoline Stöhr. Vom Balkon aus erblickt er eine schwarz gekleidete ältere Dame im Garten, die "Tous les deux" genannt wird, weil sie diesen Ausdruck stets gebraucht, wenn sie von ihren beiden todkranken Söhnen spricht. Aus dem Nebenzimmer hört er das russische Ehepaar, was ihn peinlich berührt.

Bald lernt er den italienischen Literaten Lodovico Settembrini kennen, einen Humanisten, Freimaurer und "individualistisch gesinnten Demokraten". Seine südländische Erscheinung in abgetragener Kleidung erinnert Castorp an einen "Drehorgelspieler". Settembrini verehrt die "Sonne der Aufklärung", bejaht Körper, Schönheit, Freiheit und Genuss und sieht sich als Vorkämpfer der "Interessen des Lebens" gegen jede Romantisierung. Selbst die Musik hält er für "politisch verdächtig", weil sie das Gefühl, nicht aber die Vernunft entflamme. Er beschwört den ewigen Kampf zwischen "Macht und Recht", Asien und Europa, und drängt seinen Schützling mehrfach zur Abreise aus dem morbiden Reiz der Anstalt.

Zugleich begegnet Castorp der achtundzwanzigjährigen Russin Madame Clawdia Chauchat, der "kirgisenäugigen" Gattin eines höheren Beamten aus Daghestan. Obwohl verheiratet, trägt sie keinen Ehering, der ihr als "Symbol der Hörigkeit" gilt. Am Mittagstisch fällt sie durch Türenschlagen und das Drehen von Brotkügelchen auf. Castorps anfängliche Neugier verwandelt sich in eine morbide Verliebtheit, ja Hörigkeit, die noch dadurch angeheizt wird, dass Frau Chauchat dem Hofrat Behrens fast täglich für seine Ölgemälde Modell sitzt. Erst allmählich erkennt er, dass sie ihn an einen früheren Jugendschwarm erinnert, den slawischen Mitschüler Přibislav Hippe, von dem er sich einst einen versilberten Stift ausgeliehen hatte. Settembrini sieht in Chauchat die Verkörperung des verachteten asiatischen Ostens und warnt eindringlich vor ihr.

Castorp fühlt sich von Anfang an fiebrig. Auf Behrens' Rat bleibt er, nimmt an den Liegekuren teil und kauft sich von der resoluten Oberin Adriatica von Mylendonk ein Thermometer. Schließlich entdeckt der Hofrat eine "feuchte Stelle" in seiner Lunge, eine Röntgenuntersuchung bestätigt den Befund: Castorp wird regulärer Patient. Die Zeit verliert ihre gewohnte Gestalt und wirkt auf ihn wie eine "ausdehnungslose Gegenwart". Die Tagesordnung des Hauses nimmt für ihn "das Gepräge einer heilig-selbstverständlichen Unverbrüchlichkeit" an, das Leben unten im Flachland erscheint ihm "sonderbar und verkehrt". Er besucht Krokowskis psychoanalytische Vorträge, deren These lautet, alle Krankheit sei "verkappte Liebesbetätigung", und treibt eigene Studien in Medizin und Psychologie.

Während eines Karnevalsfestes bittet Castorp, leicht angetrunken, Frau Chauchat bei einem Zeichenspiel um einen Bleistift. Sie reicht ihm "ein kleines silbernes Crayon" – Echo und Gegenbild zu dem Stift aus seiner Schulzeit. Da Frau Chauchat ihre baldige Rückreise nach Daghestan ankündigt, gesteht er ihr in einer fast ausschließlich auf Französisch geführten Szene seine Liebe. Die folgende Nacht wird vom Erzähler nur angedeutet: Clawdia bittet ihn am Ende, ihren Bleistift zurückzubringen, und lädt ihn damit in ihr Zimmer ein. Als Pfand bleibt ihm ihr "Innenportrait", das Röntgenbild, das er später betrachtet und in dem er das "Rippenwerk" inmitten jenes Fleisches sieht, "von dem Hans Castorp in der Faschingswoche vernunftwidrigerweise gekostet hatte". Am nächsten Tag reist sie ab.

