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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Pippi Langstrumpf
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Cover Pippi Langstrumpf
Pippi Langstrumpf
1945
– Werkseintrag –

Pippi Langstrumpf

1945 · Roman

Ein neunjähriges Mädchen mit übermenschlicher Kraft lebt ganz allein in einer bunten Villa, macht sich seine eigenen Regeln und stürzt sich mit den Nachbarskindern in ein Abenteuer nach dem anderen.

Überblick↑

Das Kinderbuch Pippi Langstrumpf der schwedischen Schriftstellerin Astrid Lindgren erzählt von einem neunjährigen Mädchen, das ganz allein und ohne Erwachsene in einem kleinen schwedischen Ort lebt. Das Werk erschien zunächst in drei Bänden: 1945, 1946 und 1948; später wurden diese in einem Band zusammengefasst. Das Buch hatte in Schweden und im Ausland großen Erfolg. Aus dem Stoff entstanden ein Kinofilm und eine bekannte Fernsehserie.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Mittelpunkt steht Pippi Langstrumpf, ein neunjähriges Mädchen, das in die große Villa Kunterbunt einzieht und dort ohne Eltern wohnt. Ihre Mutter ist gestorben, als Pippi noch ein Baby war; Pippi glaubt, dass sie vom Himmel auf sie herabschaut. Der Vater, ein Kapitän, gilt seit einem schweren Sturm als verschollen. Pippi ist überzeugt, er sei auf einer Insel gelandet und dort König geworden. In der Villa lebt sie mit einem kleinen Affen namens Herr Nilsson und einem Pferd. Einen Koffer voller Goldmünzen hat sie mitgebracht.

Die beiden Nachbarskinder Tommy und Annika werden schnell ihre Freunde. Pippi ist einfallsreich, langweilt sich nie und besitzt übermenschliche Kräfte. Mit ihr erleben die Geschwister eine Reihe merkwürdiger und märchenhafter Abenteuer. Die Handlung setzt sich aus vielen einzelnen Episoden zusammen, die kaum miteinander verbunden sind und durch Pippis Fantasie zusammengehalten werden. Das Mädchen sieht die Welt aus seinem eigenen, ganz eigensinnigen Blickwinkel.

Die Handlung im Detail↑

Der erste Band beginnt mit Pippis Einzug in die Villa Kunterbunt. Als Waise lebt sie nun allein. Tommy und Annika kommen neugierig herüber und finden Pippi, wie sie rückwärts am Gartenzaun entlanggeht. Sie empfängt ihre neuen Freunde mit Pfannkuchen und erzählt ihnen reichlich fantastische Geschichten.

In den folgenden Kapiteln backt Pippi Kekse auf dem Fußboden, sucht mit den Kindern nach allerlei Dingen und stellt sich einer Gruppe von Rabauken entgegen, die einen Jungen ärgern. Mit ihrer Kraft wirft sie die Angreifer mühelos zu Boden. Als die Erwachsenen des Ortes erfahren, dass Pippi ganz allein lebt, rufen sie die Polizei. Zwei Polizisten sollen sie in ein Heim bringen, doch Pippi lässt sich zunächst jagen und trägt die beiden schließlich einfach aus dem Haus.

Auf Drängen von Tommy und Annika geht Pippi zur Schule. Dort stellt sie sich mit einem langen, ausgedachten Namen vor und nennt sich Tochter des Kapitäns Efraim Langstrumpf, König einer Insel. Die Lehrerin prüft ihr Wissen ohne Erfolg. Statt auf ein Blatt zu zeichnen, malt Pippi auf den Fußboden, weil ihr Pferd angeblich nicht auf ein Blatt passe. Am Ende verzichtet sie auf die Schule. Später entdeckt sie einen hohlen Eichenbaum, der fortan das Versteck der Kinder wird.

Bei einem Ausflug rettet Pippi Tommy vor einem wütenden Stier, indem sie das Tier bei den Hörnern packt. Im Zirkus springt sie auf ein Pferd, klettert auf das Seil der Seiltänzerin und besiegt einen starken Champion. Zwei Diebe, die es auf ihre Goldmünzen abgesehen haben, überwältigt sie und lässt sie bis zur Erschöpfung tanzen; zum Schluss gibt sie ihnen sogar etwas zu essen und eine Goldmünze. Bei einem Kaffeekränzchen der Damen benimmt sie sich völlig ungehörig, verschlingt eine ganze Torte und blamiert ihre Freunde, bricht aber in Tränen aus, als Frau Settergren sie tadelt.

