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Porträt Bertolt Brecht
Bertolt Brecht
1898 – 1956
– Autorenporträt –

Bertolt Brecht

1898 – 1956 · 58 Jahre

Begründer des epischen Theaters und politischer Dichter in allen Gattungen – mit Stücken wie der Dreigroschenoper und Mutter Courage prägte er die Bühnenkunst des 20. Jahrhunderts weit über den deutschen Sprachraum hinaus.

Kurzporträt

Bertolt Brecht wurde am 10. Februar 1898 in Augsburg geboren und starb am 14. August 1956 in Ost-Berlin. Er gehört zu den einflussreichsten deutschen Dichtern und Theatermachern des 20. Jahrhunderts. Mit seinem epischen, später dialektisch genannten Theater veränderte er die Bühnenkunst weit über den deutschen Sprachraum hinaus. Berühmt wurde er vor allem durch die Dreigroschenoper, Mutter Courage und ihre Kinder sowie Die heilige Johanna der Schlachthöfe. Daneben verfasste er ein umfangreiches lyrisches Werk, von der frühen Hauspostille bis zu den Svendborger Gedichten und den Buckower Elegien. 1949 gründete er mit seiner Frau Helene Weigel das Berliner Ensemble, das den weltweiten Ruhm seiner Stücke begründete.


Biografie

Eugen Berthold Friedrich Brecht wuchs in gesicherten bürgerlichen Verhältnissen in Augsburg auf. Sein Vater Berthold Friedrich Brecht arbeitete sich von der kaufmännischen Lehre bis zum Direktor der kaufmännischen Abteilung der Haindlschen Papierfabrik hoch. Die Mutter Sophie stammte aus einem kleinen Beamtenhaushalt im oberschwäbischen Roßberg. Der Vater war katholisch, die Mutter protestantisch. Die Kinder wurden im protestantischen Glauben erzogen und gehörten damit im überwiegend katholischen Augsburg einer Minderheit an. Brecht besuchte ab 1908 das Augsburger Realgymnasium. Er brachte ordentliche, aber nicht glänzende Zeugnisse mit nach Hause und litt seit dem 14. Lebensjahr unter Herzbeschwerden.

Schon als Fünfzehnjähriger gab er mit einem Freund die Schülerzeitung Die Ernte heraus, in der er die meisten Beiträge selbst verfasste. Nach Kriegsbeginn 1914 brachte er patriotische Reportagen, Gedichte und Rezensionen in lokalen Blättern unter. Bald aber distanzierte er sich von der Verklärung des Krieges. Wegen eines Aufsatzes über den Horaz-Vers "Dulce et decorum est pro patria mori" soll er beinahe vom Gymnasium verwiesen worden sein. 1916 nutzte er erstmals die Namensform "Bert Brecht". Im März 1917 meldete er sich zum Kriegshilfsdienst und legte ein vereinfachtes Notabitur ab. Im Herbst nahm er in München ein Studium der Medizin und Philosophie auf, das er jedoch kaum betrieb. Statt dessen besuchte er ein Seminar Artur Kutschers zur Gegenwartsliteratur. 1918 entstand sein erstes Drama Baal. Im Oktober wurde er als Militärkrankenwärter in ein Augsburger Reservelazarett einberufen. Dort schrieb er sein Lied von der Eisenbahntruppe von Fort Donald und die Legende vom toten Soldaten.

Im Januar 1919 erfuhr Brecht, dass seine Jugendliebe Paula Banholzer von ihm schwanger war. Im Juli kam der Sohn Frank zur Welt. Etwa zur selben Zeit fand er in Lion Feuchtwanger einen wichtigen Förderer. 1922 gelang an den Münchner Kammerspielen unter Otto Falckenberg die Uraufführung von Trommeln in der Nacht. Der Theaterkritiker Herbert Ihering rezensierte sie enthusiastisch und verlieh Brecht den Kleist-Preis. Im selben Jahr heiratete er die Sängerin Marianne Zoff, im März 1923 wurde die Tochter Hanne geboren. 1923 wurden Im Dickicht in München und Baal in Leipzig uraufgeführt. In München störten Nazis die zweite Vorstellung mit Stinkbomben. 1924 entstand mit Feuchtwanger die Bearbeitung Leben Eduards des Zweiten von England, Brechts erste vollendete Regiearbeit. Im selben Jahr begann sein Verhältnis mit der Schauspielerin Helene Weigel, die im November den Sohn Stefan zur Welt brachte. Im September 1924 zog Brecht endgültig nach Berlin.