Nach einiger Zeit zieht der selbst unheilbar kranke Settembrini ins nahe gelegene Davos-Dorf und bezieht Quartier im Haus eines "Gewürzkrämers". Dort wohnt auch sein intellektueller Widerpart, der asketische Jesuitenschüler Naphta, ein zum Katholizismus konvertierter galizischer Jude mit bewegter Vergangenheit. Naphta ist rhetorisch brillant und sophistischer Logik verpflichtet. In christlicher wie kommunistischer Tradition strebt er die Wiederherstellung eines "anfänglichen paradiesisch justizlosen und gottesunmittelbaren Zustands" an, in dem es weder Herrschaft noch Dienst, weder Gesetz noch Strafe, kein Eigentum und keine Klassenunterschiede gibt. Nach Abschaffung von "Händler- und Spekulantentum" und "der Satansherrschaft des Geldes" soll ein totalitärer, auf Terror gestützter Gottesstaat errichtet werden; die Freiheit gilt ihm als überlebter Anachronismus. Es kommt zu heftigen Disputen zwischen Settembrini und Naphta über Philosophie und Politik, denen Castorp beeindruckt beiwohnt, zumal Naphta seinem bisherigen Lehrmeister "Paroli bietet".

Joachim Ziemßen erträgt das Leben oben kaum noch. Der soldatische Vetter drängt darauf, den Berghof zu verlassen, um seinen Militärdienst anzutreten, und reist gegen ärztlichen Rat ab. Nach kurzem Dienst verschlimmert sich sein Leiden, er muss ins Sanatorium zurückkehren und stirbt dort. Später erscheint sein Geist während einer der spiritistischen Sitzungen, die Dr. Krokowski leitet.

Den geistigen Höhepunkt bildet ein Skiausflug Castorps ins Hochgebirge. Leichtsinnig setzt er sich der Gefahr des "weißen Nichts" aus und gerät in einen lebensbedrohlichen Schneesturm. Mit letzter Kraft rettet er sich in den Windschatten eines Heuschobers und schläft erschöpft ein. Im Traum sieht er zunächst eine "wunderschöne Bucht am Südmeer", "Sonnen- und Meereskinder" einer "verständig-heiteren, schönen, jungen Menschheit", die einander mit Freundlichkeit, Rücksicht und Ehrerbietung begegnen. Im Rücken dieser verklärten Szene aber zerreißen und fressen zwei Hexen über flackerndem Feuer ein kleines Kind. Halb erwacht und beide Bilder vergleichend, erkennt Castorp, dass menschliche Form und Gesittung die Bewältigung des Grässlichen und Rohen in uns selbst sind. Er beginnt nicht nur an seinen einseitigen Mentoren Settembrini und Naphta zu zweifeln, sondern auch an den Gegensatzpaaren Tod und Leben, Krankheit und Gesundheit, Geist und Natur. Der Mensch sei vornehmer als sie, und weil sie nur durch ihn existieren, sei er Herr über die Gegensätze.

Stil

Der Roman verbindet ausführliches Erzählen mit ausgedehnten philosophischen, politischen und medizinischen Reflexionen. Lange Gesprächspassagen machen weite Teile des Buches zu einem Ideenroman, vor allem die Streitreden zwischen Settembrini und Naphta. Die Sprache ist gehoben und oft ironisch gefärbt. Der Erzähler hält durchgehend einen feinen Abstand zu seiner Hauptfigur und zu den Welten, die sie betritt.

Charakteristisch ist die Behandlung der Zeit. Die strenge Sanatoriumsroutine hat feste Aufsteh-, Essens-, Untersuchungs- und Ruhezeiten. Daraus entsteht für Castorp eine "ausdehnungslose Gegenwart", in der Wochen und Jahre ihre gewohnten Maße verlieren. Mann arbeitet mit Leitmotiven. Der versilberte Bleistift etwa bindet das Schülerverhältnis zu Přibislav Hippe und die Liebe zu Clawdia Chauchat aneinander. Das Röntgenbild wird zum "Innenportrait" eines Menschen. Französische Dialogpassagen, eingestreute Träume wie der Schneetraum und die symbolische Aufladung der Hochgebirgslandschaft heben den Roman immer wieder über die realistische Schilderung hinaus.

Rezeption

Der 1924 erschienene Roman erlebte zahlreiche hohe Auflagen und wurde in viele Sprachen übersetzt. Er gilt seither als eines der zentralen Werke der deutschsprachigen Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts. Der Stoff wurde mehrfach für Film und Fernsehen adaptiert. Dazu zählen 1974 der spanische Fernsehfilm La Montaña Mágica in der Regie von José Antonio Páramo Abrego und 1982 der deutsche Kinofilm Der Zauberberg unter der Regie von Hans W. Geißendörfer.

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