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Werkseintrag · Hannibal
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Hannibal
1835
– Werkseintrag –

Hannibal

1835 · Tragödie

Ein großer Feldherr scheitert nicht am Feind, sondern am Verrat der eigenen Heimat – Grabbes düsteres Drama über Hannibals Weg von Cannä bis zum bitteren Ende.

Überblick↑

Das Werk Hannibal ist eine Tragödie von Christian Dietrich Grabbe, deren Erstdruck 1835 bei Carl Georg Schreiner in Düsseldorf erschien. Im Mittelpunkt steht der große karthagische Feldherr Hannibal und sein aussichtsloser Kampf gegen die Übermacht Roms. Grabbe spannt den Bogen über mehr als drei Jahrzehnte: vom Höhepunkt der karthagischen Erfolge bis zum bitteren Untergang. Auf die Bühne kam das Stück erst spät, am 20. Dezember 1918 am Münchner Nationaltheater.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Nach dem Sieg bei Cannä steht der karthagische Feldherr Hannibal scheinbar auf dem Gipfel seiner Macht. Doch in seiner Heimatstadt Karthago sitzen die wahren Gegner: Hanno, Melkir und Gisgon, die habgierigen „Dreimänner“, die Handel und Flotte beherrschen und der Familie Hannibals feindlich gesinnt sind. Während Hannibal in Italien um Verstärkung und Nachschub ringt, treiben sie ein doppeltes Spiel und lassen den Feldherrn im Stich.

Auf der anderen Seite rüstet Rom. Im Senat fordert der Zensor Kato unerbittlich: „Karthago soll zugrunde gehen!“ Die beiden Scipionen führen die Legionen ins Feld und beginnen einen Krieg, der über Umwege immer näher an Karthago heranrückt. Zwischen den Schauplätzen – Italien, Spanien, Nordafrika – entfaltet sich das Schicksal eines Mannes, der gegen Feinde im eigenen Lager ebenso kämpfen muss wie gegen den äußeren Gegner. Eingeflochten ist die Geschichte des Kriegers Brasidas und seiner Liebe zu Alitta, die in Karthago auf die Heimkehr der Männer wartet.

Die Handlung im Detail↑

In Karthago stehen die „Dreimänner“ Hanno, Melkir und Gisgon gegen Hannibal und seine Familie. Sie lassen den Boten, der die Siegesnachricht aus Cannä bringt, kurzerhand töten und schicken den Krieger Brasidas mit schlecht gerüsteten Truppen und untauglichen Schiffen nach Italien. Vor der Abfahrt sucht Brasidas Gewissheit über Alittas Liebe. Sie liebt ihn, will ihn festhalten und zögert doch ihr Ja hinaus – aber er muss fort zu Hannibal.

In Rom tagt der Senat. Kato verlangt den Untergang Karthagos. Vier Legionen unter den beiden Scipionen werden nach Spanien gesandt, nach Numantia, wo Hannibal viele Freunde hat; der Marsch zielt über Umwege auf Karthago. Hannibal erhält Briefe aus der Heimat: Er soll mit 17.000 Männern nach Kapua ziehen. Die übrigen Nachrichten verheißen nichts Gutes, und Hannibal versorgt sich vorsorglich mit Gift.

Die Scipionen erweisen sich als grausame Eroberer. Sie legen Numantia in Schutt und Asche, lassen die Gefangenen geißeln und pressen Keltiberier in ihr Heer. In Kapua hofft Hannibal auf seinen Bruder Hasdrubal, der nach dem Fall Numantias den beschwerlichen Weg über die Alpen nehmen musste.

Bei Capua nähert sich ein römisches Heer unter Fabius Maximus. Ein als Karthager verkleideter Römer dringt zu Hannibal vor und wirft ihm den abgeschlagenen Kopf seines Bruders Hasdrubal vor die Füße. Der Despot von Kapua öffnet Hannibal zwar die Tore, doch es nützt ihm nichts: Seine eigenen Sklaven bringen ihn um. Aus Karthago kommt der Befehl zur Rückkehr, denn die Scipionen bedrohen die Vaterstadt. Die Flotte sticht in See. Die beiden Überbringer der Botschaft lässt Hannibal zurück und schickt sie damit in den sicheren Tod.

