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Werkseintrag · L’Arrabbiata
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Cover L’Arrabbiata
L’Arrabbiata
1854
– Werkseintrag –

L’Arrabbiata

1854 · Novelle

Eine junge Frau, die niemandem gehören will, und ein junger Schiffer, der sie übers Meer rudert: eine Begegnung zwischen Trotz und Zuneigung an der Küste Süditaliens.

Überblick

Bei L’Arrabbiata handelt es sich um eine Novelle von Paul Heyse, der später den Nobelpreis für Literatur erhielt. Heyse schrieb sie 1853 in Sorrent. Im Jahr darauf erschien sie im belletristischen Jahrbuch Argo in Dessau, das Theodor Fontane und Franz Kugler herausgaben. Mit diesem Text begann eine lange Reihe: Bis 1895 veröffentlichte Heyse rund 180 Novellen in zwanzig Sammlungen. Aus deutscher Sicht gilt er als Begründer der „italienischen Novelle". L’Arrabbiata wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt, darunter Französisch, Italienisch, Englisch und Dänisch, und zählt zu seinen bekanntesten Erzählungen.

Inhalt (ohne Spoiler)

Eine Bootsfahrt von Sorrent nach Capri bildet den Ausgangspunkt der Geschichte. An Bord der Barke sitzen drei Menschen: die kaum achtzehnjährige Laurella, ihr Beichtvater, der Padre, und der junge Schiffer Antonino, der die beiden über das Meer rudert. Auf Capri verkauft Antonino Orangen, Laurella will auf Anacapri ihre Seide und ihr Garn an den Mann bringen, der Padre möchte auf der Insel übernachten.

Die Sorrenter Jungen haben Laurella den Spitznamen „l’Arrabbiata", die Zornige, gegeben. Der Padre fragt sie nach dem Grund, und sie antwortet trotzig: Das Reden, Singen und Tanzen der anderen sei eben nicht ihre Sache. Antonino wäre eine gute Partie, denn er wird wohl einmal seinen wohlhabenden, kinderlosen Onkel beerben. Doch Laurella will keinesfalls heiraten. Sie hat das Bild ihres Vaters vor Augen, der die Mutter zu Lebzeiten erst schlug und dann liebte. Zwischen dem eigensinnigen Mädchen und dem schweigsamen Schiffer liegt eine Spannung, die sich auf dem Wasser zwischen den Inseln langsam auflädt.

Die Handlung im Detail

Auf der Überfahrt von Sorrent nach Capri befragt der Padre Curato die junge Laurella, warum die Sorrenter Jungen sie l’Arrabbiata nennen. Die trotzige Schöne antwortet, das Reden, Singen und Tanzen der anderen sei nicht ihre Sache. Mit an Bord ist Antonino, der junge Schiffer. Er rudert die beiden Fahrgäste, verkauft auf Capri seine Orangen und wartet, bis Laurella auf Anacapri ihre Seide und ihr Garn verkauft hat. Der Padre bleibt auf der Insel.

Antonino gilt als gute Partie, weil er voraussichtlich seinen begüterten, kinderlosen Onkel in Sorrent beerben wird. Laurella aber lehnt jede Heirat ab. Sie erinnert sich an ihren verstorbenen Vater, der die Mutter zuerst schlug und dann liebte. Die Mutter, inzwischen krank, hatte das stets vor der Welt verborgen.

Auf der Rückfahrt tritt Antonino der störrischen Laurella zu nahe. Er sagt zu ihr: „Weißt du, daß du hier in meiner Macht bist und tun mußt, was ich will?" Als er sie plötzlich anfasst, beißt sie ihn in die rechte Hand. Laurella springt ins Meer und schwimmt Richtung Land. Doch Sorrent ist weit und schwimmend kaum zu erreichen. Antonino folgt ihr mit der Barke und zieht sie an Bord. Die tiefe Bisswunde blutet stark, und das Mädchen hilft beim Rudern.

Am Abend sucht Laurella Antonino in seiner Behausung auf. Sie versorgt die Wunde und legt Kraut gegen die Schwellung auf. Antonino bedauert seinen Übergriff auf dem Boot, und Laurella fühlt sich schuldig. Schluchzend wirft sie sich ihm an den Hals, gesteht ihm ihre Liebe und küsst ihn dreimal. Dann verlässt sie ihn mit den Worten: „Gute Nacht, mein Liebster! Geh nun schlafen und heile deine Hand, und geh nicht mit mir, denn ich fürchte mich nicht, vor keinem als nur vor dir."

Stil

Knappheit und klare Form prägen die Erzählung. Heyse fasst das Geschehen in den engen Rahmen einer einzigen Bootsfahrt und ihres Nachspiels am Abend, so dass sich die ganze Spannung auf wenige Stunden und wenige Personen verdichtet. Schauplatz ist der Süden Italiens, mit Sorrent, Capri und Anacapri als greifbarem Hintergrund. Den Charakter der Figuren formt Heyse vor allem über die direkte Rede. Laurellas trotzige Antworten und Antoninos schroffer Satz auf dem Boot zeigen unmittelbar, wer sie sind, ohne dass der Erzähler viel erklären müsste. Mit dieser Verbindung aus südländischem Schauplatz, zugespitztem Geschehen und straffer Form steht das Werk am Anfang dessen, was aus deutscher Sicht die „italienische Novelle" genannt wird.

Rezeption

Als Auftakt zu Heyses umfangreichem Novellenschaffen hat das Werk besondere Bedeutung. Mit ihm begann eine Produktion von rund 180 Novellen, und die Erzählung fand früh ein internationales Publikum: Sie wurde unter anderem ins Französische, Italienische, Holländische, Englische, Dänische, Polnische und Arabische übersetzt. Der Literaturhistoriker Peter Sprengel beobachtete 1998, dass Heyse, aus deutscher Sicht der Begründer der „italienischen Novelle", in seinen Erzählungen häufig eine temperamentvolle südländische Frau in den Mittelpunkt stellt. Laurella ist die erste dieser Gestalten.

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