1930
Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny
Überblick↑
Das Werk Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny ist eine Oper in drei Akten. Die Musik schrieb Kurt Weill, das Libretto stammt von Bertolt Brecht. Die Uraufführung fand am 9. März 1930 in Leipzig unter der Regie von Walther Brügmann statt. Erzählt wird vom Aufstieg und Untergang einer erfundenen Stadt namens Mahagonny, die im Nordamerika der Gegenwart angesiedelt ist. Eine Aufführung dauert ungefähr zweieinhalb Stunden.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Auf der Flucht vor den Konstablern strandet eine Gruppe von Betrügern am Rande einer Wüste, weil ihr Wagen liegen bleibt. Da sie weder vor noch zurück können, beschließen Leokadja Begbick und ihre Begleiter, hier eine Stadt zu gründen: Mahagonny. Sie soll all jenen Männern, die mit Geld von der Goldküste kommen, dieses Geld mithilfe von Bars und Bordellen wieder aus der Tasche ziehen.
Die Stadt wächst, und mit den Unzufriedenen aus aller Welt kommen auch vier Holzfäller aus Alaska, unter ihnen Paul Ackermann. Kaum angekommen, verliebt Paul sich in die Hure Jenny. Doch auch Mahagonny gerät in eine Krise: Die Preise sinken, die Leute reisen ab, und Paul stößt auf ein Verbotsschild. Als zu allem Überfluss ein Hurrikan auf die Stadt zuzieht, ersinnt Paul in dieser Nacht ein neues Gesetz vom menschlichen Glück. Es lautet schlicht: „Du darfst!" Was sich daraus entwickelt, treibt die Geschichte ihrem Höhepunkt entgegen.
Die Handlung im Detail↑
Leokadja Begbick, der Prokurist Willy und Dreieinigkeitsmoses sind auf der Flucht vor den Konstablern. Sie wollen zu einer Küste, an der Gold gefunden wird, doch ihr Wagen geht am Rande einer Wüste kaputt. Weil sie weder vor noch zurück können, gründen sie an dieser Stelle eine Stadt: Mahagonny, „das heißt: Netzestadt". In ihr wollen sie den Männern, die mit Geld von der Küste kommen, dieses mithilfe von Bars und Bordellen abnehmen. Ruhe und Eintracht sollen herrschen.
Die Stadt wächst. Mit den Unzufriedenen aus aller Herren Länder kommen auch vier Holzfäller aus Alaska: Heinrich Merg, Joseph Lettner, Jakob Schmidt und Paul Ackermann. Auch sie wollen in Mahagonny glücklich werden. Kaum angekommen, verliebt Paul sich in die Hure Jenny. Doch die Stadt erlebt Krisen: Die Preise sinken, die Leute reisen ab. Paul wird unzufrieden, als er ein Schild mit der Aufschrift „Hier ist verboten …" sieht, und es zieht ein Hurrikan heran. In dieser Nacht erfindet Paul das Gesetz der menschlichen Glückseligkeit: „Du darfst!" Das Einzige, was verboten ist, ist es, kein Geld zu haben – darauf steht die Todesstrafe. Kurz vor der drohenden Zerstörung macht er den Menschen klar, dass es keinen Taifun braucht, um zu zerstören; das könne der Mensch sehr gut allein. Als Beispiel singt er trotz des Verbotes ein lustiges Lied.
Im zweiten Akt nähert sich der Hurrikan, und der Zuschauer erfährt seinen Weg durch eine Radiomeldung. Doch eine Minute vor Mahagonny macht der Sturm einen Bogen um die Stadt und verschont sie. Von nun an gilt ein neuer Leitspruch: erst das Fressen, dann der Liebesakt, dann das Boxen, dann das Saufen – und vor allem, dass man hier alles dürfen darf, sofern man Geld hat. Das hat Folgen: Pauls Freund Jakob überfrisst sich an zwei Kälbern. Joseph stirbt bei einem Preisboxen gegen Dreieinigkeitsmoses, nachdem er Paul überredet hatte, sein ganzes Geld auf ihn zu setzen. Anschließend gibt Paul allen Männern Mahagonnys einen Whisky aus. Als Begbick die Bezahlung verlangt, merkt er, dass er kein Geld mehr hat. Sein eigenes Gesetz wird ihm zum Verhängnis. Weil weder Jenny noch Heinrich für ihn zahlen wollen, wird er festgenommen.
Am nächsten Tag beginnt Pauls Prozess. Zunächst verhandelt das Gericht einen anderen Fall: Ein des Mordes Angeklagter besticht das Gericht und wird daraufhin freigesprochen. Paul aber hat kein Geld, um es ebenso zu halten, und auch von seinen Freunden erhält er keine Unterstützung. Er wird mit abstrusen Anklagepunkten konfrontiert und für schuldig befunden: indirekter Mord an Joseph, Verführung Jennys, Störung von Friede und Eintracht, Singen eines lustigen Liedes – und als Hauptpunkt die Zechprellerei, deretwegen er zum Tode verurteilt wird. Sein größtes Verbrechen ist der Mangel an Geld. Paul nimmt Abschied. An dieser Stelle wird auch erzählt, wie Gott einmal nach Mahagonny kam. Am Ende versinkt die Stadt im Chaos: Mahagonny brennt, und mehrere demonstrierende Gruppen ziehen umher.
Stil↑
Auffällig ist, wie Brechts Text mit den Mitteln der Oper umgeht und sie zugleich gegen sich selbst wendet. Immer wieder treten gesungene Leitsprüche und Lieder aus dem Geschehen heraus, etwa das einprägsame „Du darfst!" oder die in Reime gefasste Reihung von Fressen, Liebe, Boxen und Saufen. Solche Merksätze fassen die Lebensregeln der Stadt in knappe, fast plakative Formeln.
Spürbar ist auch der Hang zu nüchternen, technischen Mitteln: Den Weg des Hurrikans erfährt das Publikum durch eine eingespielte Radiomeldung, und die Gerichtsverhandlung am Schluss reiht die Anklagepunkte beinahe wie eine Liste aneinander. Hinter der bösen Komik steht eine scharfe Satire auf eine Welt, in der allein das Geld über Recht und Unrecht, über Leben und Tod entscheidet.
Rezeption↑
Bekannt geblieben ist das Werk vor allem als eine der Zusammenarbeiten von Bertolt Brecht und Kurt Weill. Es wird bis heute als Oper auf die Bühne gebracht. Die scharfe Abrechnung mit einer Gesellschaft, in der das Geld das oberste Gesetz ist, hat ihm über die Jahrzehnte seinen Platz im Spielplan gesichert.
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