In einem später eingefügten Kapitel rettet Pippi zwei Kinder aus einem brennenden Haus, indem sie über ein Brett zwischen einem Ast und dem Fenstersims balanciert. Zu ihrem Geburtstag lädt sie Tommy und Annika ein, beschenkt sie ihrerseits und spielt mit ihnen, bis der Vater der Geschwister erscheint.

Der zweite Band führt die Abenteuer fort. Pippi geht mit den Kindern einkaufen und drückt ihnen Goldmünzen in die Hand. In einem Kleidergeschäft reißt sie einer Schaufensterpuppe den Arm ab, weil sie sie für eine Verkäuferin hält. Im Süßwarenladen und im Spielzeugladen kauft sie für alle anwesenden Kinder ein. Weil sie neidisch ist, dass Tommy und Annika Briefe von ihrer Großmutter bekommen, schreibt Pippi sich selbst einen Brief voller Rechtschreibfehler.

Um am Schulausflug teilnehmen zu dürfen, verfolgt Pippi den Unterricht von einem Ast vor dem Klassenfenster aus. Beim Ausflug in den Trollwald ist sie enttäuscht, dass es dort keine echten Trolle gibt, und spielt kurzerhand selbst einen. Als sie ein totes Vögelchen findet, weint sie. Einem Mann, der sein Pferd mit der Peitsche quält, nimmt sie das Tier ab und erteilt ihm eine Lektion. Danach nimmt sie sich vor, künftig zu üben, eine richtige feine Dame zu werden.

Auf dem Jahrmarkt gewinnt Pippi beim Schießstand und lädt ihre Freunde zu einer Fahrt auf dem Karussell ein. Bei einer Vorführung springt sie auf die Bühne, weil sie einen gespielten Mord für echt hält. Im Tierzelt spielt sie mit einer Riesenschlange, rettet ein Mädchen vor einem entlaufenen Tiger und bändigt einen betrunkenen Störenfried. Am Ende erzählt Tommy von einem Buch über einen Schiffbruch, und Pippi kommt auf den Gedanken, dass die Kinder auf einer nahen Insel selbst einen solchen nachspielen könnten.

Stil↑

Kennzeichnend für das Werk ist seine lose, episodische Bauform. Die einzelnen Kapitel stehen fast wie selbstständige Geschichten nebeneinander und weisen selten Verbindungen untereinander auf. Zusammengehalten werden sie allein durch die Figur der Pippi und ihre grenzenlose Fantasie. Diese offene Form erlaubt es, immer neue Abenteuer anzureihen, ohne dass ein durchgehender Spannungsbogen nötig wäre.

Die Welt wird durchweg aus dem Blickwinkel des Kindes gezeigt. Pippi betrachtet die Erwachsenenwelt eigensinnig und stellt ihre Regeln auf den Kopf. Übertreibung ist ein wichtiges Mittel: Pippis übermenschliche Kraft, ihre aufgeschnittenen Geschichten und ihre erfundenen Länder sorgen für Komik. Auch Pippis Briefe voller Rechtschreibfehler gehören zu diesem heiteren, kindlichen Ton.

Rezeption↑

Bereits in Schweden hatte das Buch einen ungewöhnlich großen Erfolg, der sich rasch auch im Ausland fortsetzte. Die Figur der Pippi wurde weit über die Grenzen ihres Heimatlandes hinaus bekannt. Der Stoff wurde mehrfach für Kino und Fernsehen bearbeitet.

Schon 1949 entstand eine erste Verfilmung. Später kamen weitere Filme hinzu, darunter Pippi geht von Bord aus dem Jahr 1969. Besondere Bekanntheit erlangte die Fernsehserie von 1969 unter der Regie von Olle Hellbom. Auch als Zeichentrickfilm wurde der Stoff aufgegriffen, so 1997 in einer Bearbeitung unter der Regie von Michael Schaack. Bis heute zählt Pippi Langstrumpf zu den bekanntesten Kinderbuchfiguren.

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