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Werkseintrag · Hans Huckebein, der Unglücksrabe
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Cover Hans Huckebein, der Unglücksrabe
Hans Huckebein, der Unglücksrabe
1867
– Werkseintrag –

Hans Huckebein, der Unglücksrabe

1867 · Erzählung

Ein boshafter Rabe bringt einen ganzen Haushalt durcheinander – in heiteren Reimen und mit Wilhelm Buschs unverkennbar schwarzem Humor.

Überblick

Zu den lausbubenhaften Bildergeschichten Wilhelm Buschs gehört Hans Huckebein, der Unglücksrabe. Sie erschien 1867 in vier Folgen in der Stuttgarter Zeitschrift Über Land und Meer und erzählt in gereimten Versen vom bösen Treiben eines Raben. Ähnlich wie in anderen Tiergeschichten Buschs – etwa Plisch und Plum oder Fipps, der Affe – spielt der Verfasser mit der Schadenfreude seiner Leser und ihrer Lust an der Heimtücke. Die Verbindung von Bild und Reim, von harmlosem Anlass und düsterem Ausgang macht das Werk zu einem kennzeichnenden Beispiel für Buschs schwarzen Humor.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Mittelpunkt steht ein junger Rabe, den der Knabe Fritz im Wald findet und unbedingt mit nach Hause nehmen will. Mit List fängt er das verängstigte Tier ein und bringt es zu seiner Tante. Doch die Hoffnung auf ein niedliches Haustier erfüllt sich nicht: Der Rabe, genannt Hans Huckebein, entpuppt sich als boshafter Störenfried, der den ganzen Haushalt durcheinanderbringt.

Er klaut dem Spitz einen Knochen, verwickelt Hund und Kater in einen Streit und richtet in Küche und Stube allerlei Schaden an. Die Tante macht Jagd auf ihn, doch der gewitzte Vogel ist kaum zu fassen. Was ihn schließlich zu Fall bringt und wie seine Geschichte endet, verraten die letzten Verse – sie sind ganz im Geist von Buschs Vorliebe für düstere Pointen gehalten.

Die Handlung im Detail

In Reimform, durchweg im Paarreim, erzählt das Werk vom unglückseligen Raben Hans Huckebein. Der Knabe Fritz findet im Wald ein junges Tier und will es unbedingt besitzen. Mit List und Tücke fängt er den verängstigten Vogel ein und bringt ihn nach Hause zu seiner Tante. Diese wird sogleich enttäuscht: Statt eines niedlichen Tierchens hat sie einen Beißer vor sich, denn der Rabe beißt sie heftig.

Anschließend stiftet Huckebein Unruhe im ganzen Haus. Er klaut dem Spitz einen Schinkenknochen, woraufhin ein heftiger Streit unter den Tieren entbrennt, in den auch der Kater hineingerät. Weil der Rabe gewitzt ist, trickst er Hund und Kater aus und behält die Oberhand. Nun ist er nicht mehr zu bremsen.

Er macht sich über das frisch gekochte Heidelbeerkompott her. Als die entsetzte Tante ihn einfangen will, tappt er über ihre saubere Bügelwäsche. Bei der folgenden Jagd geht vieles zu Bruch: die Teller im Bord, ein Korb Eier, der Krug mit Bier. Schließlich fliegt ein Eimer Wasser, den die Tante abbekommt. Als sie den Raben mit einer Gabel zur Strecke bringen will, landet diese in Fritzens Ohr. Huckebein versteckt sich, wird aber entdeckt und beißt die Tante in die Nase.

Vorwitzig wie er ist, macht er sich nun über den Likör her und leert das Glas genüsslich. Betrunken torkelt er umher, wirft die Likörflasche vom Tisch und verheddert sich im Strickzeug der Tante. Sein Ende ist kläglich: Er stranguliert sich mit dem Garn selbst. Die Verse schließen mit einer Moral, die die Tante spricht: „Die Bosheit war sein Hauptpläsier. Drum – spricht die Tante – hängt er hier!“ Nachdem der böse Rabe den Haushalt rücksichtslos durcheinandergebracht hat, geht er also durch eigene Schuld zugrunde. Für Busch war Huckebein, wie so oft in seinen Bildergeschichten, eine weitere Verkörperung des Bösen, das nach seiner Auffassung in jedem Menschen und Tier steckt.

Stil

Geprägt ist das Werk vom Zusammenspiel aus Zeichnung und Vers. Busch erzählt durchgehend in gereimten Paarversen, knapp und schlagkräftig, und führt jede Szene zugleich im Bild vor. Die Anlage ist lausbubenhaft, ähnlich wie in Max und Moritz: Eine Untat reiht sich an die nächste, bis die boshafte Kette in einem drastischen Schluss endet.

Kennzeichnend ist der schwarze Humor, der sich durch Buschs gesamtes Schaffen zieht. Der heitere, beschwingte Ton der Reime steht in scharfem Gegensatz zu den zerstörerischen und am Ende düsteren Vorgängen. Gerade aus diesem Spannungsverhältnis gewinnt die Geschichte ihre Wirkung. Aus heutiger Sicht erscheint Busch mit solchen Geschichten als ein früher Meister der Satire.

Rezeption

Schon zur Entstehungszeit löste der Stoff Reaktionen aus. Der drastische Tod des Raben rief eine Gruppe um einen „Herrn Dr. Weber“ auf den Plan, die in einem Gedicht mit einundzwanzig Unterschriften das unschöne Ende beklagte. Aus Buschs Antwort darauf wurde später die Einleitung der Buchfassung. Ein Teil der Leserschaft mochte Mitleid mit dem Vogel empfinden – für Busch selbst blieb er eine Verkörperung des Bösen.

Bis heute lebt der Name fort. In Anlehnung an die Geschichte wurde „(Hans) Huckebein“ in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet, etwa für ein deutsches Jagdflugzeugprojekt, einen Berliner Kindergarten samt Rabensymbol und für eine Figur in einer Computerspielserie. Seit 2013 wird in Stadthagen, nahe Buschs Geburtsort Wiedensahl, der Hans-Huckebein-Preis für Literaturschaffende im Geiste Wilhelm Buschs verliehen. Auch eine Sonderbriefmarkenserie nahm den Unglücksraben 2007 zum Anlass auf. Mehrfach wurde der Stoff zudem verfilmt, unter anderem 1924 als Werbefilm und 1978 im Rahmen einer Trickfilm-Parade.

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