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Werkseintrag · Hamlet
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Hamlet
1603
– Werkseintrag –

Hamlet

1603 · Tragödie

Ein Geist fordert Rache, ein Prinz zögert – und während er denkt, gerät der ganze Hof von Helsingör in einen Strudel aus List, Wahn und Gewalt.

Überblick

Mit Hamlet schuf William Shakespeare um 1601 eines der berühmtesten Theaterstücke der Weltliteratur. Die Tragödie erzählt vom dänischen Prinzen, der den Mord an seinem Vater rächen soll. An dieser Aufgabe zerbricht er innerlich. Das Stück gilt als eines der bedeutendsten Werke des englischen Dichters. Der Stoff geht auf eine mittelalterliche nordische Erzählung zurück. Er war in Grundzügen schon vor Shakespeare bekannt und genoss eine gewisse Popularität. Der englische Dichter Alfred Tennyson nannte Hamlet das größte aller literarischen Werke. Wendungen aus den Monologen des Prinzen – „Sein oder Nichtsein" und „Der Rest ist Schweigen" – sind in die Alltagssprache eingegangen.

Inhalt (ohne Spoiler)

Auf Schloss Kronborg in Helsingör erscheint nachts den Wachen der Geist des kürzlich verstorbenen Königs Hamlet. Am Hof feiert unterdessen dessen Bruder Claudius seine Vermählung. Er hat inzwischen die Krone und die Witwe Gertrude an sich gebracht. Der junge Prinz Hamlet, Sohn des Toten, trauert um den Vater. Die rasche Wiederheirat der Mutter verachtet er. Sein Studienfreund Horatio führt ihn zu der nächtlichen Erscheinung. Der Geist eröffnet ihm ein Geheimnis, das alles verändert: Der Vater wurde ermordet, und er fordert Rache.

Hamlet nimmt sich vor, ein wunderliches, scheinbar wahnsinniges Wesen anzunehmen, um seine Pläne zu verbergen. Am Hof wird er argwöhnisch beobachtet. Der königliche Ratgeber Polonius verbietet seiner Tochter Ophelia jeden Kontakt mit dem Prinzen. Die Jugendfreunde Rosencrantz und Guildenstern hat Claudius zur Ausspähung bestellt. Schließlich beobachtet ihn der König selbst. Eine vorbeiziehende Schauspieltruppe gibt Hamlet die Idee, den Mörder durch ein Theaterstück zu entlarven. Was als verzögerte Rache beginnt, verstrickt nach und nach den ganzen Hof in ein Netz aus Misstrauen, Belauschen und Gewalt.

Die Handlung im Detail

Das Stück beginnt in den Wachstunden auf Schloss Kronborg in Helsingör: Der Geist des jüngst verstorbenen Königs Hamlet erscheint den Wachen. Am Hof feiert der neue König Claudius, Bruder des Verstorbenen, seine Vermählung mit Gertrude, der Königswitwe. Er entsendet die Gesandten Voltemand und Cornelius mit einer diplomatischen Note nach Norwegen, verabschiedet Laertes, den Sohn des Ratgebers Polonius, nach Frankreich und bittet Prinz Hamlet, nicht zu seinem Studium nach Wittenberg zurückzukehren. Hamlet gesteht sich in einem Monolog seine Verzweiflung ein und verachtet die schnelle Wiederheirat der Mutter. Laertes warnt vor seiner Abreise seine Schwester Ophelia vor der Liebschaft mit Hamlet, und Polonius verbietet ihr jeden weiteren Kontakt. Horatio informiert den Prinzen über die nächtliche Erscheinung. Hamlet begleitet die Wache und trifft den Geist seines Vaters. Dieser eröffnet ihm, dass Claudius ihn ermordet hat, und fordert Rache. Hamlet schwört seine Freunde zur Verschwiegenheit und beschließt, einen Wahnsinn vorzutäuschen, um seine Pläne zu verbergen.

