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Werkseintrag · Der jüdische Krieg
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Der jüdische Krieg
1932
– Werkseintrag –

Der jüdische Krieg

1932 · Roman

Ein ehrgeiziger junger Mann aus Judäa steigt am Hof Roms auf und gerät dabei zwischen sein eigenes Volk und die Macht des Reiches.

Überblick↑

Bei Der jüdische Krieg handelt es sich um einen historischen Roman von Lion Feuchtwanger. Das Buch erschien 1932 und bildet den ersten Teil der Josephus-Trilogie. Diese drei Romane erzählen das Leben des jüdischen Geschichtsschreibers Flavius Josephus. Im Mittelpunkt steht ein ehrgeiziger junger Mann aus Judäa, der zwischen die Fronten von Rom und seinem eigenen Volk gerät, während sich ein verheerender Krieg zusammenbraut.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Zentrum steht Josef Ben Matthias, ein junger Literat und Staatsmann aus Judäa. Wenige Monate nach dem großen Brand Roms reist er in die Hauptstadt des Reiches. Dort soll er sich am kaiserlichen Hof für die Begnadigung dreier Mitglieder des großen Rats von Jerusalem einsetzen, die zu Unrecht zu Zwangsarbeit verurteilt worden sind.

Josef ist jung, eifrig und voller Selbstbewusstsein. Er sieht in dem Fall die ersehnte Gelegenheit, sich auszuzeichnen und Karriere zu machen. Auf seinem Weg durch die römische Gesellschaft begegnet er Geschäftsleuten, einem berühmten Schauspieler und der Kaiserin selbst. Zugleich findet er in Justus von Tiberias einen Mann, der ihm bald zugleich Freund und erbitterter Konkurrent wird.

Während Josef um seinen Erfolg ringt, wachsen im Hintergrund die Spannungen zwischen Juden, Griechen und Römern. Politische Ränke, ein umstrittenes Wahlrecht und radikale Strömungen treiben das Land an den Rand eines Krieges. Der Roman verfolgt, wie der junge Mann zwischen seinem persönlichen Ehrgeiz und dem Schicksal seines Volkes hin- und hergerissen wird.

Die Handlung im Detail↑

Das erste Buch trägt den Titel „Rom“. Josef Ben Matthias kommt drei Monate nach dem großen Brand der Stadt aus Judäa nach Rom. Er will am Hof die Begnadigung dreier zu Unrecht verurteilter Gelehrter erreichen. Bei einem Abendessen im Hause seines Gastgebers Cajus Barzaarone spricht er für die drei Unschuldigen. Doch der einflussreiche Geschäftsmann Claudius Regin verweigert seine Hilfe, denn die Gefangenen sind Wortführer der radikalen, jüdisch-nationalistischen „Rächer Israels“, deren Kriegstreiberei er ablehnt. Ein anderer Gast, Justus von Tiberias, rät Josef, sich an den Schauspieler Demetrius Liban zu wenden.

Josef gewinnt Demetrius Liban für seine Sache. Gemeinsam fahren sie nach Tibur, wo die drei Gefangenen in einer Ziegelei Zwangsarbeit leisten. Vom Elend der Männer tief berührt, arrangiert der Schauspieler ein Treffen mit der Kaiserin Poppäa. Sie verspricht die Begnadigung, wenn Josef den Schauspieler dazu bringt, die Spottfigur des „Juden Apella“ auf die Bühne zu bringen. Da Liban ohnehin entschlossen ist, das Stück zu spielen, werden die drei bald freigelassen. Josef wird dadurch in Rom populär.

Sein Erfolg hat eine Kehrseite. Der antisemitische Minister Talaß bestätigt die Freilassung nur, weil sie ihm einen Plan ebnet: die Änderung des Wahlstatuts in Cäsarea. Statt des bisherigen Zensuswahlrechts, das die oft vermögenden Juden begünstigt, soll ein allgemeines Wahlrecht eingeführt werden, das der römisch-griechischen Bevölkerungsmehrheit nützt. Der Zeitpunkt ist günstig, weil die Römer meinen, für die Juden werde nun ohnehin genug getan. Als Kaiserin Poppäa stirbt, ist der Weg für das Edikt frei. Josef erfährt durch Justus von dem Plan, hält die Spannung nicht aus und kehrt nach Judäa zurück.

