1821 – 1881
Fjodor Michailowitsch Dostojewski
Kurzporträt↑
Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821–1881) gilt als einer der größten russischen Romanciers des 19. Jahrhunderts. Er zählt zu den herausragenden Psychologen der Weltliteratur. In Werken wie Schuld und Sühne, Der Idiot, Die Dämonen und Die Brüder Karamasow beschrieb er die politischen, sozialen und spirituellen Umbrüche des Russischen Kaiserreichs. Dabei lotete er die Tiefen der menschlichen Seele aus. Sein Lebensweg führte ihn von einer Verurteilung zum Tode über Lagerhaft und sibirischen Militärdienst bis zur späten gesamtrussischen Anerkennung. Seine Bücher wurden in mehr als 170 Sprachen übersetzt.
Biografie↑
Geboren wurde Dostojewski am 11. November 1821. Bei seinem Geburtsort gibt es zwischen den Quellen einen kleinen Unterschied. Die Deutsche Biographie nennt schlicht Moskau. Wikidata gibt den Ort genauer mit dem Mariinski-Krankenhaus für die Armen in Moskau an. Beide Angaben verweisen also auf dieselbe Stadt, unterscheiden sich aber in der Genauigkeit. Gestorben ist er am 28. Januar 1881 in Sankt Petersburg.
Seine schriftstellerische Laufbahn begann 1844. In der zweiten Hälfte der 1840er Jahre stand Dostojewski dem Frühsozialismus nahe und nahm an Treffen des revolutionären Petraschewski-Zirkels teil. Dies führte 1849 zu seiner Festnahme. Er wurde zunächst zum Tode verurteilt. Nach Umwandlung der Strafe folgten Haft und anschließender Militärdienst in Sibirien.
Nach seiner Entlassung 1859 baute er Schritt für Schritt seine schriftstellerische Reputation wieder auf, zunächst mit kleineren Arbeiten, dann mit den Aufzeichnungen aus einem Totenhaus. Gemeinsam mit seinem Bruder Michail gründete er zwei Zeitschriften, "Wremja" und "Epocha". Die erste wurde von der Obrigkeit verboten. Der wirtschaftliche Ruin der zweiten zwang ihn zur Flucht vor den Gläubigern ins Ausland. Dort blieb er drei Jahre lang.
Die großen Romane, auf denen sein Weltruhm beruht, entstanden in den 1860er und 1870er Jahren. Insgesamt schrieb Dostojewski neun Romane, dazu zahlreiche Novellen und Erzählungen sowie ein umfangreiches Werk an nichtfiktionalen Texten.
Sein äußeres Leben war von schweren Belastungen geprägt. Er litt an Epilepsie und war über mehrere Jahre der Spielsucht verfallen. Seine Zeitgenossen Lew Tolstoi, Iwan Turgenew und Iwan Gontscharow konnten unter Bedingungen materieller Sorglosigkeit schreiben. Die äußeren Umstände von Dostojewskis Schreibtätigkeit waren dagegen fast zeitlebens von finanzieller Not geprägt. Erst in den letzten zehn Jahren seines Lebens wohnte er in geordneten Verhältnissen und genoss Anerkennung im ganzen Land. Am 9. Februar 1881 (nach gregorianischem Kalender) starb er in Sankt Petersburg.
Literarische Merkmale↑
Im Zentrum von Dostojewskis Schreiben steht die menschliche Seele. Ihre Bewegungen, Zwänge und Befreiungen erforschte er mit den Mitteln der Literatur so eindringlich, dass er als einer der herausragenden Psychologen der Weltliteratur gilt.
Sein Werk ist zugleich Zeit- und Gesellschaftsbild. Es schildert die politischen, sozialen und spirituellen Verhältnisse des Russischen Kaiserreichs, das sich im 19. Jahrhundert fundamental im Umbruch befand. Dostojewski war ein genauer Beobachter der inneren Konflikte, die den Menschen mit Beginn der Moderne bewegten.
Eine technische Besonderheit prägt seine Romane. Fast sein gesamtes Romanwerk erschien zunächst als Fortsetzungsroman in Zeitschriften. Daraus folgen die für dieses Format typischen kurzen Spannungsbögen. Gerade diese Bauweise sorgt dafür, dass seine Bücher trotz ihrer Vielschichtigkeit und Komplexität auch für unerfahrene Leser leicht zugänglich bleiben.
Rezeption↑
Dostojewski erlebte selbst den Aufstieg vom verurteilten Sträfling zum landesweit anerkannten Schriftsteller. In den letzten zehn Jahren seines Lebens genoss er Anerkennung im ganzen Land.
Die Wirkung seines Werks reicht weit über Russland hinaus. Seine Bücher wurden in mehr als 170 Sprachen übersetzt – eine Verbreitung, wie sie nur wenigen Autoren der Weltliteratur zuteilwurde. Bis heute zählt er zu den meistgelesenen russischen Romanciers des 19. Jahrhunderts. Schuld und Sühne, Der Idiot, Die Dämonen und Die Brüder Karamasow gehören zum festen Bestand des literarischen Kanons.
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