Polonius misstraut auch seinem eigenen Sohn und schickt seinen Diener Reynaldo aus, um Laertes in Frankreich auszuspionieren. Ophelia berichtet aufgewühlt von der Veränderung des Prinzen, und Polonius hält ihre Zurückweisung für die Ursache von Hamlets Wirrnis. Claudius, beunruhigt über die Wandlung des Stiefsohns, bestellt die Jugendfreunde Rosencrantz und Guildenstern, die Hamlet aushorchen sollen. Die Gesandten kehren erfolgreich aus Norwegen zurück. Polonius schlägt vor, ein Treffen zwischen Ophelia und dem Prinzen zu inszenieren und es zu belauschen. In seiner ersten Begegnung mit den Schulfreunden durchschaut Hamlet deren Auftrag. Als eine Schauspieltruppe eintrifft, vereinbart er mit ihr die Aufführung des Stücks Die Ermordung des Gonzago vor dem König, um Claudius mit seiner Tat zu konfrontieren.

Polonius bedient sich Ophelias mit deren Einverständnis als Lockvogel und verbirgt sich mit Claudius, um das Paar zu belauschen. Die Begegnung wird mit dem berühmten „Sein oder Nichtsein"-Monolog eingeleitet. Hamlet kränkt Ophelia maßlos, um die Trennung zu erzwingen. Claudius durchschaut, dass es nicht nur Liebeskummer ist, und beschließt, den Prinzen als Gesandten nach England zu schicken, um ausgebliebenen Tribut einzufordern. Polonius rät zu einer weiteren Belauschung, diesmal soll Gertrude als unfreiwillige Lockfigur dienen. Während der Aufführung instruiert Hamlet die Schauspieler und vereinbart mit Horatio, den König genau zu beobachten. In der Szene, in der der Mörder seinem Opfer Gift ins Ohr träufelt, bricht Claudius verstört die Festlichkeit ab. Hamlet und Horatio sind nun von seiner Schuld überzeugt. Rosencrantz und Guildenstern überbringen Gertrudes Wunsch, den Sohn zu sprechen.

Auf dem Weg zur Mutter trifft Hamlet auf Claudius, der allein im Gebet um Vergebung ringt. Hamlet könnte ihn töten, widersteht aber der Gelegenheit. In Gertrudes Kabinett, hinter dessen Vorhang sich Polonius versteckt hat, stellt die Mutter den Sohn zur Rede. Die Situation eskaliert, Gertrude glaubt um ihr Leben fürchten zu müssen und ruft um Hilfe. Polonius schreit hinter dem Vorhang ebenfalls, und Hamlet, der den König dort vermutet, durchbohrt ihn mit dem Dolch. Aus dem geplanten Verhör macht der Prinz eine heftige Anklage gegen die Mutter. Erneut erscheint der Geist, der nur für Hamlet sichtbar ist, mahnt zur Mäßigung und erneuert seine Forderung nach Rache. Gertrude hält dies für einen weiteren Beweis von Hamlets Wahnsinn. Schließlich gelingt es Hamlet, sich mit ihr zu versöhnen; sie verspricht Verschwiegenheit über das Gespräch.

Claudius begreift, dass der Dolchstoß ihm gegolten hat, und schickt Rosencrantz und Guildenstern aus, den Prinzen festzunehmen. Hamlet versteckt die Leiche und lässt sich widerstandslos zum König bringen. Claudius verhört ihn und schickt ihn umgehend mit den beiden Begleitern nach England. Diesen gibt er einen Brief mit, in dem er den englischen König ersucht, Hamlet sofort nach der Ankunft hinrichten zu lassen. Auf der Reise begegnet Hamlet den Truppen des norwegischen Prinzen Fortinbras, die durch Dänemark nach Polen ziehen. Die Begegnung stärkt seinen Willen zur Rache. In der Heimat verfällt Ophelia nach dem Tod des Vaters und Hamlets Abreise dem Wahnsinn. Laertes kehrt aus Frankreich zurück, stürmt mit Unterstützung des Volkes das Schloss und macht Claudius für den Tod seines Vaters verantwortlich. Hamlet wird unterwegs von Piraten überfallen und kehrt nach Dänemark zurück, während die beiden Begleiter ohne ihn weitersegeln. Eine Nachricht erreicht Horatio, der dem Prinzen entgegenreist. Claudius überredet Laertes zu einem Duell mit Hamlet, vorgeblich als sportliche Wette, in Wahrheit mit einer scharfen, vergifteten Klinge. Gertrude überbringt Laertes die Nachricht, Ophelia sei in einem Bach ertrunken.

