Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
Werkseintrag · Macbeth
Eingang · Werke · Macbeth
Cover Macbeth
Macbeth
1623
– Werkseintrag –

Macbeth

1623 · Tragödie

Eine Hexenweissagung weckt im siegreichen Heerführer Macbeth den Hunger nach der Krone – und treibt ihn und seine ehrgeizige Frau in einen Strudel aus Mord, Angst und Schuld.

Kurzporträt

Das Werk Macbeth ist eine Tragödie von William Shakespeare und gehört zu den bekanntesten Dramen der Weltliteratur. Es erzählt den Aufstieg des königlichen Heerführers Macbeth zum König von Schottland, seinen Wandel zum Mörder und seinen Fall. Shakespeare stellte das Drama vermutlich um 1606 fertig. Die einzige zuverlässige Textfassung findet sich in der sogenannten First Folio von 1623. Der Dichter verband darin geschichtliche Tatsachen über den historischen Schottenkönig Macbeth und über den englischen König Jakob I. mit Aberglauben, Mythologie und freier Erfindung. Die erste überlieferte Erwähnung einer Aufführung stammt vermutlich aus dem Jahr 1611.

Inhalt (ohne Spoiler)

Drei Hexen treffen inmitten eines Gewitters zusammen, während die schottischen Truppen König Duncans gegen die Norweger kämpfen. Der königliche Heerführer Macbeth hat sich in dieser Schlacht ausgezeichnet. Auf seinem Rückweg begegnet er zusammen mit seinem Freund, dem General Banquo, den drei Hexen auf einer Heide. Sie sprechen ihn als Thane of Cawdor an und weissagen ihm, er werde bald König sein. Banquo dagegen sagen sie voraus, er werde Ahnvater von Königen sein.

Macbeth ist von der Prophezeiung zunächst mehr verwirrt als überzeugt. Doch schon bald erfüllt sich ihr erster Teil. Damit beginnt in ihm der Gedanke zu wachsen, den alten König Duncan abzulösen. Seine ehrgeizige Frau, Lady Macbeth, drängt ihn zur Tat. Aus dem geehrten Heerführer wird ein Mann, der von Ehrgeiz, Angst und schlechtem Gewissen getrieben wird. Die Tragödie zeigt, wie Macht und Schuld eine Ehe und einen ganzen Menschen zerstören.

Die Handlung im Detail

Das Drama beginnt mit dem Auftritt von drei Hexen, die in einem Gewitter beraten, wann sie sich wiedertreffen wollen. Bei Forres findet die letzte Schlacht der Truppen König Duncans gegen den norwegischen König Sweno statt, der vom Rebellen Macdonwald unterstützt wird. Im Feldlager erfährt Duncan, dass Macbeth Macdonwald besiegt hat und dass auch der Thane of Cawdor zu den Norwegern hielt. Duncan ordnet an, Amt und Würden des verräterischen Thane of Cawdor auf Macbeth zu übertragen.

Auf dem Rückweg treffen Macbeth und Banquo auf der Heide die Hexen. Sie sprechen Macbeth als Thane of Cawdor an und weissagen ihm die Königswürde. Banquo verkünden sie, er werde Ahnvater von Königen sein. Kurz darauf bringt Rosse die Nachricht von Macbeths Ernennung zum Thane of Cawdor. So erfüllt sich der erste Teil der Prophezeiung. Macbeth kommt ins Grübeln und denkt heimlich daran, Duncan abzulösen. Lady Macbeth, von ihrem Mann unterrichtet, drängt zum Mord. Macbeth schreckt zunächst zurück, gibt aber nach, um vor seiner Frau nicht als Feigling dazustehen. Duncan trifft mit seinen Söhnen und seinem Gefolge als Gast auf Macbeths Burg in Inverness ein.

Im Burghof begegnen sich Banquo, sein Sohn Fleance und Macbeth bei Nacht. Nachdem Banquo und Fleance gegangen sind, erscheint vor Macbeths Augen ein schwebender, blutiger Dolch. Er deutet ihn als Aufforderung zur Tat. Als Lady Macbeth eine vereinbarte Glocke läutet, ermordet er den schlafenden König. Lady Macbeth hat die Wachen zuvor mit einem Schlafmittel betäubt. Sie findet ihren völlig verstörten Mann vor, der noch die Mordwaffen bei sich trägt, statt sie den Wachen in die Hand zu legen. Da er sich weigert, die Kammer noch einmal zu betreten, übernimmt sie selbst diesen Teil des Plans. Dann pocht es heftig am Burgtor. Der missgelaunte Pförtner öffnet schließlich Macduff und Lennox. Macduff entdeckt den Mord und schlägt Alarm. In der allgemeinen Verwirrung erschlägt Macbeth die beiden Kammerdiener als angebliche Mörder. Macduff schöpft Verdacht. Duncans Söhne Donalbain und Malcolm fliehen nach Irland und England, aus Angst, ebenfalls getötet oder verdächtigt zu werden.

