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Werkseintrag · Leben des Galilei
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Cover Leben des Galilei
Leben des Galilei
1943
– Werkseintrag –

Leben des Galilei

1943 · Drama

Ein genialer Physiker beweist, dass sich die Erde um die Sonne dreht – und gerät damit in einen erbitterten Konflikt mit der Macht der Kirche.

Überblick↑

Das Theaterstück Leben des Galilei gehört zu den bekanntesten Werken von Bertolt Brecht. Es entstand 1939 im dänischen Exil. Brecht selbst verstand es als episches Stück und nicht als Drama im herkömmlichen Sinn. Im Mittelpunkt steht der italienische Physiker Galileo Galilei, der mit seinen Erkenntnissen über das Weltall in Konflikt mit der katholischen Kirche gerät. Das Stück fragt nach der Macht der Kirche, vor allem aber nach der Verantwortung der Wissenschaft gegenüber der Gesellschaft. Brecht arbeitete über viele Jahre hinweg an dem Werk und schuf insgesamt drei Fassungen.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Die Handlung spielt im Italien des 17. Jahrhunderts, in einer Zeit des Umbruchs, und umspannt einen Zeitraum von 28 Jahren. Im Mittelpunkt steht der geniale, aber ständig unter Geldmangel leidende Physiker Galileo Galilei. Er verbessert ein in Holland erfundenes Fernrohr, gibt es als seine eigene Erfindung aus und lässt sich dafür von der Stadt Padua belohnen.

Mit Hilfe seines Teleskops kann Galilei beweisen, dass sich die Erde um die Sonne dreht. Damit bestätigt er das Weltbild des Kopernikus und widerlegt die alte Vorstellung, die Erde sei der Mittelpunkt des Universums. Diese Entdeckung bringt ihn in einen schweren Konflikt mit der katholischen Kirche. Die Mächtigen in Kirche und Politik fürchten, dass mit dem Umsturz des alten Weltbilds auch ein gesellschaftlicher Umsturz beginnen könnte. Galilei wird die Verbreitung seiner Lehren untersagt – und der Druck auf ihn wächst.

Die Handlung im Detail↑

Der Physiker Galileo Galilei lebt im Italien des 17. Jahrhunderts und leidet ständig unter Geldmangel. Um seine Lage zu verbessern, verbessert er ein in Holland konstruiertes Fernrohr, gibt es als seine eigene Erfindung aus und lässt sich dafür von der Stadt Padua mit einer Gehaltsaufbesserung von 500 Scudi belohnen.

Mit seinem Teleskop gelingt es Galilei, das heliozentrische Weltbild des Kopernikus zu belegen. Er widerlegt damit die ältere Vorstellung des Ptolemäus, nach der die Erde im Mittelpunkt des Universums steht. Dies führt zum Konflikt mit der katholischen Kirche, die ihm die Verbreitung seiner Lehren verbietet. Denn der Umsturz des alten Weltbildes löst bei den Mächtigen in Kirche und Politik die Sorge aus, dass damit auch ein gesellschaftlicher Umsturz eingeleitet werden könnte.

Nach einer kirchlichen Auseinandersetzung wird Galilei schließlich verhaftet. Man verlangt von ihm, dass er seine neue Lehre widerruft. Entgegen den Erwartungen seiner Freunde und Mitarbeiter tut er dies tatsächlich, als die Inquisition ihm die Folter androht. In den folgenden Jahren erblindet Galilei fast völlig, weil er die Sonne so lange beobachtet hat. Er zieht sich in ein Landhaus zurück, das er nicht mehr verlassen darf und das von der Kirche streng bewacht wird.

Als ihn sein ehemaliger Schüler Andrea Sarti besucht, eröffnet ihm Galilei, dass er ein Exemplar seiner verbotenen Schrift, der Discorsi, außer Landes schmuggeln lassen will. Die Verantwortung dafür will er aber nicht übernehmen. Andrea ist hocherfreut und erklärt sich bereit, die Papiere über die Grenze zu schaffen. Er vermutet hinter Galileis Vorhaben den Plan, die alten Studien erneut aufgreifen zu wollen. Doch Galilei muss ihn enttäuschen: Da er seine Lehre aus Angst vor körperlichem Schmerz widerrufen hat, bezichtigt er sich selbst des Verrats an der Wissenschaft.

Stil↑

Das Werk ist dem epischen Theater zuzurechnen, das Brecht entwickelte und das er hier bewusst vom klassischen Drama unterscheidet. Brecht selbst bezeichnete Leben des Galilei meist als episches Stück. Die Handlung gliedert sich in einzelne Bilder oder Szenen – die Urfassung umfasst 13 Szenen, die späteren Fassungen mehr. Für die Musik der Uraufführung sorgte Hanns Eisler.

Brecht überarbeitete das Stück über Jahre hinweg und schuf so verschiedene Fassungen mit jeweils anderen Schwerpunkten. Während es in der ursprünglichen Fassung vor allem um den Umgang mit der Macht der Kirche ging, rückte Brecht in der späteren amerikanischen Fassung – vor dem Hintergrund der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki – die Frage nach dem Wert und der Verwertbarkeit von Wissen in den Vordergrund. In der dritten, Berliner Fassung verstärkte er die widersprüchlichen Züge der Hauptfigur, etwa Galileis Genusssucht, seine Rücksichtslosigkeit und seine Unterwürfigkeit, und schärfte den Gegensatz der verschiedenen Auffassungen von Wissenschaft.

Rezeption↑

Das Stück wurde am 9. September 1943 am Schauspielhaus Zürich uraufgeführt. Regie führte Leonard Steckel. Diese Urfassung gilt als erste vollständige Bühnenform des Werks. Zwischen 1944 und 1947 erarbeitete Brecht in Santa Monica gemeinsam mit dem Schauspieler Charles Laughton eine zweite, englischsprachige Fassung. Die dritte Fassung entstand 1955/56 in Berlin.

Eine erste Aufführung dieser Berliner Fassung fand im April 1955 im Kölner Schauspielhaus statt. Die von Brecht angestrebte Aufführung durch das Berliner Ensemble folgte erst im Januar 1957. Das Werk wurde mehrfach für Bühne und Fernsehen bearbeitet, darunter ein Fernsehfilm aus dem Jahr 1962 unter der Regie von Egon Monk. Leben des Galilei zählt bis heute zu den meistgespielten Stücken Brechts.

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