In Karthago will Melkir die Alleinherrschaft und reicht Hanno und Gisgon vergiftete Becher, die diese nicht anrühren. Die Dreimänner sitzen in der Zwickmühle: Sollen sie Hannibal die Tore öffnen oder den Scipionen die Stadt überlassen? Hannibal nimmt ihnen die Entscheidung ab und verschafft sich gewaltsam Einlass. Nach langer Abwesenheit erkundet er die Lage im Gespräch mit seinem Großvater Barkas und mit Alitta. Vor den Toren kämpft Brasidas gegen die anrückenden Römer. Auf Alittas Drängen eilt Hannibal ihm zu Hilfe.

Doch bei Zama siegen die Römer. Melkir frohlockt, denn Hannibal ist vernichtend geschlagen – aber die Freude währt kurz, denn die Sieger wenden sich nun gegen Karthago selbst. In ihrer Not opfern die Karthager die eigenen Kleinkinder dem Moloch; die Gottheit verschlingt das schuldlose Blut, ohne Beistand zu leisten. Die Männer fallen einer nach dem anderen an der Stadtmauer. Der verzweifelte Gisgon verteilt versteckte Waffen an die Sklaven. Hannibal gelingt die Flucht.

Beim König Prusias von Bithynien findet Hannibal Asyl. Untertänig bittet er um eine Audienz, und während des Empfangs hält ihm der König einige schwere Fehler seiner Kriegführung gegen Rom vor. In Karthago bewaffnen unterdessen die Frauen das letzte Häuflein überlebender Männer, doch auch diese fallen. Brasidas ist tot. Alitta will nicht länger leben und geht zusammen mit dem greisen Barkas in den Feuertod. In Bithynien fordern die Römer von Prusias die Auslieferung Hannibals und drohen mit Krieg. Prusias gibt nach. Als sich die Römer dem Asyl nähern, nimmt Hannibal das Gift und stirbt.

Stil↑

Auffällig ist der rasche, harte Wechsel der Schauplätze. Grabbe schneidet die Handlung in viele kurze Szenen und springt zwischen Karthago, Rom, Spanien, Italien, Nordafrika und Bithynien hin und her. Diese Sprünge stellen die Macht- und Kriegsschauplätze unmittelbar gegeneinander und schaffen ein zerrissenes, hastiges Bild der Ereignisse.

Bemerkenswert ist auch der Umgang mit der Zeit. Die Handlung umfasst gut dreißig Jahre, und doch wirkt sie auf den Zuschauer so, als spiele sie sich in wenigen Jahren ab. Die spätere Literaturgeschichte hat gerade die schroffen Stilwechsel des Stücks als originell hervorgehoben, während ältere Urteile darin eher einen Mangel sahen. Knappe, zugespitzte Repliken wie Katos „Karthago soll zugrunde gehen!“ prägen den Ton.

Rezeption↑

Das Stück gilt als durch und durch pessimistisch. Es zeigt einen großen Feldherrn, der nicht nur am äußeren Feind, sondern ebenso am Verrat und an der Selbstsucht der eigenen Landsleute scheitert. Die Bühnenwirkung blieb lange aus: Erst 1918, mehr als acht Jahrzehnte nach dem Erstdruck, kam Hannibal am Münchner Nationaltheater zur Uraufführung.

Während die ältere Literaturgeschichte mit den abrupten Stilwechseln fremdelte, wertet die neuere sie als reizvoll und eigenständig. Gewürdigt wird auch Grabbes dramaturgisches Kunststück, einen Zeitraum von über dreißig Jahren so zu raffen, dass er dem Zuschauer wie eine knappe, dicht gedrängte Spanne erscheint.

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