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Werkseintrag · Der gute Mensch von Sezuan
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Cover Der gute Mensch von Sezuan
Der gute Mensch von Sezuan
1943
– Werkseintrag –

Der gute Mensch von Sezuan

1943 · Drama

Kann ein Mensch zugleich gut sein und in einer Welt voller Ausbeutung überleben? – drei Götter suchen die Antwort, eine arme Frau muss sie geben.

Überblick

Das Theaterstück Der gute Mensch von Sezuan gehört zu den bekanntesten Bühnenwerken Bertolt Brechts. Es entstand zwischen 1938 und 1940 unter Mitarbeit von Ruth Berlau und Margarete Steffin. Die Uraufführung fand am 4. Februar 1943 am Schauspielhaus Zürich unter der Regie von Leonard Steckel statt; die Musik schrieb Paul Dessau. Als Buch erschien das Werk 1953. Es gilt als Musterbeispiel für Brechts episches Lehrtheater. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob ein Mensch zugleich gut sein und in einer Welt voller Ausbeutung überleben kann.

Inhalt (ohne Spoiler)

Drei Götter steigen auf die Erde herab, um zu beweisen, dass es noch gute Menschen gibt. In der chinesischen Provinz Sezuan suchen sie ein Nachtquartier. Allein der Wasserverkäufer Wang erkennt sie, doch keiner der wohlhabenden Bürger will sie aufnehmen. Erst die arme Prostituierte Shen Te öffnet ihre Tür.

Zum Dank schenken ihr die Götter ein kleines Vermögen. Davon kauft Shen Te einen Tabakladen und nimmt sich vor, von nun an nur noch gut zu handeln. Doch schnell strömen immer mehr Menschen in Not herbei, die ihre Hilfsbereitschaft schamlos ausnutzen. Die Schulden wachsen, und der Laden gerät in Gefahr.

Um sich zu wehren, erfindet Shen Te einen hartherzigen Vetter namens Shui Ta, in dessen Kleidung sie selbst schlüpft. Während sie als Shui Ta die Schmarotzer vertreibt, begegnet sie im Stadtpark dem arbeitslosen Flieger Yang Sun und verliebt sich in ihn. Damit beginnt für die junge Frau ein Zwiespalt zwischen ihrem guten Herzen und der Härte, die das Überleben von ihr verlangt.

Die Handlung im Detail

Die drei Götter wollen beweisen, dass auch gute Menschen auf der Erde leben, und suchen einen solchen in der Provinz Sezuan. Der Wasserverkäufer Wang, der als einziger ihre wahre Natur erkennt, sucht verzweifelt eine Unterkunft für sie und wird mehrfach von wohlhabenderen Leuten abgewiesen. Erst bei der Prostituierten Shen Te findet er Aufnahme. Als sie von ihren Geldsorgen berichtet, bezahlen die Götter für das Nachtquartier ein kleines Vermögen. Mit diesem Geld kauft Shen Te einen Tabakladen und verspricht, sich künftig nur noch gut zu verhalten.

Bald gewährt Shen Te immer mehr Bedürftigen Unterkunft, doch diese nutzen ihre Güte schamlos aus, und die Schulden häufen sich. Daher schlüpft sie in die Rolle eines rücksichtslosen Vetters namens Shui Ta. In dieser Verkleidung vertreibt sie die Obdachlosen. Die Miete bleibt dennoch offen, und man rät ihr, einen vermögenden Mann zu heiraten, um die Geldsorgen ein für allemal loszuwerden.

Im Stadtpark trifft Shen Te den arbeitslosen Flieger Yang Sun, der kurz vor dem Selbstmord steht. Um ihn davon abzuhalten, beginnt sie ein Gespräch und verliebt sich in ihn. Von Suns Mutter erfährt sie, dass er ein Stellenangebot als Postflieger in Peking hat und dafür 500 Silberdollar braucht, um einen Hangarbetreiber zu bestechen. Shen Te gibt ihm ohne Zögern die 200 Silberdollar, die sie zuvor bei einem alten Teppichhändler-Ehepaar geliehen hat, um die Miete zu bezahlen. Damit bringt sie ihren Laden in Gefahr.

