Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Exil
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Exil
1940
– Werkseintrag –

Exil

1940 · Roman

Ein emigrierter Komponist in Paris wird zum politischen Kämpfer, als die Nationalsozialisten einen Journalisten über die Grenze verschleppen – und zahlt dafür einen hohen Preis im eigenen Haus.

Überblick

Der Roman Exil von Lion Feuchtwanger entstand zwischen Mai 1935 und August 1939 und erschien 1940. Er bildet den dritten Teil der sogenannten Wartesaaltrilogie, zu der auch die Romane Erfolg und Die Geschwister Oppermann gehören. Das Buch schildert das Leben deutscher Emigranten im Paris der dreißiger Jahre und den Kampf eines Einzelnen gegen die Bedrohung durch das nationalsozialistische Deutschland, das auch über die Grenze hinaus seine Gegner verfolgt.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Mittelpunkt steht der bayerische Komponist Sepp Trautwein, der vor den Nationalsozialisten aus München nach Paris geflohen ist. Zur Zeit der Handlung lebt er bereits seit zwei Jahren im Exil. Als der Journalist Friedrich Benjamin, der für die Emigrantenzeitschrift Pariser Nachrichten arbeitet, für einige Tage nach Basel reisen will, bittet er Trautwein, ihn in der Redaktion zu vertreten.

Doch die Reise nimmt eine böse Wendung: Benjamin wird von Nazi-Schergen über die Grenze nach Deutschland verschleppt. Von diesem Augenblick an setzt sich Trautwein mit den Mitteln des geschriebenen Wortes für die Freilassung des Entführten ein. Über seinem Kampf vernachlässigt er nach und nach seine Frau Anna, die ihr eigenes Leben längst seiner Laufbahn untergeordnet hat.

Um Trautwein und seinen Gegenspieler, den begabten nationalsozialistischen Publizisten Erich Wiesener, entfaltet der Roman ein breites Bild der Pariser Emigranten und der dort wirkenden Vertreter des Dritten Reiches. Es ist die Geschichte eines Mannes, der aus persönlicher Empörung zum politischen Kämpfer wird.

Die Handlung im Detail

Der Komponist Sepp Trautwein lebt seit zwei Jahren als Emigrant in Paris, wohin er aus München vor den Nationalsozialisten geflohen ist. Als der Journalist Friedrich Benjamin, Mitarbeiter der Exilantenzeitschrift Pariser Nachrichten, nach Basel reisen will, um sich einen Pass anfertigen zu lassen und einen Informanten zu treffen, übernimmt Trautwein für ihn die Vertretung in der Redaktion. Das Treffen mit dem Informanten aber ist eine Falle: Benjamin wird von Nazi-Schergen ergriffen und nach Deutschland verschleppt.

Trautwein kämpft fortan mit publizistischen Mitteln für die Befreiung Benjamins. Über diesem Einsatz vernachlässigt er zunehmend seine Frau Anna, die ihr Leben seiner Karriere geopfert hat, zum Gelderwerb in einer Zahnarztpraxis arbeitet und sich nebenbei unermüdlich für die Aufführung seiner Kompositionen einsetzt.

Ein Gegenspieler erwächst Trautwein in dem intelligenten und begabten nationalsozialistischen Publizisten Erich Wiesener. Dieser lebt selbst im Widerspruch zu der Ideologie, die er vertritt: Er unterhält eine Beziehung zu der „Vierteljüdin" Lea de Chasseffierre, mit der er einen gemeinsamen Sohn hat. Durch diese Verbindung ist auch seine Stellung innerhalb der nationalsozialistischen Funktionärsschaft in Paris gefährdet. Wiesener entwickelt einen Plan, um die Pariser Nachrichten zu unterwandern und dem Nationalsozialismus dienstbar zu machen.

Der jüdische Geschäftsmann Gingold, Besitzer des Blattes, lässt sich auf eine Zusammenarbeit mit den Nazis ein, um seine Geschäfte in Deutschland ungestört abwickeln zu können. Allmählich verliert er die Kontrolle und wird schließlich zu einem Handlanger der Machthaber, um das Leben seiner Tochter zu retten, die in Deutschland wegen „Rassenschande" verhaftet worden ist. Gingold entlässt Trautwein, was dieser seiner Frau verschweigt. Anna, die kurz zuvor ein Stellenangebot ihres Arbeitgebers in London abgelehnt hat, empfindet dieses Verschweigen als ungeheuren Vertrauensbruch und nimmt sich daraufhin das Leben. Nach Trautweins Entlassung verlassen alle Journalisten das Blatt und gründen eine neue Emigrantenzeitschrift, die Pariser Deutsche Post.

Von den Erfahrungen im Kampf um Benjamin, vom Tod seiner Frau und vom Tod des begabten Dichters Harry Meisel zutiefst bewegt, schreibt Trautwein musikalische Werke, mit denen er zunehmend Erfolg hat. Lea trennt sich von Wiesener. In ihrem Haus veranstaltet sie ein Konzert zu Trautweins Ehren und spendet später eine größere Summe für die Pariser Deutsche Post. Friedrich Benjamin wird von den Nationalsozialisten freigelassen und arbeitet nun für die neue Zeitschrift. Doch vertritt er nicht mehr dieselbe Linie wie seine Kollegen: Er ist der Überzeugung, ein Krieg müsse mit allen Mitteln verhindert werden.

Zwischen Trautwein und seinem Sohn Hanns kommt es zu einer politischen Auseinandersetzung. Der Vater hält daran fest, dass im Sozialismus der einzelne Mensch nicht vergessen werden dürfe. Hanns dagegen vertritt die Auffassung, eine vollkommene sozialistische Gesellschaft zum Wohle aller lasse sich nur mit Gewalt errichten. Er geht in die Sowjetunion. Am Rande schildert der Roman fortwährend das Pariser Emigrantenmilieu und die internen Machtkämpfe der Vertreter des Dritten Reiches.

Stil

Bezeichnend für das Werk ist die breit angelegte, realistische Erzählweise, mit der ein ganzes Zeitbild entworfen wird. Der Roman verknüpft das persönliche Schicksal Sepp Trautweins mit einem vielfigurigen Panorama der Pariser Emigranten und ihrer nationalsozialistischen Gegenspieler. Feuchtwanger arbeitet dabei mit kontrastierenden Figuren: Dem Komponisten Trautwein steht der Publizist Wiesener gegenüber, der überzeugte Emigrant dem überzeugten Nationalsozialisten, der jedoch selbst in Widerspruch zu seiner Ideologie lebt.

Die Handlung verläuft auf mehreren Ebenen zugleich – der private Bereich von Ehe und Familie, der öffentliche Kampf um die Befreiung eines Entführten und die politischen Intrigen im Hintergrund greifen ineinander. Als Schlussstück der Wartesaaltrilogie führt der Roman Linien fort, die schon in Erfolg und Die Geschwister Oppermann angelegt sind.

Rezeption

Als dritter Teil der Wartesaaltrilogie zählt Exil zu den Werken, in denen Feuchtwanger das Schicksal der deutschen Emigration gestaltet hat. Der Roman gehört in die Reihe jener Bücher, die das Leben der Vertriebenen und ihren Widerstand gegen das nationalsozialistische Deutschland zum Thema machen.

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