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Porträt Ray Bradbury
Ray Bradbury
1920 – 2012
– Autorenporträt –

Ray Bradbury

1920 – 2012 · 91 Jahre

Amerikanischer Erzähler zwischen Science-Fiction, Horror und Phantastik – bekannt vor allem durch den Roman „Fahrenheit 451“ und die „Mars-Chroniken“.

Kurzbiografie↑

Ray Bradbury zählt zu den bekanntesten amerikanischen Erzählern der Phantastik. Er wurde 1920 in Waukegan im US-Bundesstaat Illinois geboren und starb 2012 in Los Angeles. Seine Schwerpunkte lagen bei Science-Fiction, Horror und Phantastik. Den literarischen Durchbruch brachte ihm 1950 Die Mars-Chroniken, eine sozialkritische Erzählung über die Besiedlung des Mars. Sein bekanntester Roman ist Fahrenheit 451 von 1953, der zu den prominentesten Dystopien des 20. Jahrhunderts gehört. Neben seinen Büchern arbeitete Bradbury auch fürs Kino und fürs Fernsehen.


Biografie↑

Geboren wurde Ray Douglas Bradbury am 22. August 1920 in Waukegan im Bundesstaat Illinois. Sein Vater hieß Leonard Spaulding Bradbury, seine Mutter Esther Marie Moberg stammte aus Schweden. 1934 zog die Familie nach Los Angeles.

Schon in der Schulzeit fiel sein Talent zum Schreiben auf. 1937 trat er der „Los Angeles Science Fiction League“ und einem Lyrikclub bei. 1938 machte er seinen Abschluss an der Los Angeles High School. Im selben Jahr erschien in der Zeitschrift Imagination! seine erste Erzählung.

Bradbury lieh sich regelmäßig Bücher in der Bibliothek aus. In dieser frühen Zeit beeindruckten ihn Science-Fiction-Helden wie Flash Gordon und Buck Rogers. Als seine Kurzgeschichten Erfolg hatten, entschied er sich für die Laufbahn eines freien Schriftstellers. Zunächst schrieb er für Zeitungen und Zeitschriften.

1947 heiratete er Marguerite McClure, die von 1922 bis 2003 lebte. Das Paar bekam vier Töchter. Im selben Jahr veröffentlichte Bradbury sein erstes Buch.

Der Durchbruch kam 1950 mit Die Mars-Chroniken. Das Werk erzählt von der Kolonialisierung des Planeten Mars und spiegelt die Ängste der US-Amerikaner in den 1950er Jahren. Drei Jahre später folgte Fahrenheit 451, sein bekanntester Roman. Die deutsche Erstübersetzung stammt von Fritz Güttinger und erschien 1955; 2020 legte Peter Torberg eine Neuübersetzung vor. Weitere Romane waren Löwenzahnwein (1957), Das Böse kommt auf leisen Sohlen (1962) und Halloween (1972). Später schrieb er auch die Romane Der Tod ist ein einsames Geschäft (1985) und Friedhof für Verrückte (1988). Sein letzter Roman Bringen wir Constance um! erschien 2003.

Daneben entstanden zahlreiche Erzählbände. Zu ihnen gehören Der illustrierte Mann (1951), Die goldenen Äpfel der Sonne (1953), Familientreffen (1955) und Medizin für Melancholie (1958). Auch im hohen Alter veröffentlichte er weiter, etwa Schneller als das Auge (1996) und Der Katzenpyjama (2004).

Neben der Arbeit als Schriftsteller war Bradbury an Spielfilmen und Fernsehserien beteiligt. 1956 schrieb er das Drehbuch zu John Hustons Verfilmung von Herman Melvilles Moby Dick. Für die Fernsehserie Bradburys Gruselkabinett, die zwischen 1985 und 1992 in 65 Folgen lief, arbeitete er ebenfalls als Drehbuchautor. Zeitweise nutzte er Pseudonyme, darunter William Elliott und Douglas Spaulding. Weitere Decknamen waren Edward Banks, D. R. Banat, Leonard Douglas, Leonard Spaulding und Brett Sterling.

Eng befreundet war Bradbury mit dem Trickfilmspezialisten Ray Harryhausen und mit dem Schauspieler Christopher Lee, der durch das phantastische Kino bekannt wurde.

