1458 – 1521
Sebastian Brant
Kurzporträt↑
Sebastian Brant wurde 1457 oder 1458 in Straßburg geboren und starb am 10. Mai 1521 ebendort. Er war einer der wichtigsten Vertreter des deutschen Humanismus an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit. Als Jurist lehrte er an der Universität Basel. Später wurde er Kanzler und Stadtschreiber seiner Heimatstadt Straßburg. Berühmt machte ihn die 1494 erschienene Moralsatire Das Narrenschiff. Sie wurde in ganz Europa begeistert aufgenommen und begründete die literarische Tradition der Narrenliteratur. Daneben war Brant einer der produktivsten Autoren lateinischer Andachtsdichtung. Auch als Herausgeber antiker Klassiker und Schriften italienischer Humanisten trat er hervor.
Biografie↑
Sebastian Brant kam als erstes Kind des Straßburger Ratsherrn und Gastwirts Diebolt Brant des Jüngeren und seiner Frau Barbara zur Welt. Der Vater führte die „Große Herberge zum goldenen Löwen". Sein Geburtsjahr ist nicht eindeutig überliefert: Wikipedia nennt 1457 oder 1458, die Deutsche Biographie gibt 1458 an. Der Vater starb 1468, als Sebastian etwa zehn Jahre alt war. Über die Kindheit und Jugend bis zum Studienbeginn ist nichts bekannt.
Im Wintersemester 1475/76 nahm Brant an der Universität Basel das Studium der Artes und der Rechte auf. Aus seiner Studienzeit haben sich eigenhändige Hefte mit einer Horaz-Abschrift erhalten. 1477/78 erwarb er das juristische Bakkalaureat, 1484 das Lizentiat. Im Jahr 1485 heiratete er Elisabeth Bürgi, die Tochter eines Basler Messerschmiedezunftmeisters. Das Paar hatte sieben Kinder. Ein Sohn, Onophrius Brant, wurde später selbst Jurist und Gelegenheitsdichter und gelangte in den Rat der Stadt Straßburg.
1489 promovierte Brant zum Doktor beider Rechte und wurde ordentliches Mitglied des Basler Professorenkollegiums. Er lehrte sowohl das kanonische als auch das römische Recht und seit 1484 regelmäßig Poesie. 1492 stand er als Dekan der juristischen Fakultät vor. Eine besoldete Professur erhielt er allerdings erst 1496. Von 1497 bis 1500 lehrte er ausschließlich Kirchenrecht. Neben der Universität war er als Rechtsgutachter, Advokat und Richter tätig. Zudem wirkte er als Assessor am 1495 gegründeten Reichskammergericht. In die Basler Jahre, besonders in das Jahrzehnt zwischen 1490 und 1500, fällt eine rege literarische Tätigkeit. Ihren Höhepunkt erreichte sie mit dem 1494 erschienenen Narrenschiff.
Als Basel 1499 der Schweizer Eidgenossenschaft beitrat, schied es faktisch aus dem Deutschen Reich aus. Daraufhin verließ der kaisertreue Brant die Universität. Im Frühjahr 1501 siedelte er nach Straßburg über und trat am 14. Januar 1501 die Stelle eines Syndikus an. Die Deutsche Biographie nennt für die Aufnahme als Rechtskonsulent bereits den 17. August 1500. 1502 wurde er zum Stadtschreiber und Kanzler bestimmt und damit zum obersten Verwaltungsbeamten der Freien Reichsstadt Straßburg. Kaiser Maximilian I. belohnte seine Treue mit der Ernennung zum kaiserlichen Rat (1502), zum Comes Palatinus mit Jahrgehalt und zum Beisitzer des kaiserlichen Hofgerichts in Speyer.
In Straßburg trat Brants eigene literarische Produktion zurück. Er förderte stattdessen die Arbeiten anderer und war als Zensor mit der Genehmigung aller Straßburger Drucke befasst. Daneben ordnete er das Stadtarchiv neu, begründete das Armenpflegewesen und führte erfolgreich Gesandtschaften seiner Stadt zum Kaiser und an andere Fürstenhöfe. 1520 reiste er nach Gent. Dort huldigte er dem neuen Kaiser Karl V. für die Freie Reichsstadt Straßburg. Am 10. Mai 1521 starb Sebastian Brant in Straßburg.
