1597
Romeo und Julia
Überblick↑
Romeo und Julia ist eine Tragödie von William Shakespeare. Sie entstand wohl zwischen 1594 und 1596 und erschien 1597 erstmals im Druck. Sie erzählt die Geschichte zweier junger Liebender aus den verfeindeten Veroneser Familien Capulet und Montague. Diese können ihre Liebe nur heimlich leben. Als Hauptquelle diente Shakespeare das Versepos The Tragicall Historye of Romeus and Iuliet von Arthur Brooke aus dem Jahr 1562. Romeo und Julia gelten heute als das berühmteste Liebespaar der Weltliteratur. Auf der Bühne ist das Stück seit seiner Entstehung ununterbrochen populär.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
In der norditalienischen Stadt Verona liegen zwei vornehme Familien, die Capulets und die Montagues, seit langem in erbittertem Streit. Ein Prolog kündigt dem Publikum gleich zu Beginn an, dass zwei Liebende aus diesen Häusern unter einem unglücklichen Stern stehen.
Der junge Romeo, ein Montague, schleicht sich mit Freunden maskiert auf ein Fest der Capulets. Dort sieht er Julia, die noch nicht ganz vierzehnjährige Tochter des Hauses. Beide verlieben sich auf den ersten Blick. Erst nach dem Kuss erfahren sie, wer der andere ist. Heimlich verabreden sie sich und suchen Hilfe beim Franziskaner Bruder Lorenzo. Sie hoffen, ihre Liebe gegen alle Familienbande durchsetzen zu können.
Doch der alte Hass schwelt weiter. Auf den Straßen Veronas eskaliert ein Streit zwischen den Anhängern beider Häuser. Plötzlich gerät auch Romeo selbst hinein. Zugleich drängt Julias Vater zu einer Heirat mit dem vornehmen Grafen Paris und setzt den Termin überraschend kurz an. Die Liebenden geraten in immer größere Bedrängnis. Bruder Lorenzo greift zu einem riskanten Plan, der alles retten soll.
Die Handlung umfasst nur fünf Tage einer Sommerwoche. In dieser kurzen Zeit wechseln Festfreude, heimliches Glück, Gewalt und Verzweiflung in atemberaubendem Tempo.
Die Handlung im Detail↑
Ein Prolog in Sonettform stimmt das Publikum auf die Geschichte zweier Liebender ein, die verfeindeten Familien angehören, die sterben werden und durch ihren Tod ihre streitenden Häuser versöhnen.
Im ersten Akt beginnt der Streit gleich mit den Dienern der Capulets und Montagues auf einem öffentlichen Platz. Benvolio, der Neffe Montagues, will den Kampf verhindern, doch Tybalt, der Neffe Capulets, fordert auch ihn heraus. Bald sind beide Familien beteiligt, der Fürst von Verona schreitet ein und droht für künftige Ausbrüche die Todesstrafe an. Romeo war nicht dabei; er irrt unglücklich verliebt in eine gewisse Rosalinde durch die Gegend. Inzwischen hält Graf Paris bei Capulet um Julias Hand an. Capulet, der die noch nicht vierzehnjährige Tochter für zu jung hält, lädt ihn zu einem Tanzfest, auf dem Paris ihre Gunst gewinnen soll. Benvolio überredet Romeo, sich maskiert auf das Fest zu schleichen, um Rosalinde mit anderen Mädchen zu vergleichen. Im Hause Capulet bereitet die geschwätzige Amme Julia auf die Begegnung mit Paris vor. Vor dem Fest hält Romeos Freund Mercutio seine berühmte Rede über Queen Mab, die Hebamme der Elfen, doch Romeo bleibt düster und ahnt seinen Tod voraus. Auf dem Fest erblickt Romeo Julia und verliebt sich auf der Stelle. Tybalt erkennt seine Stimme und will kämpfen, wird aber von Capulet zurechtgewiesen. Romeo und Julia kommen sich nahe und sprechen ihren ersten Dialog gemeinsam als Sonett. Erst danach erfahren beide, dass sie zu verfeindeten Häusern gehören.
Im zweiten Akt schleicht Romeo nach dem Fest in Capulets Garten. In der berühmten Balkonszene tritt Julia ans Fenster und spricht laut von ihrer Liebe. Romeo gibt sich zu erkennen, beide gestehen einander ihre Gefühle und verabreden, sich am nächsten Tag heimlich trauen zu lassen. Julias Amme soll den Boten machen. Romeo sucht Bruder Lorenzo auf, der in seiner Zelle Heilpflanzen pflegt. Lorenzo tadelt zunächst den schnellen Wechsel von Rosalinde zu Julia, willigt aber in die Trauung ein, weil er hofft, durch diese Verbindung den Familienstreit beenden zu können. Während Mercutio und Benvolio sich fragen, wo Romeo bleibt – Tybalt hat ihn inzwischen zum Duell gefordert –, übermittelt Romeo der Amme Ort und Zeit der Hochzeit. In Lorenzos Zelle werden Romeo und Julia heimlich vermählt; der Mönch mahnt zur Mäßigung.
