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MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Unwiederbringlich
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Unwiederbringlich
1891
– Werkseintrag –

Unwiederbringlich

1891 · Roman

Ein Graf zwischen der frommen Strenge seiner Frau und dem heiteren Leben am dänischen Hof – Fontanes Roman über eine Ehe, in der keiner der beiden böse ist und die doch ins Wanken gerät.

Überblick↑

Der Roman Unwiederbringlich von Theodor Fontane erzählt vom Auseinanderleben eines Ehepaares im Adel des 19. Jahrhunderts. Fontane arbeitete zwischen 1887 und 1890 daran. Von Januar bis Juni 1891 erschien der Text zunächst als Vorabdruck in der Monatszeitschrift Deutsche Rundschau. Im November 1891 kam die erste Buchausgabe bei Wilhelm Hertz in Berlin heraus, wobei das Impressum bereits 1892 angibt. Das Buch zählt zu den Ehe-Romanen Fontanes und schildert, wie eine Verbindung an unterschiedlichen Wesensarten zerbricht, ohne dass ein einzelner Schuldiger zu benennen wäre.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Die Handlung spielt zwischen 1859 und 1861 im Herzogtum Schleswig, das damals von Dänemark aus regiert wurde. Weitere Schauplätze sind Kopenhagen und Schloss Frederiksborg. Graf Helmuth Holk lebt mit seiner Frau Christine und den beiden Kindern auf einem einsam gelegenen Schloss an der Flensburger Förde.

Die beiden Eheleute sind grundverschieden. Christine ist fromm, vom Herrnhutertum geprägt und stellt hohe sittliche Ansprüche. Holk dagegen ist lebensfroh und denkt wenig über sich nach. Er bewundert seine Frau, leidet aber unter ihrer Strenge in Glaubens- und Grundsatzfragen.

Neben der Landwirtschaft auf seinem Gut hat Holk ein Amt als Kammerherr am dänischen Hof. Als er für einige Monate nach Kopenhagen an den Hof einer Prinzessin gerufen wird, kommt ihm die Abwechslung sehr gelegen. Frühere Trennungen hatten die Liebe zwischen den Eheleuten stets neu belebt. Diesmal ist es anders: In Kopenhagen begegnet Holk Frauen, die gerade das besitzen, was er bei Christine vermisst. Zuerst fällt ihm die verführerische Kapitänsgattin Brigitte Hansen auf, die Tochter seiner Wirtin. Dann lernt er Ebba von Rosenberg kennen, die Gesellschafterin der Prinzessin, weniger schön, aber von großem Witz und Geist.

Ein Aufenthalt der kleinen Hofgesellschaft auf Schloss Frederiksborg bringt die Dinge zur Entscheidung. Ein Brand bricht aus, und was in jener Nacht geschieht, wird rasch zum Stadtgespräch.

Die Handlung im Detail↑

Zwischen 1859 und 1861, wenige Jahre vor dem Deutsch-Dänischen Krieg, lebt Graf Helmuth Holk mit seiner Frau Christine und den zwei Kindern auf einem abgelegenen Schloss an der Flensburger Förde. Christine ist eine fromme Frau von hohen moralischen Ansprüchen, geprägt vom Herrnhutertum. Holk ist ein lebensfroher, wenig grüblerischer Mann. Er bewundert seine Frau, doch ihre Grundsatzstrenge bedrückt ihn. Neben seinem Gut versieht er ein Amt als Kammerherr am dänischen Hof.

Als er für einige Monate nach Kopenhagen an den Hof einer dänischen Prinzessin abkommandiert wird, begrüßt er die Abwechslung. Früher hatte jede Trennung die Liebe zwischen den Eheleuten neu geweckt. Diesmal wird die Reise zur Gefahr für die Ehe. Gleich zu Beginn zieht die verführerische Kapitänsgattin Brigitte Hansen, die Tochter seiner Wirtin, seine Aufmerksamkeit auf sich. Bald darauf lernt er Ebba von Rosenberg kennen, die Gesellschafterin der Prinzessin. Sie ist weniger attraktiv, dafür geistvoller.

