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Werkseintrag · Das Glasperlenspiel
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Das Glasperlenspiel
1943
– Werkseintrag –

Das Glasperlenspiel

1943 · Roman

In einer fernen Zukunft widmet sich eine geistige Elite einem kunstvollen Spiel mit dem gesamten Wissen der Menschheit – bis ihr höchster Meister an der Abgeschiedenheit dieser Welt zu zweifeln beginnt.

Überblick↑

Der Roman Das Glasperlenspiel ist das letzte und umfangreichste Werk Hermann Hesses. Er erschien erstmals 1943 in der Schweiz, in zwei Bänden. Der vollständige Titel lautet Das Glasperlenspiel. Versuch einer Lebensbeschreibung des Magister Ludi Josef Knecht samt Knechts hinterlassenen Schriften. Das Buch verbindet mehrere Formen: einen philosophischen Roman, einen Entwicklungsroman und die sogenannte Herausgeberfiktion, bei der ein erfundener Herausgeber das Werk angeblich nur zusammenträgt. Hesse entwirft darin eine ferne Zukunftswelt, in der eine geistige Elite einem kunstvollen Spiel mit dem gesamten menschlichen Wissen huldigt. Gewidmet ist das Buch „Den Morgenlandfahrern“, in Anspielung auf Hesses frühere Erzählung Die Morgenlandfahrt.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Vor der eigentlichen Handlung steht die Einleitung eines erfundenen Herausgebers. Sie ist als historische Abhandlung verfasst und schildert die von Hesse entworfene Welt. Diese Welt liegt in einer fernen, nicht genau bestimmten Zukunft. In ihr leben gelehrte Männer als ehelos lebender Orden zusammen, in der abgeschotteten „Pädagogischen Provinz“ Kastalien. Sie widmen sich der Bildung, den Wissenschaften und Künsten und vor allem dem Glasperlenspiel.

Dieses Spiel ist der Versuch, alle Wissenschaften und Künste zu einem großen Ganzen zu verbinden. So wird etwa ein Werk von Bach mit einer mathematischen Formel verknüpft. Die genauen Regeln bleiben angedeutet; das Spiel hat fast rituellen Charakter.

Im Mittelpunkt steht das Leben Josef Knechts. Als Knabe wird er von einer Lateinschule an eine Eliteschule Kastaliens berufen. Er ordnet sich den Regeln des Ordens unter und steigt allmählich in der Hierarchie auf, bis er eines der höchsten Ämter erreicht, das des Glasperlenspielmeisters. Doch von Anfang an prägen ihn auch Begegnungen mit der Außenwelt, etwa die Diskussionen mit seinem Mitschüler Plinio Designori, der ein Leben außerhalb des Ordens anstrebt.

Die Handlung im Detail↑

Dem Roman vorangestellt ist die Einleitung des fiktiven Herausgebers, abgefasst als historische Abhandlung über die Entstehung der kastalischen Welt. Als Motto steht ein lateinisches Zitat des erfundenen Scholastikers Albertus Secundus voran. Darin heißt es, der gewissenhafte Geschichtsschreiber sei genötigt, auch unwirkliche Dinge darzustellen, weil sie eben dadurch dem Sein einen Schritt näher gebracht würden.

Geschildert wird eine Welt nach der sogenannten „Feuilletonistischen Epoche“, einer Zeit oberflächlicher bildungsbürgerlicher Unterhaltung. Auf sie folgt die strenge Bildungszivilisation Kastaliens. In dieser herrscht allerdings ein Zustand, in dem nichts Neues mehr geschaffen, sondern nur noch mit dem Vorhandenen „gespielt“ wird. Der Orden schottet sich von der Außenwelt ab und befasst sich nicht mehr mit praktischen, vor allem politischen Fragen.

Diese Widersprüche bestimmen das Leben Josef Knechts. Als Knabe wird er von der örtlichen Lateinschule nach Kastalien berufen. Die Bekanntschaft mit dem Musikmeister, einem der Ordensoberen, verändert ihn wesentlich. Knecht macht sich Wissenschaft, Musik, Meditation und schließlich das Glasperlenspiel zu eigen und steigt immer höher auf, bis er Glasperlenspielmeister wird.