Im dritten Akt spitzt sich alles zu. Auf einem öffentlichen Platz trifft Tybalt auf Romeo und fordert ihn zum Duell. Romeo, der nun heimlich mit Julia und damit auch mit Tybalt verwandt ist, lehnt ab und will Frieden stiften. Mercutio empfindet das als Feigheit und fordert Tybalt selbst. Als Romeo schlichten will, sticht Tybalt unter seinem Arm hindurch Mercutio nieder. Mercutio verflucht sterbend beide Häuser. Romeo, außer sich, zieht den Degen und ersticht Tybalt, dann flieht er. Der Fürst verhängt nicht die Todesstrafe, sondern verbannt Romeo aus Verona. Julia erfährt entsetzt vom Tod ihres Vetters und der Verbannung ihres Mannes, begreift aber, dass Tybalt der Provokateur war. Die Amme verspricht, Romeo für die Hochzeitsnacht zu ihr zu holen. Romeo, der bei Lorenzo Zuflucht sucht, sieht in der Verbannung eine schlimmere Strafe als den Tod und will sich umbringen; Lorenzo nimmt ihm den Dolch und entwirft einen Plan: Romeo soll diese Nacht bei Julia verbringen und danach nach Mantua fliehen. In Capulets Haus drängt Paris erneut, und der Vater setzt eigenmächtig die Hochzeit auf Donnerstag fest. Nach der Hochzeitsnacht müssen sich Romeo und Julia im Morgengrauen trennen, während Lerche und Nachtigall in ihrem Wortwechsel den Abschied verzögern. Als Gräfin Capulet ihrer Tochter die geplante Heirat mit Paris mitteilt, weigert sich Julia. Der Vater droht mit Enterbung; auch die Amme rät plötzlich zur Heirat mit Paris. Verzweifelt sucht Julia Rat bei Bruder Lorenzo.
Im vierten Akt trifft Julia in Lorenzos Zelle auf Paris, der bereits die Trauung am Donnerstag vereinbaren will. Sobald Paris fort ist, droht Julia, sich selbst zu töten. Lorenzo gibt ihr einen Schlaftrunk, der sie für 42 Stunden in einen scheintoten Zustand versetzen wird. Ihre Eltern werden sie für tot halten und in der Familiengruft bestatten; in der Zwischenzeit soll Lorenzos Mitbruder Johannes Romeo verständigen, damit dieser sie aus der Gruft holt. Julia willigt ein. Zu Hause stellt sie sich gehorsam, woraufhin der euphorische Vater die Hochzeit überraschend um einen Tag auf Mittwoch vorzieht. In ihrem Zimmer durchlebt Julia Angst und Zweifel: Will der Mönch sie aus dem Weg räumen? Wird das Erwachen in der Gruft sie um den Verstand bringen? In einer Schreckensvision erscheint ihr Tybalts blutiger Geist. Schließlich trinkt sie den Trunk. Im Haus laufen die Hochzeitsvorbereitungen, als die Amme die scheintote Julia findet. Lorenzo fordert die Trauernden auf, Fassung zu bewahren, und veranlasst die Überführung in die Familiengruft.
Im fünften Akt sieht Romeo in Mantua einen Traum, in dem Julia ihn vom Tode erweckt, und deutet ihn als gutes Zeichen. Statt der erwarteten Nachricht von Lorenzo bringt sein Diener Balthasar die Botschaft von Julias Tod. Romeo entschließt sich, dem Schicksal zu trotzen und sich mit Julia im Tod zu vereinen. Er kauft bei einem Apotheker Gift und macht sich auf den Weg zur Gruft der Capulets. Zur gleichen Zeit erfährt Bruder Lorenzo, dass sein Mitbruder Johannes den entscheidenden Brief an Romeo nicht zustellen konnte, weil eine plötzlich ausgebrochene Pest die Reise verhindert hat. Wie der Prolog angekündigt hat, finden die Liebenden den Tod und führen damit die Versöhnung der verfeindeten Familien herbei.
Stil↑
Die Tragödie ist streng komponiert: Ein Sonett-Prolog eröffnet den ersten Akt, ein zweites Sonett leitet den zweiten Akt ein. Auch das erste Gespräch zwischen Romeo und Julia auf dem Fest fügt sich zu einem gemeinsam gesprochenen Sonett – die Form der Liebeslyrik wird zur Form der Begegnung. Die Handlung selbst ist auf nur fünf Sommertage in Verona zusammengezogen. Das gibt dem Stück sein hohes Tempo.
Shakespeare mischt die Tonlagen virtuos. Auf der einen Seite stehen die lyrischen Liebesszenen, vor allem die Balkonszene und der Morgendialog über Lerche und Nachtigall. Auf der anderen Seite stehen die derb-witzigen Wortspiele und anzüglichen Reden Mercutios, etwa die phantastische Queen-Mab-Rede über die Hebamme der Elfen. Auch die geschwätzige Amme bringt einen volkstümlich-komischen Ton in das Stück. So wechseln innerhalb weniger Szenen feierliche Liebessprache, scharfer Witz, Straßenstreit und Klage.
Rezeption↑
Romeo und Julia gilt als das berühmteste Liebespaar der Weltliteratur. Auf der Bühne genießt das Werk seit seiner Entstehung eine ungebrochene Popularität.
Der Stoff ist immer wieder neu aufgegriffen worden, literarisch, musikalisch und filmisch. Zu den Bearbeitungen zählen Heinrich von Kleists Vorgänger-Tradition zugerechnete Stücke wie Romeo und Julie (1768) und Aloys und Imelde (1812). Hinzu kommen Opern und Orchesterwerke unter anderem von Hector Berlioz (Roméo et Juliette, 1839), Vincenzo Bellini (I Capuleti e i Montecchi, 1830) und Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1869), ein berühmtes Ballett sowie das Musical West Side Story. Verfilmungen reichen vom Stummfilm der Jahre 1908 und 1916 über die Tonfilm-Klassiker von George Cukor (1936) und Renato Castellani (1954) bis zu Franco Zeffirellis vielbeachteter Fassung von 1968.
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