Verhängnisvoll wird ein Aufenthalt der kleinen Hofgesellschaft auf Schloss Frederiksborg. Nach einem gefährlichen Schlittschuhlauf über den Arresee kommt es zu einer gemeinsamen Stunde zwischen Holk und Ebba. Sie endet dramatisch: Im Schloss bricht ein verheerender Brand aus, doch Holk kann Ebba retten. Die Flucht der beiden aufs Schlossdach wird schnell zum Tagesgespräch.

Ebba ist einige Tage krank und darf keinen Besuch empfangen. Ohne bei ihr nachzufragen, beschließt Holk, sie zu heiraten. Er fährt auf sein Schloss, um Christine seinen Entschluss mitzuteilen. Die Begegnung mit seiner Frau erschüttert ihn zunächst. Ihre anhaltende Selbstgerechtigkeit gibt dann aber den Ausschlag, und das Paar trennt sich.

Zurück in Kopenhagen erhält Holk von Ebba einen Korb. Der Lächerlichkeit preisgegeben und tief verletzt, geht er auf Reisen. Sein Schwager, der alte Ortsgeistliche und ein ehemaliger Erzieher der gräflichen Kinder arbeiten unterdessen auf eine Versöhnung hin. Tatsächlich wird eine zweite Hochzeit gefeiert. Doch die beiden finden zu keinem unbefangenen Umgang mehr zurück. Wenige Monate nach der scheinbaren Versöhnung nimmt Christine sich das Leben: Sie kann das Vergangene nicht verwinden und ertränkt sich im Meer.

Der Erzählung liegt ein wirklicher Fall zugrunde, den eine Verwandte des Hauptbetroffenen Fontane geschildert hatte. Es ging um den pommerschen Landrat Karl von Maltzahn und dessen Frau Caroline, geborene von Bilfinger. Fontane verlegte das Geschehen ins Schleswigsch-Dänische. Ein Teil der Orte, Personen und Zeitereignisse ist wirklich gewesen, darunter auch der Brand, der einen großen Teil der Schlosseinrichtung zerstört. Anderes, etwa die Prinzessin, ist erfunden. Den Titel Unwiederbringlich übernahm Fontane aus dem Abschiedsbrief jener Frau, die das Vorbild für Christine war.

Stil↑

Kennzeichnend ist die genaue Verankerung der Handlung in Ort und Zeit. Fontane nennt die Jahre 1859 bis 1861 und siedelt das Geschehen im Herzogtum Schleswig, in Kopenhagen und auf Schloss Frederiksborg an. Die politische Lage vor dem Deutsch-Dänischen Krieg bildet den Hintergrund, ohne die Ehegeschichte zu überlagern.

Der Roman entwickelt seinen Konflikt nicht aus einer bösen Tat, sondern aus dem Unterschied zweier Wesensarten. Fromme Strenge auf der einen, unbekümmerte Lebenslust auf der anderen Seite: Beides wird geschildert, ohne dass die Erzählung Partei ergriffe. Für das Vorbild aus der Wirklichkeit wählte Fontane einen anderen Schauplatz und mischte wirkliche Personen und Ereignisse mit erfundenen. Der Titel selbst ist ein übernommenes Wort und benennt knapp, was sich nicht mehr zurückholen lässt.

Rezeption↑

Das Buch gehört zu den Werken Fontanes, die über das 20. Jahrhundert hinweg immer wieder bearbeitet wurden. Eine wissenschaftliche Ausgabe legte Christine Hehle 2003 in der Großen Brandenburger Ausgabe vor.

Besonders häufig griff der Rundfunk zu dem Stoff. 1957 entstand beim Hessischen Rundfunk ein Hörspiel unter der Regie von Ulrich Lauterbach, 1965 folgte beim Westdeutschen Rundfunk Köln eine sechsteilige Fassung unter Heinz Wilhelm Schwarz. 1983 inszenierte Gert Westphal beim Bayerischen und Norddeutschen Rundfunk eine zweiteilige Bearbeitung. Westphal las den Roman auch als Hörbuch ein.

Für das Fernsehen verfilmte Falk Harnack den Stoff 1968. Das Drehbuch schrieben Max Gundermann und Harnack gemeinsam, es spielten unter anderen Lothar Blumhagen, Karin Hübner und Lil Dagover. Der Romantext ist heute frei zugänglich und wird zu den literarischen Darstellungen des Ehebruchs gezählt.

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