Die Hochzeit soll in einem billigen Restaurant stattfinden. Shen Te gesteht ihrem Verlobten, dass sie den Laden wegen der Schulden nicht verkaufen kann. Im Gespräch zwischen Sun und seiner Mutter wird deutlich, dass er Shen Te nur heiraten will, wenn sie ihm das Geld gibt. Sun hofft auf die Hilfe des Vetters Shui Ta und lässt nach ihm schicken. Da Shen Te aber nicht gleichzeitig als Shui Ta auftreten kann, wartet er vergeblich, und die Hochzeit platzt.

Wang wirft den Göttern vor, sie würden Shen Te nicht helfen. Diese entgegnen: „Wir sind nur Betrachtende", die Kraft des guten Menschen „wird wachsen mit der Bürde". Shen Te erkennt, dass sie mit Sun keine neue Existenz aufbauen kann, obwohl sie dafür ihren Laden aufgegeben hat. Zudem ist sie schwanger. Im Interesse des ungeborenen Kindes setzt sie erneut die Maske des Shui Ta auf und baut mit ausbeuterischen Methoden eine florierende Tabakfabrik auf – mit Sun zunächst als Arbeiter, später als Aufseher. Von ihrer Schwangerschaft erzählt sie ihm, dem Vater des Kindes, nichts.

Von nun an behält Shen Te dauerhaft die Rolle des Shui Ta und tritt den anderen nicht mehr als sie selbst gegenüber; nur die Witwe Shin wird gegen Entschädigung zu ihrer Vertrauten. Shui Ta erzählt, Shen Te sei verreist. Diese Lüge stößt bald, vor allem bei Wang und Sun, auf Misstrauen. Schließlich wird Shui Ta beschuldigt, Shen Te entführt und am Ende sogar ermordet zu haben.

Shui Ta wird vor ein Gericht gestellt, das von den drei Göttern gebildet wird. Sie erkennt die Götter wieder, gibt ihre wahre Identität preis und erzählt ihre ganze Geschichte. Dabei wird deutlich, dass der Anspruch, „gut zu sein und doch zu leben", in dieser Welt nicht erfüllbar ist, ohne dass sich der Mensch in eine gute und eine hart-überlebensfähige Hälfte aufspaltet. Die Götter ignorieren diese Erkenntnis. Das Ende bleibt offen, und der Zuschauer wird aufgefordert, eine eigene Lösung zu finden.

Stil

Als Musterbeispiel für Brechts episches Lehrtheater verbannt das Werk viele Elemente der klassischen Dramentheorie. Brecht will den Zuschauer nicht in das Geschehen hineinziehen, sondern ihn auf Abstand halten, damit er nachdenkt und urteilt. Statt einer fertigen Lösung steht am Schluss eine offene Frage, die das Publikum selbst beantworten soll. Die Musik stammt von Paul Dessau.

Ausdrücklich versteht Brecht das Stück als Parabel: Sezuan steht stellvertretend für alle Orte, an denen Menschen von Menschen ausgebeutet werden. Diese Form erlaubt es, am chinesischen Schauplatz ein allgemeingültiges Beispiel durchzuspielen. Das zentrale Bild ist die Spaltung einer einzigen Figur in zwei Rollen – die gütige Shen Te und der harte Shui Ta –, mit der Brecht den Widerspruch zwischen Güte und Überleben sichtbar macht. Bestimmende Themen sind dabei die Kritik an Religion und Kapitalismus sowie die Infragestellung der bürgerlichen Aufklärung.

Rezeption

Seine erste Aufführung erlebte das Werk am 4. Februar 1943 am Schauspielhaus Zürich. Als Buch wurde es erst zehn Jahre später, 1953, zugänglich. Es gilt als ein Schulbeispiel seines epischen Theaters. Der offene Schluss, der den Zuschauer zur eigenen Lösung auffordert, hat die Auseinandersetzung mit dem Stück über die Jahrzehnte immer wieder neu angeregt.

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