Das zweite Buch heißt „Galiläa“. Die Änderung des Wahlrechts löst Zusammenstöße und bewaffnete Aufstände aus. Viele zuvor gemäßigte Juden schließen sich nun den radikalen Rächern Israels an. Es gibt Tote und Gefangene, der Ausnahmezustand wird ausgerufen. Liberale jüdische Parteien bitten König Agrippa zu vermitteln, doch seine Rede bleibt wirkungslos. Der Chef der Tempelverwaltung lehnt das traditionelle römische Opfer ab, die Bevölkerung Jerusalems erhebt sich, Gebäude brennen, Zivilisten werden getötet, andernorts kommt es zu Pogromen. Römische Truppen ziehen plündernd in Judäa ein, scheitern aber wie durch ein Wunder an der Eroberung Jerusalems und ziehen sich zurück. Daraufhin entsendet der große Rat Volkskommissare in die Provinzen. Josef wird zusammen mit dem alten Doktor Jannai überraschend nach Galiläa geschickt, dem Hauptsitz der Rächer Israels.

Josef will das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen und wählt Magdala zum Hauptquartier. In der Nähe liegt Tiberias, das König Agrippa untersteht und dessen Gouverneur sein Rivale Justus ist. Josef schließt zwielichtige Abkommen: Mit dem Wortführer Sapita vereinbart er, dessen Anhänger aufzunehmen, ohne sie zu verfolgen, und erhält dafür Gelder für seinen Kriegsfonds. Als die Sache auffliegt und ihm die Abberufung droht, verbündet er sich mit dem Rebellenführer Johann von Gischala. Josef stimmt der Beschlagnahme von Agrippas Getreide zu und erhält im Gegenzug dessen Wehrverbände. Auf Josefs Betreiben wird der Palast Agrippas von den Rebellen gestürmt, zerstört und geplündert. Diese Tat macht jede friedliche Lösung mit Rom zunichte. Es kommt zum Krieg.

Rom greift nun mit voller Härte durch. Kaiser Nero ernennt den Senator Mucian und den bisher erfolglosen General Vespasian zu Anführern der Truppen. Josef verschanzt sich mit den Rebellen in der Festungsstadt Jotapata und nimmt sich vor, der Belagerung sieben Wochen, bis zum ersten Juli, standzuhalten. Das Wasser wird knapp, die Lage scheint aussichtslos, doch Josef hält die Festung. Er selbst wird gefangen genommen und vor Vespasian geführt. Josef erkennt, dass der General seine gut ausgebildeten Truppen lieber behält, als vor Jerusalem zu ziehen. Er macht sich das Gerücht von der baldigen Ankunft des Messias zunutze und prophezeit Vespasian, er sei dieser ersehnte Messias. Dem General missfällt das nicht. So wird Josef nicht gekreuzigt, sondern zum Leibeigenen des Generals, und Vespasian verzichtet auf den Zug gegen Jerusalem.

Das dritte Buch trägt den Titel „Cäsarea“. Als Leibeigener Vespasians geht es Josef vergleichsweise gut. Er berät den General in jüdischen Gebräuchen und versucht, seine Stellung für die Juden Galiläas zu nutzen. Trotzdem gilt er vielen als feiger Überläufer und wird gehasst. Die Makkabi-Rebellen, die in Jerusalem eine Schreckensherrschaft errichtet haben und einen Bürgerkrieg auslösen, verhängen den Großen Bann gegen ihn. Josef wird so unter den eigenen Leuten zum Geächteten. Vespasian ersteigert die jüdische Kriegsgefangene Mara und zwingt Josef zum Spaß, sie zu heiraten. Josef fügt sich zähneknirschend, empfindet es aber als unverzeihliche Schande, ein durch die Kriegsgefangenschaft entehrtes Mädchen zu ehelichen.