Macbeth wird zum König gekrönt. Er fürchtet aber um seine Stellung, weil Banquo von den Hexen weiß und weil nach der Weissagung nicht Macbeth, sondern Banquo Stammvater künftiger Könige sein soll. Er schickt Mörder aus, um Banquo und Fleance zu töten. Banquo wird erschlagen, Fleance aber kann entkommen. Bei einem Bankett zur Feier seiner Krönung erscheint der Geist Banquos und nimmt auf Macbeths Stuhl Platz. Nur Macbeth sieht ihn, und sein verstörtes Verhalten beunruhigt die Gäste. Lady Macbeth versucht zu beschwichtigen, muss die Feier aber schließlich abbrechen. Macbeth beschließt, die Hexen ein zweites Mal aufzusuchen.

In einer Grotte brauen die Hexen einen Zaubertrank. Sie beschwören drei Erscheinungen herauf. Die erste, ein bewaffnetes Haupt, warnt ihn vor Macduff. Die zweite, ein blutiges Kind, verkündet, kein Mensch, der von einer Frau geboren wurde, könne ihm schaden. Die dritte, ein gekröntes Kind mit einem Baum in der Hand, verspricht, er habe nichts zu fürchten, solange nicht der Wald von Birnam nach Dunsinane komme. Macbeth ist erfreut. Doch auf seine Frage nach Banquos Nachkommen zeigen die Hexen ihm acht königlich gekleidete Gestalten und schließlich Banquo selbst – seine Nachfahren als künftige Könige. Lennox berichtet, Macduff sei nach England geflohen, um mit Malcolm ein Heer gegen Macbeth zu führen. Aus Rache lässt Macbeth Macduffs Frau und Kinder ermorden. Macduff, der die Nachricht in England erfährt, zieht mit Malcolm und dem englischen Heerführer Siward in den Krieg.

Auf Burg Dunsinane ist Macbeth zum verbitterten Tyrannen geworden. Seine Frau, von Schuldgefühlen geplagt, wandelt im Schlaf, phantasiert, verliert den Verstand und nimmt sich schließlich das Leben. Die heranrückenden Truppen tarnen sich hinter Ästen und Zweigen aus dem Wald von Birnam, um unbemerkt vorzudringen. Als Macbeth vom „wandelnden Wald" erfährt, erkennt er, dass sich diese Prophezeiung erfüllt. Zunächst kann ihn niemand töten. Dann stellt sich ihm Macduff zum Zweikampf. Auf Macbeths höhnischen Hinweis, kein von einer Frau Geborener könne ihn töten, entgegnet Macduff, er sei seiner Mutter vor der Zeit aus dem Leib geschnitten worden. Macbeth weigert sich, sich zu ergeben, und wird von Macduff getötet. Duncans Sohn Malcolm wird zum neuen König von Schottland ausgerufen.

Stil

Das Drama folgt dem klassischen fünfaktigen Aufbau der Tragödie. Der erste Akt führt als Exposition die Figuren, den Schauplatz und das Thema ein. Der zweite Akt bringt die steigende Handlung mit dem Mord an Duncan. Im dritten Akt liegt der Wendepunkt, als Macbeth beschließt, nicht klein beizugeben, und die Ermordung Banquos anordnet. Der vierte Akt verzögert die Auflösung, indem die zweite Prophezeiung Macbeth einen trügerischen Hoffnungsschimmer gibt. Der fünfte Akt löst den Konflikt auf.

Kennzeichnend ist die Verbindung von geschichtlichem Stoff mit Aberglauben, Mythologie und Erfindung. Die Hexen, der schwebende Dolch und der Geist Banquos verleihen dem Stück eine unheimliche, übernatürliche Atmosphäre. Die Prophezeiungen sind doppeldeutig formuliert und erfüllen sich auf überraschende Weise: der „wandelnde Wald" von Birnam und der Mann, der nicht von einer Frau geboren wurde. Geflügelt geworden ist der Ausruf der zweiten Hexe: „Something wicked this way comes" – Etwas Übles kommt des Weges.

Rezeption

Das Werk zählt zu den meistgespielten und meistbearbeiteten Tragödien der Weltliteratur und hat über Jahrhunderte hinweg zahllose Künstler angeregt. Es wurde immer wieder für die Bühne, die Oper und den Film neu gestaltet. Giuseppe Verdi schuf um 1850 eine Oper nach dem Stoff. Der Film hat sich besonders häufig des Dramas angenommen: Orson Welles verfilmte es 1948, Akira Kurosawa verlegte den Stoff 1957 unter dem Titel Das Schloss im Spinnwebwald ins feudale Japan, und Roman Polański schuf 1971 eine vielbeachtete Verfilmung. Auch literarische Umdichtungen wie Eugène Ionescos Macbett zeugen von der anhaltenden Wirkung des Werks.

Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →

meisterwerke-der-worte.de · Auszug aus dem Lexikon · Alle Rechte vorbehalten