Nach der Scheidung von Marianne Zoff heiratete er am 10. April 1929 Helene Weigel. Im Oktober 1930 wurde die Tochter Barbara geboren. In der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre wandte sich Brecht dem Marxismus zu, ohne je in die KPD einzutreten. Wichtige Gesprächspartner waren Karl Korsch, Fritz Sternberg und Hanns Eisler. Parallel entstand sein episches Theater. 1928 wurde die von Kurt Weill vertonte Dreigroschenoper zu einem der größten Theatererfolge der Weimarer Republik. Bis 1933 wurde sie in achtzehn Sprachen übersetzt. Es folgten Lehrstücke wie Der Jasager und Die Maßnahme.

Am 28. Februar 1933, einen Tag nach dem Reichstagsbrand, verließ Brecht mit seiner Familie Berlin. Stationen des Exils waren Prag, Wien, Zürich, Paris und schließlich das dänische Svendborg, wo er fünf Jahre lebte. 1935 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Seine Bücher waren bereits am 10. Mai 1933 verbrannt worden. In Dänemark entstanden Leben des Galilei und Mutter Courage und ihre Kinder. Dieses Stück wurde am 19. April 1941 in Zürich mit Therese Giehse uraufgeführt. 1939 zog Brecht nach Schweden, 1940 nach Finnland, wo er Herr Puntila und sein Knecht Matti schrieb. Im Mai 1941 erhielt er sein US-Einreisevisum und reiste über Moskau und Wladiwostok nach Santa Monica in Kalifornien. Im amerikanischen Exil fühlte er sich als "Lehrer ohne Schüler". Nach dem Kriegseintritt der USA wurde er als feindlicher Ausländer registriert und vom FBI überwacht. Am 30. Oktober 1947 wurde er vom Ausschuss für unamerikanische Umtriebe verhört. Am Folgetag verließ er die USA.

Ein Jahr lang lebte Brecht in Zürich. Im Oktober 1948 reiste er auf Einladung des Kulturbundes nach Ost-Berlin; die Einreise in die westlichen Besatzungszonen blieb ihm untersagt. Mit Helene Weigel inszenierte er am Deutschen Theater Mutter Courage und ihre Kinder. Zur Spielzeit 1949/50 gründete er das Berliner Ensemble und bezog 1954 das Theater am Schiffbauerdamm. Sein Verhältnis zur DDR war laut der Deutschen Biographie von kritischer Solidarität geprägt. Er bekannte sich zum sozialistischen deutschen Staat, wurde aber zugleich mit Argwohn betrachtet, mitunter ignoriert oder zensiert. Den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 verarbeitete er im Gedichtzyklus Buckower Elegien, in dem er sich auch deutlich von der DDR-Regierung distanzierte. 1954 wurde er zum Vizepräsidenten der Deutschen Akademie der Künste ernannt. Am 21. Dezember 1954 erhielt er den Internationalen Stalin-Friedenspreis. Brecht starb am 14. August 1956 in seiner Wohnung in der Berliner Chausseestraße 125. Lange galt ein Herzinfarkt als Ursache; tatsächlich gingen seine Herzprobleme auf ein rheumatisches Fieber in der Kindheit zurück. Er liegt auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin begraben.


Literarische Merkmale

Brechts Sprache zeichnet sich, wie die Deutsche Biographie hervorhebt, durch die unverwechselbare Verbindung von Poesie, Direktheit, Traditions- und Formbewusstsein aus. Er arbeitete in allen literarischen Gattungen: als Dramatiker und Regisseur, als Lyriker, Erzähler, Essayist und Verfasser von Hörspielen. Literarische Texte mussten für ihn einen "Gebrauchswert" haben. Sie sollten gesellschaftliche Strukturen durchschaubar machen, vor allem im Hinblick auf ihre Veränderbarkeit.

Im Theater begründete Brecht seit etwa 1926 das epische, später dialektisch genannte Theater. Diese Spielform sollte die strikte Trennung zwischen Bühne und Publikum aufheben und den Zuschauer zum mitdenkenden Beobachter machen. Wichtige theoretische Schriften sind die gemeinsam mit Peter Suhrkamp verfassten Anmerkungen zur Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny von 1930 und das Kleine Organon für das Theater von 1948. Eng damit verbunden waren die Lehrstücke, eine Form, die er später "Learning Play" nannte. In ihr wurde das Lernen vor dem Lehren, das Spiel vor dem Stück betont. Zu den bekanntesten gehören Der Flug der Lindberghs, Der Jasager und das politisch wie dramaturgisch radikale Die Maßnahme.

