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MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Auslöschung
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Auslöschung
1986
– Werkseintrag –

Auslöschung

1986 · Roman

Ein Mann erfährt vom Tod seiner Familie und beginnt zu schreiben – nicht um zu erinnern, sondern um seine ganze Herkunft auf dem Papier auszulöschen.

Überblick

Der Roman Auslöschung erschien 1986 und trägt den vollständigen Titel Auslöschung. Ein Zerfall. Er stammt von dem österreichischen Schriftsteller Thomas Bernhard, der von 1931 bis 1989 lebte. Das Buch besteht aus einem einzigen inneren Monolog. Es ist die Niederschrift des Ich-Erzählers Franz-Josef Murau, der seine Gedanken nach dem Unfalltod seiner Eltern und seines Bruders festhält. Im Mittelpunkt stehen seine Erinnerungen an die Jugend auf dem Familiensitz Schloss Wolfsegg in Oberösterreich. Es ist der zuletzt veröffentlichte und der umfangreichste Roman Bernhards.

Inhalt (ohne Spoiler)

Der knapp fünfzigjährige Österreicher Franz-Josef Murau lebt in Rom. Dort unterrichtet er seinen Schüler Gambetti in deutschsprachiger Literatur und in Philosophie. Um die Mittagszeit erreicht ihn ein Telegramm seiner beiden Schwestern Cäcilia und Amalia. Sie teilen ihm mit, dass seine Eltern und sein Bruder Johannes bei einem Unfall ums Leben gekommen sind.

Der Roman ist in zwei Teile gegliedert. Der erste trägt den Titel "Das Telegramm". Murau berichtet darin vom Rest jenes Tages, den er nach Erhalt der Nachricht in seiner römischen Wohnung verbringt. Einen großen Raum nehmen seine Erinnerungen an Kindheit und Jugend auf Schloss Wolfsegg am Hausruck ein. Konflikte mit der konservativen Familie und mit den Verhältnissen dort haben ihn ins Ausland und schließlich nach Rom getrieben. Unterstützt wurde er dabei von seinem Onkel Georg, den er als Kind bewunderte.

Diese Erinnerungen brechen nicht erst durch die Todesnachricht hervor. Sie sind längst Gegenstand seiner Gespräche mit Gambetti und mit seiner Freundin Maria. Der lange Strom des Erinnerns ersetzt fast vollständig die äußere Handlung. Der zweite Teil heißt "Das Testament" und erzählt von Muraus Aufenthalt in Wolfsegg anlässlich der Beerdigung.

Die Handlung im Detail

In Rom lebt der knapp fünfzigjährige Franz-Josef Murau, der seinen Schüler Gambetti in deutschsprachiger Literatur und Philosophie unterrichtet. Um die Mittagszeit erhält er ein Telegramm seiner Schwestern Cäcilia und Amalia, das ihm den Unfalltod der Eltern und des Bruders Johannes meldet.

Der erste Teil, "Das Telegramm", schildert den Rest dieses Tages in der römischen Wohnung. Murau bleibt in seinem Zimmer, packt Koffer und betrachtet Fotos seiner Familie. Die eigentliche Bewegung des Romans liegt in seinen Erinnerungen an Kindheit und Jugend auf dem Familiensitz Schloss Wolfsegg am Hausruck in Oberösterreich. Die Konflikte mit der konservativen Familie und den dortigen Verhältnissen haben ihn zur Flucht ins Ausland und schließlich nach Rom gezwungen. Sein Onkel Georg, den er als Kind bewunderte, stand ihm dabei zur Seite. Diese unverarbeiteten Erinnerungen bestimmen schon lange seine Gespräche mit Gambetti und mit seiner Freundin Maria.

Der zweite Teil, "Das Testament", führt Murau nach Wolfsegg zur Beerdigung. Nach seiner Ankunft hilft er den Schwestern bei den Vorbereitungen und empfängt die Trauergäste. Eine besondere Rolle spielt der elegante und gebildete Erzbischof und Vatikandiplomat Spadolini. Dieser Kleriker hatte über dreißig Jahre lang ein Verhältnis mit Muraus Mutter, und den Erzähler verbindet mit ihm eine starke Hassliebe.

Am folgenden Tag findet die Beerdigung statt. Zwei Tage danach schenkt Murau das Anwesen, dessen Alleinerbe er geworden ist, der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien und reist nach Rom zurück. Dort hat er jene Niederschrift verfasst, die das Buch selbst bildet. Mit ihr will er seinen "Herkunftskomplex" verarbeiten und seine Erinnerungen "auslöschen": "Mein Bericht ist nur dazu da, das in ihm Beschriebene auszulöschen." Der letzte Satz des Romans teilt den Tod Muraus mit.

Stil

Das Buch besteht ausschließlich aus einem inneren Monolog. Der gesamte Text ist die Niederschrift des Ich-Erzählers Franz-Josef Murau, der seine Gedanken und Erinnerungen festhält. Eine äußere Handlung gibt es kaum: Murau bleibt in seinem Zimmer, packt Koffer und betrachtet Fotos. An die Stelle des Geschehens tritt der lange, ununterbrochene Strom des Erinnerns und Nachdenkens. Der Roman ist in zwei Teile geteilt, "Das Telegramm" und "Das Testament". Schon der Untertitel "Ein Zerfall" und das wiederkehrende Wort "Auslöschung" benennen das, worum das Schreiben kreist: das Beschriebene durch das Beschreiben zu tilgen.

Rezeption

Mit Auslöschung legte Thomas Bernhard seinen umfangreichsten Roman vor. Es war zugleich das zuletzt veröffentlichte seiner großen erzählerischen Werke; der Autor starb 1989.

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