Auf dem Friedhof bereiten ein Landarbeiter und sein Gehilfe das Grab Ophelias und unterhalten sich über deren Tod. Hamlet und Horatio treffen ein und verbergen sich. Als Hamlet erkennt, wem die Bestattung gilt, gibt er sich verzweifelt zu erkennen und gerät mit Laertes in einen heftigen Streit. Claudius überredet beide zum geplanten Wettkampf. Vor dem Duell berichtet Hamlet Horatio, dass Rosencrantz und Guildenstern in England hingerichtet wurden, weil er den königlichen Brief unterwegs gefälscht habe. Der Höfling Osric kündigt den Zweikampf an. Vor den Augen des Königspaars beginnt das Duell. Für den Fall, dass Laertes unterliegt, hält Claudius einen vergifteten Siegestrunk für Hamlet bereit. Gertrude jedoch greift unvorhergesehen selbst nach dem Becher und trinkt davon. Laertes trifft Hamlet mit der präparierten Klinge, im Handgemenge tauschen die Kämpfer die Waffen, und auch Laertes wird verwundet. Gertrude stürzt vergiftet zu Boden. Der sterbende Laertes offenbart Hamlet die Anschläge des Königs. In äußerster Wut zwingt Hamlet Claudius, den vergifteten Kelch zu leeren. Während der König stirbt, versöhnen sich Hamlet und Laertes. Die Truppen des Fortinbras nahen, begleitet von englischen Gesandten. Sterbend bestimmt Hamlet Horatio zum Verwalter seines Andenkens und gibt seine Stimme Fortinbras als Nachfolger. Der norwegische Prinz ordnet für Hamlet ein Begräbnis mit militärischen Ehren an.

Stil

Hamlet ist ein Schauspiel in fünf Akten. In seinem frühneuenglischen Original nennt Shakespeare es The Tragicall Historie of Hamlet, Prince of Denmarke. Die Tragödie verbindet ausgedehnte Monologe mit dichten, dramatisch zugespitzten Dialogszenen. Die berühmten Selbstgespräche des Prinzen – allen voran „Sein oder Nichtsein" – machen sein inneres Ringen unmittelbar hörbar. Sie unterbrechen den Handlungsverlauf für Augenblicke des Nachdenkens. Eingelegt in die Haupthandlung ist das Stück im Stück, Die Ermordung des Gonzago. Mit ihm will Hamlet den König entlarven: ein Spiel auf der Bühne, das den Hof spiegelt. Vorgetäuschter Wahnsinn, heimliches Belauschen hinter Vorhängen und das Bild des Prinzen prägen das szenische Gerüst des Stücks. Der Prinz ist in tintenschwarzes Wams gekleidet und trägt ein Buch mit sich.

Rezeption

Hamlet war schon bei seinem Erscheinen ein erfolgreiches Bühnenstück. Der Stoff war in Grundzügen schon vor Shakespeare bekannt und beliebt. Eine frühe Variante, der sogenannte Ur-Hamlet, könnte ab 1594 in London kursiert sein. 1603 erschien das Stück erstmals als Raubdruck, 1604 in einer autorisierten Druckfassung. Seine Beliebtheit zeigt sich an einer kontinuierlichen und dichten Bühnenpräsenz, an einer großen Zahl von Druckausgaben, an der frühen Übertragung ins Deutsche und an einer Vielzahl von Bearbeitungen. Die Adaptionen reichen weit. Sie beginnen bei literarischen Bearbeitungen des 18. und 19. Jahrhunderts und führen über die ersten Stummfilme – etwa Clément Maurice (1900) und Georges Méliès (1907) – bis zu prägenden Tonfilmen. Dazu zählen Laurence Oliviers Verfilmung von 1948 und Grigori Kosinzews russische Verfilmung von 1964. Tom Stoppards Stück Rosencrantz and Guildenstern Are Dead (1967) erzählt die Tragödie aus der Sicht zweier Nebenfiguren weiter. Wendungen aus den Monologen des Prinzen sind in die Alltagssprache eingegangen. Alfred Tennyson nannte Hamlet das „größte aller literarischen Werke".

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