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Der Spieler
1866
– Werkseintrag –

Der Spieler

1866 · Roman

Während eine Familie im Kurort auf eine rettende Erbschaft wartet, gerät ihr Hauslehrer in den Sog des Roulettetisches – Dostojewskis hellsichtiger Roman über Liebe, Geld und Spielsucht.

Überblick

Der Roman Der Spieler von Fjodor Michailowitsch Dostojewski erschien im Jahr 1866. Er erzählt von einer Gruppe von Menschen, die in einem erdachten Kurort auf eine rettende Erbschaft wartet, während sie dem finanziellen Ruin entgegensteuert. In diese mitunter grotesk-komische Geschichte hat Dostojewski genaue Schilderungen der Spielsucht eingewoben, die er aus eigenem Erleben kannte. Der Roman wurde zur Vorlage für eine gleichnamige Oper von Sergei Prokofjew aus dem Jahr 1917 und für mehrere Verfilmungen.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im erdachten Kurort Roulettenburg wartet ein hoch verschuldeter russischer General mit seiner Familie, einigen Bekannten und seinen Gläubigern auf eine Nachricht: Eine reiche Erbtante soll bald sterben, und der General hofft, sie zu beerben. Nur dieses Geld könnte seine Schulden bei dem arroganten Franzosen de Grieux begleichen. Zugleich würde ihm der Geldsegen die Hochzeit mit der ebenfalls nicht mittellosen Mademoiselle Blanche ermöglichen, in die der deutlich ältere General hoffnungslos verliebt ist.

Erzählt wird die Geschichte vom Hauslehrer des Generals, Aleksej Iwanowitsch. Er beobachtet die Intrigen des Franzosen und buhlt mit ihm um die Gunst Polinas, der Stieftochter des Generals, in die Aleksej unsterblich verliebt ist. Polina jedoch nutzt ihn aus, verspottet ihn und behandelt ihn mit Verachtung. Statt des erhofften Telegramms vom Tod der Erbtante erscheint dann die resolute Matriarchin höchstpersönlich auf der Bildfläche – und entwickelt selbst ein lebhaftes Interesse am Roulette.

Die Handlung im Detail

Der hoch verschuldete russische General wartet in Roulettenburg im Kreis seiner Familie, einiger Bekannter und Gläubiger auf die Nachricht, dass die reiche Erbtante stirbt und er sie beerben kann. Dies ist seine einzige Chance, die Schulden bei dem arroganten Franzosen de Grieux zu begleichen, dem Kavalier von Polina, der Stieftochter des Generals. Der Geldsegen würde zugleich die Hochzeit zwischen dem General und der ebenfalls nicht unbemittelten Mademoiselle Blanche begünstigen, in die der deutlich ältere General hoffnungslos verliebt ist. Der Hauslehrer des Generals, der Ich-Erzähler Aleksej Iwanowitsch, beobachtet die Intrigen des Franzosen, der sich mit Blanche insgeheim verbündet hat, und buhlt mit ihm um die Gunst von Polina, in die er unsterblich verliebt ist. Diese nutzt ihn jedoch aus, verspottet ihn und straft ihn mit Verachtung.

Plötzlich erscheint statt des erhofften Telegramms vom Tod der Erbtante die resolute Matriarchin selbst. Interessiert am Roulette lässt sie alle Beteiligten ihre Gefühle und Gedanken unverhohlen wissen: Der General wird kein Geld von ihr erhalten. Im Gegenteil – durch ihren unbedingten Herrschaftsanspruch weist sie ihre ganze Umgebung, besonders ihre Familie, in die Schranken.

Ein paar Tage später ist die Katastrophe komplett: Die Tante hat ein großes Vermögen beim Roulette verspielt und fährt wieder nach Moskau zurück. De Grieux verlässt Polina, Mademoiselle Blanche interessiert sich nicht mehr für den General, der inzwischen kurz vor einem Nervenzusammenbruch steht, nachdem er Tag für Tag das Verschwinden seines Erbes mit ansehen musste.

Nun bekennt Polina Aleksej ihre Liebe. Er geht daraufhin sofort zum Casino, um das Geld für die Schulden bei de Grieux zu beschaffen. Das gelingt ihm tatsächlich. Doch Polina und er erkennen, dass sich seine Liebe zu ihr in Spielsucht verwandelt hat: Der überraschende Gewinn von 100.000 Florins bei Roulette und Trente et quarante lässt ihn vollends dem Spieltrieb und der Gewinnsucht verfallen. Polina flüchtet zu Mr. Astley, einem kühlen, zurückhaltenden Engländer, der sich ihrer annimmt. Auch zu ihm hatte Aleksej eine freundschaftliche Beziehung, die jedoch nie ins Vertrauliche reichte und durch Polinas Verbitterung Schaden nahm.

Letztendlich zieht Aleksej mit Mademoiselle Blanche nach Paris. Sie behandelt ihn wie ein Schoßtier; ebenso ergeht es dem General, der ihr nachgereist und in Paris eingetroffen ist. Die Französin bringt die 100.000 Florins mit Prunk und Luxus durch, unter anderem durch ihre Hochzeit mit dem inzwischen in den Stumpfsinn abgerutschten General – nur um seines Titels willen. Verarmt verlässt Aleksej Paris und schlägt sich als Lakai in Homburg und Baden-Baden durch. Sobald er Geld verdient hat, trägt er es zum Roulette. Selbst die Nachricht von Mr. Astley, dass Polina ihn wirklich liebt, kann ihn nicht von seiner Spielsucht losreißen, die ihn mittlerweile vollkommen erfüllt.

Stil

Erzählt wird der Roman in der Ich-Form aus der Sicht des Hauslehrers Aleksej Iwanowitsch. Dieser Blickwinkel lässt den Leser unmittelbar an seinen Beobachtungen, Leidenschaften und seinem allmählichen Abgleiten teilhaben. Dostojewski bettet das Geschehen in eine burleske, gelegentlich grotesk komische Geschichte ein. In diesen Rahmen fügt er präzise und detaillierte Beschreibungen der Spielsucht ein, die er aus eigener Erfahrung kannte. So verbindet sich die komische Gesellschaftsschilderung mit der genauen Darstellung einer zerstörerischen Leidenschaft.

Rezeption

Der Roman gehört zu den bekannteren Werken Dostojewskis und wirkte über die Literatur hinaus. Sergei Prokofjew schuf 1917 eine gleichnamige Oper nach dem Stoff. Auch das Kino griff den Roman mehrfach auf: vom Stummfilm Die rollende Kugel aus dem Jahr 1919 über den Film Spieler ohne Skrupel von Karel Reisz aus dem Jahr 1974 bis hin zu neueren Bearbeitungen. Die eindringliche Schilderung der Spielsucht hat dem Werk dabei eine bis heute anhaltende Aufmerksamkeit gesichert.

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