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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Platero und ich
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Cover Platero und ich
Platero und ich
1914
– Werkseintrag –

Platero und ich

1914 · Erzählung

Ein Dichter durchstreift mit seinem silbergrauen Esel ein Jahr lang sein andalusisches Heimatstädtchen und findet noch im kleinsten Ding der Natur einen Grund zum Staunen.

Überblick

Das lyrische Prosabuch Platero und ich (spanisch Platero y yo) zählt zu den bekanntesten Werken des spanischen Dichters Juan Ramón Jiménez. Es schildert auf poetische Weise die Freundschaft zwischen einem Esel namens Platero und seinem Besitzer. Jiménez schrieb es in seiner Heimatstadt Moguer; das Buch versammelt Erinnerungen an seine in Andalusien verbrachte Jugend. In seiner Jugend besaß der Autor viele Esel, und die Gestalt Platero fasst mehrere solcher Erfahrungen zu einer einzigen Figur zusammen. Der Name geht auf das silbrig schimmernde Fell des Tieres zurück (spanisch plata – „Silber"). Die erste Ausgabe erschien 1914 mit 74 Kapiteln, die vollständige Fassung 1917 mit 138 Kapiteln. Bis heute gilt das Werk als klassische Lektüre und als eine der beliebtesten Dichtungen seines Verfassers.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Mittelpunkt steht die Wanderung eines Erzählers, der zusammen mit seinem geliebten Esel durch das Heimatstädtchen Moguer streift. Das Buch besteht aus vielen kurzen, für sich stehenden Kapiteln; jedes umfasst nur eine oder zwei Seiten und bildet eine eigene kleine Episode. Die Handlung erstreckt sich über ein volles Jahr – von Februar zu Februar. Der Erzähler teilt dem Tier seine Gefühle, Eindrücke und Beobachtungen über die Welt mit. Neben Platero treten viele weitere Tiere auf: eine weiße Hündin namens Diana, die zwischen den Hufen des Esels schläft, dazu Enten und Vögel aller Art. Der Dichter richtet seinen Blick auf noch das kleinste Detail der Natur – eine Feldblume, den Gesang einer Grille. So entsteht ein Bild vom Leben in Moguer und von der Landschaft, die sich mit den wechselnden Jahreszeiten verwandelt.

Die Handlung im Detail

In seiner vollständigen Fassung umfasst das Werk 138 lose aneinandergereihte Kapitel. Die frühere Ausgabe von 1914 enthielt nur 74 und galt als kindgerechter, weil ihr die dunkleren Kapitel fehlten. Die volle Fassung zeigt auch das Leid von Menschen und Tieren, die damals in Moguer herrschende Armut und den Hunger sowie deutliche Gesellschaftskritik – Bilder von Heuchelei, Ungerechtigkeit und der Ausgrenzung von Menschen am Rande. Der Untertitel „Andalusische Elegie" weist auf die typischen Themen dieser Gattung hin: Verlust und Vergänglichkeit. Gemeint sind das Vergehen von Kindheit und Jugend, aber auch der Tod von Menschen und Tieren, der trotz der scheinbar sanften, poetischen Bilder ständig gegenwärtig bleibt.

Um den Erzähler und seinen Esel gruppieren sich mehrere Figuren. Platero selbst ist klein, zottig und zart; er spiegelt das Wesen des Dichters wider und steht zugleich für alle Esel, die dieser einst besaß. Hinzu kommen die weiße Hündin Diana und die Nichten des Dichters – Victoria, Lola, Blanca und Pepe. Eine eigene Gestalt ist Darbón, der Platero behandelt: ein grob wirkender, doch feinfühliger Mann, der sich gut mit dem Esel und mit den Nichten versteht. Dazu treten die Nachbarn des Dorfes, mit denen der Erzähler spricht. Als Erzähler wird gemeinhin der Dichter selbst angenommen; in einer Ansprache an der Universität von Puerto Rico bekannte Jiménez, dass er die Zeit mit seinem Esel verbrachte, der ihm ein Beistand war und mit dem er seine Gefühle teilte.

Stil

Als poetische Erzählung in Prosa geschrieben, verbindet das Werk das freie Erzählen mit der Dichte der Lyrik. Die Sprache ist reich und gewählt, voller Adjektive, Metaphern und Personifikationen. Dazu treten zahlreiche Andalusismen – Wörter, wie sie für die spanische Region Andalusien typisch sind. In den Text sind auch Fragmente volkstümlicher Lieder eingeflochten sowie ein Vers aus einem Sonett Shakespeares. Neben diesem Dichter nennt Jiménez weitere bekannte Namen, etwa Fra Angélico, Piero di Cosimo, Courbet und Böcklin, die ihn an seine Kindheit erinnern. Durchgängig prägen ausführliche, genaue Schilderungen der andalusischen Natur das Buch.

Rezeption

Weithin gilt das Buch als klassische Kinderlektüre und als eine der besten Dichtungen des vergangenen Jahrhunderts. Im 20. und 21. Jahrhundert gelangte es in Spanien und in den spanischsprachigen Ländern auf die Listen der Schullektüre. Dabei war es gar nicht eigens für Kinder gedacht: Jiménez beteuerte, er habe nie für Kinder geschrieben und werde es auch nie tun, denn ein Kind könne dieselben Bücher lesen wie ein Erwachsener. Gleichwohl fand das Werk seine Leser vor allem unter Kindern. Der Erfolg der ersten Ausgabe von 1914 hatte eine eigene Nachwirkung: Der Leiter des Verlags, Francisco Acebal, brachte das Werk noch im selben Jahr ohne Zustimmung des Autors als „Schulbuch" heraus. Verärgert über diesen Vorgang nannte der Dichter diese Ausgabe fortan den „gestohlenen Esel". Die vollständige Fassung folgte 1917 im Verlag Calleja. Über Übersetzungen fand das Buch schließlich auch außerhalb Spaniens seine Leser.

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