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MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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1930
– Werkseintrag –

Erfolg

1930 · Roman

Ein Münchner Museumsdirektor landet wegen unliebsamer Bilder im Gefängnis – und Feuchtwanger entwirft daraus ein Sittenbild Bayerns in den frühen 1920er Jahren, in dem eine völkische Bewegung mit Zügen Hitlers immer mächtiger wird.

Überblick

Mit dem 1930 erschienenen Zeitroman Erfolg. Drei Jahre Geschichte einer Provinz legte Lion Feuchtwanger ein literarisches Sittenbild Bayerns in den frühen 1920er Jahren vor. Das umfangreiche Werk entstand zwischen 1927 und 1930 und bildet zusammen mit Die Geschwister Oppermann und Exil die sogenannte Wartesaal-Trilogie. Der Roman trägt deutliche Züge eines Schlüsselromans: Hinter erfundenen Figuren stehen erkennbar reale Personen und Ereignisse der Weimarer Zeit, darunter Adolf Hitler, Erich Ludendorff und der Münchner Putsch von 1923. Feuchtwanger verbindet einen Justizskandal mit der politischen Geschichte einer ganzen Provinz und macht so sichtbar, wie autoritäre Bewegungen Rückhalt in der bürgerlichen Mitte finden.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Mittelpunkt des Romans steht der Münchner Museumsdirektor und Kunsthistoriker Martin Krüger. Er hat für sein Haus mehrere als anstößig empfundene Gemälde angekauft und ausgestellt und gerät dadurch ins Visier der konservativen bayerischen Staatsregierung. Ein politisch motivierter Meineidsprozess führt zu seiner Verurteilung zu drei Jahren Haft. Allen Beteiligten ist klar, dass das eigentliche Ziel die Amtsenthebung des links eingestuften Krüger ist.

Während Krüger im Gefängnis sitzt, versucht seine Freundin Johanna Krain, eine Begnadigung zu erwirken. Sie sucht den Kontakt zu Politikern, zu Wirtschaftsführern, zu kirchlichen Würdenträgern und zur abgedankten Monarchenfamilie. Aus ihren Begegnungen entsteht nach und nach ein breites Sittengemälde des "Landes Bayern" in jener Zeit.

Im zweiten Teil rückt eine völkische Massenbewegung in den Vordergrund: Rupert Kutzner und seine "Wahrhaft Deutschen" gewinnen an Einfluss. Feuchtwanger zeigt, wie dieser Aufstieg sowohl von der breiten Bevölkerung als auch von den konservativen Eliten des Landes mitgetragen wird, die sich davon eigene Vorteile versprechen.

Die Handlung im Detail

Die Handlung beginnt mit einem angeblichen und einem wirklichen Meineid. Der Kunsthistoriker und Münchner Museumsdirektor Martin Krüger gerät in den frühen 1920er Jahren in die Kritik, weil er mehrere anstößige Gemälde angeschafft und ausgestellt hat. In einem politisch motivierten Meineidsprozess wird er zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Ihm wird nachgesagt, er sei nach einem Fest einer Dame in deren Wohnung gefolgt, was diese unter Eid bestritten hatte. Die Verurteilung beruht auf der eidlichen Falschaussage des Chauffeurs Ratzenberger. Allen Beteiligten ist dabei klar, dass es sich um einen Vorwand der konservativen bayerischen Staatsregierung handelt, um den politisch der Linken zugerechneten Krüger seines Amtes zu entheben.

In den folgenden Jahren versucht Krügers Freundin Johanna Krain, seine Begnadigung zu erwirken. Sie sucht den Kontakt zu hochgestellten Persönlichkeiten, zu Politikern, zu den Oberen in Wirtschaft und Kirche und zur abgedankten Monarchenfamilie. Nach und nach entsteht so ein Sittengemälde des "Landes Bayern" in jener Zeit.

Im zweiten Teil des Romans nimmt die Bewegung Rupert Kutzners und der "Wahrhaft Deutschen" – Chiffre für die NSDAP – einen immer größeren Raum ein. Kutzner trägt deutlich Züge Hitlers, und die Beschreibung seines Aufstandes entspricht dem Hitler-Ludendorff-Putsch von 1923. General Vesemann ist eine literarische Kopie Erich Ludendorffs. Feuchtwanger betont besonders, wie die breite Bevölkerung Kutzner unterstützt, wie aber auch die konservativen Kräfte in Bayern die Kutzner-Bewegung benutzen, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen – und damit Kutzners Aufstieg überhaupt erst ermöglichen.

Am Ende des Romans stirbt Martin Krüger in der Haft. Johanna Krain und ihr Freund Jacques Tüverlin bemühen sich, den Skandal bekannt zu machen: Johanna dreht einen Film, Tüverlin schreibt ein Buch. Da Tüverlin Züge Lion Feuchtwangers trägt, kann der Leser vermuten, es handle sich dabei um das gerade gelesene Buch.

Stil

Feuchtwanger verwendet in seinem Roman häufig bairische Dialektausdrücke, um das Lokalkolorit zu verstärken. Zugleich legt er eine besondere Erzählhaltung an: Der Erzähler tut so, als sei der Roman aus großem zeitlichen Abstand geschrieben. Er erklärt allseits Bekanntes – etwa dass Schiller in der beschriebenen Epoche ein bekannter Dichter war – oder spricht von "damals", wenn er seine eigene Gegenwart meint. In einer Vorbemerkung, die der Autor in der ursprünglich zweibändigen Ausgabe dem zweiten Band vorausstellte, nimmt er ausdrücklich die Position großer zeitlicher Ferne ein. Durch diesen Kunstgriff erscheinen die geschilderten Vorgänge bereits beim ersten Lesen wie historisch abgeschlossen – ein Verfahren, das die Provinzgeschichte Bayerns zur exemplarischen Studie hebt.

Rezeption

Der Roman gilt als einer der frühen literarischen Versuche, den Aufstieg der nationalsozialistischen Bewegung zu erfassen, und wurde gemeinsam mit Die Geschwister Oppermann und Exil als Teil der Wartesaal-Trilogie kanonisiert. 1991 verfilmte Franz Seitz junior den Stoff unter dem Originaltitel.

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