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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Plisch und Plum
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Cover Plisch und Plum
Plisch und Plum
1882
– Werkseintrag –

Plisch und Plum

1882 · Epik

Zwei gerettete Hunde verwandeln ein Haus in ein Schlachtfeld dreister Streiche – während ein schadenfroher Zuschauer jedes Unglück hämisch kommentiert.

Überblick

Die Bildergeschichte Plisch und Plum erschien 1882 und gehört zu den bekannten Werken Wilhelm Buschs. Erzählt wird vom Schicksal zweier junger Hunde, die dem Tod entrinnen und in einer Familie eine Reihe dreister Streiche begehen. Wie schon in anderen Tiergeschichten Buschs, etwa Hans Huckebein, der Unglücksrabe und Fipps, der Affe, treibt die Figuren ein scheinbar unbändiger Hang zum Anstellen von Unfug. Busch verbindet gereimte Verse mit eigenen Zeichnungen zu einer Folge von Kapiteln, in denen Bosheit, Schadenfreude und am Ende die strenge Erziehung ihren Platz haben.

Inhalt (ohne Spoiler)

Zwei junge Hunde sollen vom alten Kaspar Schlich im Wasser ertränkt werden. Doch die beiden Jungen Paul und Peter retten die Tiere, geben ihnen die Namen Plisch und Plum und nehmen sie mit nach Hause. Dort sind die Hunde alles andere als brav: Mit einem ungebremsten Drang zum Zerstören richten sie in Haus und Familie reihenweise Schaden an. Kapitel für Kapitel folgt ein neuer Streich.

Der schadenfrohe Schlich, der die Rettung mit angesehen hat, bleibt in der Nähe und beobachtet das Treiben. Am Ende jedes Kapitels kommentiert er das Unglück der Familie mit hämischem Vergnügen. Erst als die Erziehung der Kinder und der Hunde in strengere Hände gerät, verändert sich die Lage. Wie sich das Schicksal der Hunde, der Familie und des boshaften Zuschauers schließlich wendet, bleibt der Lektüre vorbehalten.

Die Handlung im Detail

Der alte Kaspar Schlich will zwei junge Hunde im Wasser ertränken. Die beiden Jungen Paul und Peter beobachten dies, retten die Tiere, nennen sie Plisch und Plum und bringen sie nach Hause. Von da an stellen die Hunde mit einem geradezu unbändigen Zerstörungstrieb einen Streich nach dem anderen an und ziehen die ganze Familie in Mitleidenschaft.

Schlich, boshaft und schadenfroh, bleibt nach der Rettung als Beobachter zurück. Am Schluss des dritten, vierten und fünften Kapitels kommentiert er das Unheil mit den wiederkehrenden Versen: „Ist fatal!" bemerkte Schlich. „Hehe! Aber nicht für mich." Dieser Spruch zieht sich wie ein Refrain durch die Geschichte. Im sechsten Kapitel jedoch trifft das Missgeschick ihn selbst, und der Reim verkehrt sich: „Höchst fatal!" bemerkte Schlich. „Aber diesmal auch für mich!"

Im siebenten Kapitel wird die Erziehung von Paul und Peter dem grinsenden Lehrer Bokelmann übertragen, der bei Fehlverhalten zur „harten, guten Haselrute" greift. Sein strenges Vorgehen zeigt Erfolg, und auch die Hunde werden mit ebenso wenig Nachsicht dressiert – weder Paul noch Peter sparen dabei mit Bestrafung. Aus den wilden Tieren werden so handhabbare Hunde. Dazu passt Buschs Vers: „Tugend will ermuntert sein, / Bosheit kann man schon allein."

Im Schlusskapitel apportieren die dressierten Hunde das Perspektiv und den Hut eines Mister Pief aus dem Wasser. Mister Pief ist von den Tieren so angetan, dass er sie dem Vater der beiden Jungen abkauft. Der Vater Fittig erhält dafür hundert Mark, und seine Abschiedsverse wünschen den Hunden ein sorgenfreies Leben: „Lebt vergnügt und ohne Not, / Beefsteak sei euer täglich Brot!" Schlich, der auch herbeigekommen ist und alles mit angesehen hat, erträgt das fremde Glück nicht. „Recht erfreulich!" murmelt er, „aber leider nicht für mich!" Vor Neid bekommt er den Seelenkrampf, fällt rücklings ins Wasser und stirbt an seiner Missgunst.

In das fünfte Kapitel ist eine Figur eingefügt, die unter dem Namen Schmulchen Schievelbeiner mit den damals verbreiteten antisemitischen Klischees gezeichnet ist – als schlau und geldgierig.

Stil

Kennzeichnend für das Werk ist die enge Verbindung von Bild und gereimtem Vers: Wilhelm Busch erzählt in kurzen, paarweise reimenden Zeilen, die jeweils zu seinen eigenen Zeichnungen treten. Die Geschichte ist in Kapitel gegliedert, deren Abschlüsse Busch zur Pointe nutzt. Besonders auffällig ist der wiederkehrende Kommentar des Kaspar Schlich, der am Ende mehrerer Kapitel fast wortgleich auftaucht und dadurch wie ein Leitmotiv oder Refrain wirkt. Erst gegen Schluss wird diese Formel umgekehrt und so für die Wendung der Handlung genutzt.

Der Ton ist von Schadenfreude, Gemeinheit und einer ausgeprägten Neigung zur Gewalt geprägt. Buschs Figuren scheinen unfähig, das Böse zu unterlassen – eine Grundhaltung, die der Geschichte ihren bissigen Humor gibt. Immer wieder verdichtet er das Geschehen in knappen, sprichwortartigen Versen wie „Tugend will ermuntert sein, / Bosheit kann man schon allein." Solche zugespitzten Reimsätze sind ein typisches Mittel seiner Bildergeschichten.

Rezeption

Das Werk reiht sich in die Folge von Buschs Tiergeschichten ein und ist über die Jahrzehnte als Bildergeschichte populär geblieben. Seine Verse und Figuren haben sich weit über das Buch hinaus eingeprägt: Im Januar 1967 verglich Felix Rexhausen im Spiegel die Minister Karl Schiller und Franz Josef Strauß mit Plisch und Plum, weil sie in ähnlich gegensätzlicher Gestalt erschienen – der eine hager, der andere gedrungen. Die Spitznamen wurden rasch allgemein bekannt. Auch sonst wirkt der Titel nach: Zwei Fischkutter einer Reederei sowie zwei Wege im Bremer Wilhelm-Busch-Viertel wurden nach den beiden Hunden benannt.

Kritisch betrachtet wird die in das fünfte Kapitel eingefügte antisemitische Figur. Wie zahlreiche Autoren des 19. Jahrhunderts bediente Busch die damals verbreiteten Klischees vom schlauen, geldgierigen Juden. Der Historiker Golo Mann hielt Busch nicht für einen überzeugten Antisemiten, ergänzte aber, „ein klein bisschen" sei er es gewesen, wie es damals üblich gewesen sei. Der Historiker Peter Gay kam zu dem Ergebnis, Busch sei kein dezidierter Judenfeind, sondern nur ein oberflächlicher, sporadischer Antisemit gewesen; dafür spreche, dass solche Figuren bei ihm nur als Randerscheinungen auftraten.

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