Zugleich prägen ihn die Einblicke in die Außenwelt. Schon als Schüler führt er heiße Diskussionen mit dem Klassenkameraden Plinio Designori, der das weltabgewandte Leben scharf angreift. Später wird Knecht als Gesandter in ein katholisches Kloster geschickt. Dort weist ihn ein Pater in die Geschichtswissenschaft ein, ein Fach, das im kastalischen Denken keinen Platz hat, weil es zu sehr in der weltlichen Wirklichkeit verwurzelt ist.

In seinen Jahren als Magister Ludi erkennt Knecht, dass auch Kastalien gefährdet ist. Er sieht ein, dass die Abschottung der Provinz auf Dauer nicht haltbar ist und dass sie sich dem weltlichen Leben öffnen muss, um zu überleben. Mit dieser Auffassung steht er im Führungskreis der Ordensbrüder fast allein. Dort wird er nicht verstanden und zur Ordnung gerufen.

Daraufhin verlässt Knecht die Gelehrtenwelt. Er will sich dem Dienst an einem jungen Mann widmen, dem rohen und unerzogenen Naturburschen Tito Designori, dem Sohn seines alten Widersachers Plinio. Als Knecht mit seinem neuen Schüler in einem Bergsee schwimmen will, stirbt er im eiskalten Wasser.

In der Schlussszene bringt Tito „der Sonne und den Göttern im Tanz seine fromme Seele zum Opfer dar“. Leben und Sterben des kaum gekannten Meisters, so klingt das Ende an, haben ihn nachhaltig verändert. Wie sich das äußern wird, bleibt offen.

An die Lebensbeschreibung schließen sich kleinere Werke an, deren erfundener Verfasser Josef Knecht selbst ist. Es sind einige Gedichte sowie die Drei Lebensläufe, die Knechts Leben in verschiedene geschichtliche Epochen zurückversetzen: Der Regenmacher, Der Beichtvater und Indischer Lebenslauf. Auch in ihnen kehrt Hesses altes Thema von Meister und Jünger wieder. Meist geschieht dies in der Form, dass der zeitweise untreue Jünger am Ende reuig zu seinem Meister zurückkehrt, um dessen Nachfolge anzutreten.

Stil↑

Das Werk verbindet mehrere literarische Formen. Es ist zugleich philosophischer Roman, Entwicklungsroman und Herausgeberfiktion. Diese Herausgeberfiktion bestimmt den Aufbau: Ein erfundener Herausgeber gibt vor, das Leben Josef Knechts und dessen hinterlassene Schriften nur zu sammeln und zu ordnen. Die Einleitung ist daher wie eine wissenschaftliche, historische Abhandlung geschrieben.

Der Aufbau ist mehrteilig. Auf die historische Einleitung folgt die Lebensbeschreibung Knechts, danach dessen Gedichte und die Drei Lebensläufe. So entsteht ein vielstimmiges Werk, in dem sich Hesses Thema von Meister und Jünger immer wieder neu spiegelt. Der Titelzusatz „Magister Ludi“ ist ein Wortspiel: Das lateinische Wort ludus bedeutet sowohl Schule als auch Spiel, sodass der Magister Ludi zugleich Schulmeister und Meister des Spiels ist.

Rezeption↑

Der Roman gilt als Hesses letztes großes Werk. Der umgangssprachliche Ausdruck „Glasperlenspiel“ wurde durch das Buch geprägt: Er bezeichnet heute ein selbstzweckhaftes, eitles und unkreatives Hantieren mit kulturellen Klischees. Die Sorge vor einem solchen Kulturzustand teilten viele Intellektuelle in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Thomas Mann gestaltete sie in seinem Roman Doktor Faustus, den er nach eigenem Urteil als verwandt mit dem Glasperlenspiel empfand.

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