Charakteristisch für Brechts Arbeitsweise ist ihre Kollektivität. Schon in Augsburg entwarf er mit Freunden Texte und Melodien gemeinsam. Später bildete sich ein großer Mitarbeiterkreis, dem unter anderem Elisabeth Hauptmann, Margarete Steffin und Ruth Berlau angehörten. Ebenso eng war die Verbindung mit anderen Künsten: mit dem Bühnenbildner Caspar Neher, der ihn seit der Schulzeit begleitete, und mit Komponisten wie Kurt Weill, Hanns Eisler, Paul Hindemith und Paul Dessau. Die Zusammenarbeit mit Weill an der Dreigroschenoper, an Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny und an Die sieben Todsünden brachte Lieder hervor. Manche wurden wie Die Moritat von Mackie Messer oder das Lied von der Seeräuber Jenny zu populären Schlagern.

In der Lyrik erneuerte Brecht mit der Hauspostille von 1927 die Balladendichtung durch den Gebrauch von Bänkelsang und Couplet. In den Svendborger Gedichten des Exils erschloss er das Kinderlied neu für das Volkslied und erweiterte die Ballade durch epische Elemente zum Erzählgedicht. Daneben stehen Songs aus seinen Stücken, Gelegenheitsdichtung, Protest- und Kampflieder sowie spät die distanzierten Buckower Elegien. Als Erzähler von Kurzprosa fand er besonders mit den Kalendergeschichten breite Anerkennung, darunter der Augsburger Kreidekreis und die Geschichten vom Herrn Keuner.


Rezeption

Brechts Wirkung war von Anfang an mit politischem Streit verbunden. Schon 1922 verlieh ihm Herbert Ihering den Kleist-Preis. Im selben Jahr begann mit der Münchner Uraufführung von Trommeln in der Nacht eine regelrechte "Brechthausse". Zugleich riefen seine Stücke Widerstand hervor. Die Vorstellungen von Im Dickicht wurden 1923 in München von Nationalsozialisten mit Stinkbomben gestört. Baal wurde in Leipzig nach der Uraufführung umgehend abgesetzt. Die heilige Johanna der Schlachthöfe stieß bereits in der Weimarer Republik auf Ablehnung. Der Film Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt? wurde stark zensiert. 1933 stand Brecht auf der "Schwarzen Liste" Wolfgang Herrmanns. Am 10. Mai 1933 wurden seine Bücher verbrannt, einen Tag später seine gesamten Werke verboten. 1935 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt.

Nach dem Krieg überlagerte die politische Positionierung lange das Urteil über sein Werk. In der DDR wurde er als bürgerlicher Intellektueller kanonisiert, der zum Kommunismus gefunden habe, ohne sich den Leitlinien der SED zu unterwerfen. In den Medien wurde seine Arbeit zugleich oft mit Argwohn betrachtet, ignoriert oder zensiert. In der Bundesrepublik versuchte man lange, das linkspolitische Engagement auszublenden, und las vor allem die Exilstücke nach zeitlosen Fragestellungen. Auch hier kam es jedoch zu mehreren Boykotts. In Österreich setzten Friedrich Torberg und Hans Weigel den sogenannten Wiener Brecht-Boykott an den großen Bühnen durch, der bis 1963 anhielt. Erst seit den 1980er Jahren arbeitete die Forschung das Avantgardistische seiner Opern, Lehrstücke und theoretischen Schriften heraus. Nach der Wiedervereinigung setzte ein eher sachbezogener Umgang mit seinem Werk ein.

Auch aus dem linken Lager kam Kritik. Günter Grass warf Brecht in seinem Stück Die Plebejer proben den Aufstand vor, am 17. Juni 1953 mehr am Gelingen einer Bühnenrevolte als am realen Aufstand der Arbeiter interessiert gewesen zu sein. Friedrich Dürrenmatt formulierte: "Brecht denkt unerbittlich, weil er an vieles unerbittlich nicht denkt." Hannah Arendt nannte den Aufbau des Berliner Ensembles dagegen "vielleicht die hervorragendste kulturelle Leistung im Deutschland der Nachkriegszeit". Die Gastspiele des Ensembles auf dem Pariser Festival Théâtre des Nations 1954 und 1955 begründeten laut der Deutschen Biographie die ungeheure internationale Rezeption seiner Stücke. Diese fand in den sechziger und siebziger Jahren ihren Höhepunkt. Bis heute gehören Brechts Stücke zu den festen Säulen des Repertoires des Berliner Ensembles und der Welttheater.

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