Inzwischen nimmt sich Kaiser Nero das Leben. Mehrere Kaiser folgen, die jedoch rasch sterben oder gestürzt werden. Mucian erkennt als Erster, dass es am besten wäre, Vespasian zum Kaiser zu machen, denn die Armee steht hinter ihm. Doch Vespasian will nicht bloß Kaiser der Soldaten sein, sondern gesetzlich bestätigt werden, was unmöglich ist. Josef soll ihn überzeugen, das Amt notfalls auch ohne Recht zu ergreifen. Vespasian lehnt zunächst ab, lässt aber durchblicken, dass er dem äußersten Zwang weichen würde. Am nächsten Morgen wird er „gezwungen“, Kaiser zu werden. Daraufhin macht er Josef zum freien Mann und erlaubt ihm, künftig den römischen Namen Flavius Josephus zu tragen.

Das vierte Buch heißt „Alexandrien“. Als freier Mann geht Josef nach Alexandria. Die dortigen Juden sind dem römischen Protektorat friedlich gesinnt und nehmen ihn freundlich auf, da sie um seinen Anteil an Vespasians Erhebung wissen. Nun vollendet sich eine innere Wandlung, die schon im dritten Buch begann. Josef löst sich von seinen radikalen Ansichten und entwickelt das Ideal eines Weltbürgertums, der Verschmelzung von Juden- und Griechentum. Aus dem ehrgeizigen Politiker wird ein Schriftsteller und Weltbürger, aus dem Priester Josef Ben Matthias der Schriftsteller Flavius Josephus. Diese Haltung stößt Römer wie Juden ab, besonders sein Psalm des Weltbürgers. Auf Druck einiger Makkabi-Leute wird er sogar aus der Synagoge ausgewiesen, was seinen Ausschluss aus der jüdischen Gemeinschaft zunächst besiegelt.

Bei einem Fest auf der Insel Pharrus lernt Josef Dorion kennen, die Tochter des Malers Fabull. Die Schande der Ehe mit Mara lässt ihn nicht los. Um Vergebung zu erlangen und sich scheiden lassen zu können, nimmt er die Strafe der vierzig Schläge auf sich. Das bringt ihm die Achtung der Juden zurück. Doch kurz darauf verliert er sie erneut, denn er hat sich in Dorion verliebt und will sie heiraten, obwohl sie Ägypterin ist.

Stil↑

Angelegt ist das Buch als historischer Roman, der das ferne Geschehen im Römischen Reich des ersten Jahrhunderts mit den Mitteln der erzählenden Prosa lebendig macht. Den großen Stoff gliedert Feuchtwanger in mehrere Bücher, von denen jedes nach einem Schauplatz benannt ist. So folgt der Aufbau zugleich den Lebensstationen der Hauptfigur und führt den Leser quer durch die Welt des Reiches.

Im Mittelpunkt steht die innere Entwicklung Josefs, der sich vom ehrgeizigen, kompromisslosen jungen Politiker zum Schriftsteller und Weltbürger wandelt. Diese Verwandlung wird über die Bücher hinweg behutsam vorbereitet und erst am Ende vollendet. Politische Ränke, religiöse Spannungen und persönlicher Ehrgeiz sind eng miteinander verflochten, sodass das Schicksal des Einzelnen stets vor dem Hintergrund der großen Geschichte erscheint.

Rezeption↑

Eingeordnet wird das Buch als erster Teil der Josephus-Trilogie, die das Leben des jüdischen Geschichtsschreibers Flavius Josephus in drei Romanen entfaltet. Der 1932 erschienene Auftakt legt die Grundlage für diese groß angelegte Erzählung von Aufstieg, Verrat und Wandlung. Über die Jahrzehnte blieb das Werk in neuen Ausgaben präsent.

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