Literarische Merkmale↑
Brants schriftstellerische Tätigkeit wurde vom Geist der jungen Universität Basel geprägt, wie die Deutsche Biographie hervorhebt. Dort hatte Johannes Heynlin vom Stein eine Synthese von Humanismus und Scholastik vertreten. Er sammelte einen Kreis um sich, der den revolutionären, ästhetischen Humanismus ablehnte. Dieser Kreis suchte humanistische Bildung mit scholastischem Weltbild und kirchlicher Frömmigkeit zu verbinden. Daraus erwuchs jener moralisierende Humanismus, der die Schwächen der Kirche bekämpfte, ohne ihre Ordnung in Frage zu stellen. Er fand in Geiler von Kaisersberg, Wimpfeling, Brant und den großen Basler Verlegern seinen Rückhalt.
Im Narrenschiff orientierte sich Brant an Horaz und der römischen Satire. Er verwob vielfältige literarische Quellen, Anspielungen und Andeutungen zu einem aufwendigen Referenzsystem, wie die Wikipedia-Darstellung betont. Zugleich machte er reichlich Gebrauch von Sprichwörtern. Das sicherte dem Werk seine volkstümliche Wirkung. Wesentlich für den Erfolg waren auch die in das Buch eingebundenen Holzschnitte. Sie verbanden Dicht-, Bild- und Buchkunst zu einem Ensemble.
Als Jurist trat Brant nicht als Neuerer, sondern als Popularisator des römischen Rechts hervor. Sein Lehrbuch Expositiones omnium titulorum juris civilis et canonici (1490) erlebte bis 1518 zwölf Auflagen. Auch die von ihm herausgegebenen volkstümlichen Rechtssammlungen Layenspiegel (1509) und Klagspiegel (1516) zielten darauf, juristisches Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.
Auf religiösem Gebiet arbeitete Brant im altkirchlichen Geist. Er übersetzte lateinische Sequenzen wörtlich ins Deutsche und verfasste lateinische Gedichte auf Maria und verschiedene Heilige, darunter die Carmina in laudem beatae Mariä (um 1494). Seine politische Dichtung knüpfte oft an auffällige Naturerscheinungen an und wurde als illustriertes Flugblatt verbreitet. Sie mahnte Kaiser Maximilian zu einer strafferen Reichsordnung, zur Reform der Kirche und zum Kampf gegen Franzosen und Türken. Auch in seinen moralischen Dichtungen griff er meist auf ältere Werke zurück und bearbeitete sie, etwa die Sittensprüche des Cato oder Freidanks Bescheidenheit.
Rezeption↑
Der Erfolg des Narrenschiffs war außerordentlich. Schon zu Lebzeiten Brants zog das Werk zahlreiche Raubdrucke nach sich und wurde in ganz Europa begeistert aufgenommen. Literarisch begründete es die europäische Tradition der Narrenliteratur. Diese Wirkung erreichte kein anderes deutsches gedrucktes Werk seiner Zeit.
Der Germanist Joachim Knape fasst Brants Rang so zusammen: Als deutschem Dichter habe ihm unter den Zeitgenossen niemand den Rang streitig machen können. Keiner habe damals eine ähnlich berühmte und in Europa enthusiastisch aufgenommene literarische Figur geschaffen wie den Narren im Narrenschiff. Und kein lebender Zeitgenosse habe in Deutschland ein vergleichbares gedrucktes Werk vorweisen können, das Dicht-, Bild- und Buchkunst zu einem Ensemble von ähnlichem Rang vereinte. Das Narrenschiff gilt damit als „das repräsentative deutsche Originaldichtwerk seiner Generation".
Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Brant reicht bis weit ins 19. Jahrhundert zurück. Bereits 1839 gab A. W. Strobl das Narrenschiff heraus, 1854 folgte die wirkmächtige Ausgabe von Friedrich Zarncke. 1913 erschienen Faksimile-Editionen von Hans Koegler und Franz Schultz. Die internationale Wirkung des Werks wurde in mehreren Studien untersucht, etwa von F. A. Pompen über die englischen Versionen (1925) und von D. O'Connor über die französische Rezeption (1928). Auch die kunstgeschichtliche Forschung widmete sich Brant immer wieder, etwa in den Arbeiten von Friedrich Winkler über Dürers Anteil an den Illustrationen zum Narrenschiff (1951). Bildnisse Brants sind unter anderem in einer Radierung von Jacob van der Heyden nach Hans Baldung Grien (1631) überliefert sowie in einem Dürer zugeschriebenen Porträt im Berliner Kupferstichkabinett.
Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →
Aus dem Werkverzeichnis↑
Im Lexikon
Weitere Werke (Auswahl)
Vollständiges Werkverzeichnis bei Wikipedia (35 weitere Titel)