Weil seine Jugenderfahrungen mit Büchern und Büchereien so gut waren, setzte sich Bradbury bis ins hohe Alter für den Erhalt öffentlicher Bibliotheken ein. Besonders galt sein Engagement den Ventura County Public Libraries. Er veranstaltete Spendenaktionen und sprach regelmäßig mit Kindern in Bibliotheken.

Von 1958 bis zu seinem Tod lebte Bradbury in einem Haus in Los Angeles, in dem der größte Teil seines Werks entstand. Er starb dort am 5. Juni 2012. Seine Grabstelle auf dem Westwood Village Memorial Park Cemetery hatte er selbst ausgesucht und schon zu Lebzeiten einen Stein setzen lassen. Die Inschrift lautet „Author of Fahrenheit 451“.


Literarische Merkmale↑

Bradburys Schreiben bewegte sich zwischen Science-Fiction, Horror und Phantastik. Die Grenzen zwischen diesen Bereichen hielt er offen: Seine Marsgeschichten sind weniger technische Zukunftsentwürfe als sozialkritische Bilder, in denen sich die Ängste seiner amerikanischen Zeitgenossen spiegeln. Die Mars-Chroniken erzählen von der Besiedlung eines fremden Planeten und meinen doch die Gegenwart der 1950er Jahre.

Die kurze Form war sein eigentliches Feld. Ein großer Teil seines Werks besteht aus Kurzgeschichten, die er später zu Bänden zusammenfasste. Aus diesen Erzählungen wuchsen mehrfach Filme und Fernsehstoffe, etwa aus The Fog Horn der Kinofilm Panik in New York von 1953.

Der Nachrufschreiber Dietmar Dath nannte Bradbury in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung einen „kosmischen Heimatdichter“ und schrieb, dessen Werke hätten gewusst, dass Vorahnungen auch etwas Nostalgisches haben können. Diese Verbindung prägt viele seiner Bücher: Zukunftsbilder und Erinnerung an eine kleinstädtische Kindheit stehen dicht beieinander.


Rezeption↑

Bradburys Bücher fanden weit über das Science-Fiction-Publikum hinaus Leser. Fahrenheit 451 gehört zu den prominentesten Dystopien des 20. Jahrhunderts und wird in der Literaturwissenschaft häufig neben George Orwells Nineteen Eighty-Four behandelt, so etwa in der Studie von Stefanie Zech über die Zerstörung von Sprache und Literatur in beiden Romanen.

Viele seiner Stoffe wurden verfilmt. François Truffaut drehte 1966 in Großbritannien Fahrenheit 451 mit Oskar Werner und Julie Christie; 2018 folgte eine amerikanische Neuverfilmung unter der Regie von Ramin Bahrani. Der illustrierte Mann kam 1969 unter dem Titel Der Tätowierte ins Kino, Die Mars-Chroniken 1980 als Fernsehmehrteiler.

Über Bradbury liegt eine umfangreiche Forschungsliteratur vor, darunter Biografien von Sam Weller und Jonathan R. Eller sowie Einträge in allen wichtigen Nachschlagewerken zur Science-Fiction.

Auch außerhalb der Literatur blieb sein Name präsent. Im Jahr 2000 wurde ein Asteroid nach ihm benannt, 2015 folgte ein Marskrater. Die NASA nannte zudem die Landestelle des Mars Science Laboratory „Bradbury Landing“. In der Fernsehserie Star Trek und im Kinofilm Star Trek Into Darkness trägt ein Raumschiff seinen Namen. Nach seinem Tod schlug ein Google-Mitarbeiter bei der Standardisierungsorganisation IETF vor, in Erinnerung an Fahrenheit 451 einen eigenen Fehlercode für zensierte Internetseiten einzuführen: den Error 451. Zu seinem 99. Geburtstag wurde 2019 vor der Waukegan Public Library die Skulptur Fantastical Traveler von Zachary Oxman aufgestellt, die den jugendlichen Bradbury auf einer Rakete reitend zeigt.

Für Aufsehen sorgte 2014 der Abriss seines Wohnhauses in Los Angeles. Der Architekt Thom Mayne hatte das Grundstück erworben und ließ das Gebäude entfernen, was empörte Reaktionen auslöste. Mayne erklärte daraufhin, die neue Umfassungsmauer solle zu Ehren Bradburys die Titel seiner Werke tragen.

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