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Porträt Émile Zola
Émile Zola
1840 – 1902
– Autorenporträt –

Émile Zola

1840 – 1902 · 62 Jahre

Begründer des europäischen Naturalismus, Schöpfer des Zyklus „Die Rougon-Macquart" und mit „J'accuse…!" moralische Stimme der Dreyfus-Affäre.

Kurzporträt

Émile Zola (1840–1902) gilt als einer der großen französischen Romanciers des 19. Jahrhunderts. Er war Leitfigur und Begründer des europäischen Naturalismus. Sein monumentaler Zyklus Die Rougon-Macquart beschäftigte ihn mehr als zwanzig Jahre. Er umfasst Werke wie Der Totschläger und Germinal. Diese schildern das gesellschaftliche Leben Frankreichs in großer Breite und Genauigkeit. Das macht das Erzählwerk Zolas zu einer Fundgrube für Sozialhistoriker. Zugleich war Zola ein streitbarer Journalist. Mit dem offenen Brief J'accuse…! vom 13. Januar 1898 trug er entscheidend zur Rehabilitierung des zu Unrecht verurteilten Hauptmanns Alfred Dreyfus bei. Damit löste er eine Affäre aus, die Frankreich jahrelang in zwei Lager spaltete.


Biografie

Émile Édouard Charles Antoine Zola wurde am 2. April 1840 in der Rue Saint-Joseph in Paris geboren. Sein Vater François Zola war ein in Venedig geborener Bauingenieur. Er hatte sich 1843 mit der Familie in Aix-en-Provence niedergelassen, nachdem er den Zuschlag für den Bau einer Trinkwasserversorgung erhalten hatte. Als der Vater 1847 an einer Lungenentzündung starb, blieb die Familie mittellos zurück. Die Gläubiger ließen das Unternehmen 1852 für bankrott erklären. Die Mutter Émilie Aubert versorgte ihren Sohn fortan zusammen mit der Großmutter. Sie blieb ihm bis zu ihrem Tod 1880 eine tiefe Bezugsperson. In Aix-en-Provence schloss Émile in der Schulzeit Freundschaft mit Paul Cézanne, der ihm die Malerei nahebrachte. Diese Freundschaft hielt bis 1886 und zerbrach dann: Cézanne erkannte sich in der Figur des scheiternden Künstlers Lantier aus Zolas Roman Das Werk wieder.

1858 zog Zola seiner Mutter nach Paris nach. 1859 fiel er zweimal beim Baccalauréat durch, was ihn tief traf. Eine kurze Anstellung im Zollamt brach er nach zwei Monaten ab. Es folgte eine harte Zeit der Arbeitslosigkeit. Aus dem gescheiterten Versuch, eine Prostituierte namens Berthe „aus der Gosse zu holen", schöpfte er den Stoff für seinen ersten Roman La confession de Claude. 1862 wurde er als Franzose eingebürgert. Zum 1. März trat er bei der Librairie Hachette ein. Dort blieb er vier Jahre in der Werbeabteilung und lernte das Buchgewerbe von Grund auf kennen. 1864 erschien sein Buch Les Contes à Ninon. Ende 1864 lernte er Éléonore-Alexandrine Meley kennen, mit der er ab 1865 zusammenlebte. Geheiratet wurde wegen der Vorbehalte seiner Mutter erst am 31. Mai 1870. Anfang 1866 verließ Zola Hachette, um ausschließlich vom Schreiben zu leben.

Als Journalist beherrschte Zola sein Handwerk perfekt. Ab 1866 schrieb er regelmäßig literarische und künstlerische Kritiken für Blätter wie L'Événement, La Cloche, Le Figaro, Le Voltaire und Le Sémaphore de Marseille. Er verteidigte früh die Impressionisten und schloss Freundschaft mit Édouard Manet. Über ihn kam er in Kontakt mit Stéphane Mallarmé, Camille Pissarro, Auguste Renoir und anderen. Politisch nutzte er die Liberalisierung der Presse von 1868 für scharfe Angriffe auf das Zweite Kaiserreich, vor allem in La Tribune und La Cloche. Im März 1871 wurde er zweimal kurz verhaftet. Den Aufstand der Pariser Kommune teilte er nicht, lehnte aber dessen gewaltsame Niederschlagung ab. 1871 lernte er Gustave Flaubert kennen, durch ihn auch Alphonse Daudet und Iwan Turgenjew. Mit ihnen verbanden ihn lange sonntägliche Literatengespräche.

1867 erregte Zola mit Thérèse Raquin Aufsehen. 1869 begann er die Arbeit am Zyklus Die Rougon-Macquart, für den er fortan etwa einen Roman pro Jahr lieferte. Der Durchbruch kam 1877 mit Der Totschläger. Schon 1878 konnte er ein Landhaus in Médan bei Poissy erwerben. Sein Jahreseinkommen lag fortan zwischen 80.000 und 100.000 Francs, später um die 150.000. In Médan versammelten sich Guy de Maupassant, Joris-Karl Huysmans, Paul Alexis, Léon Hennique und Henry Céard zu jenem Kreis, der dem Novellenband Les Soirées de Médan (1880) den Namen gab. Auf den Kamin seines Arbeitszimmers ließ Zola das Motto „Nulla dies sine linea" – Kein Tag ohne eine Zeile – malen. Mehr als dreißig Jahre lang teilte er sich seine Arbeit streng ein. In einer ersten vierstündigen Sitzung am Morgen schrieb er fünf Seiten. 1880 war ein schweres Jahr: Edmond Duranty, Flaubert und schließlich seine Mutter starben, und Zola fiel in eine Depression. 1881 gab er die regelmäßige journalistische Arbeit auf und verabschiedete sich im Figaro mit dem Beitrag Adieux. Mit seiner Geliebten Jeanne Rozerot hatte er zwei uneheliche Kinder, denen er am Nachmittag mehr Zeit widmete. Von 1894 bis 1898 erschien der Zyklus Trois Villes.

Am 13. Januar 1898 veröffentlichte Zola in L'Aurore seinen offenen Brief J'accuse…! an Staatspräsident Félix Faure. Damit stellte er sich hinter den fälschlich des Landesverrats verurteilten Hauptmann Alfred Dreyfus, den ersten französischen Juden im Generalstab. Der Brief spaltete Frankreich in Dreyfusards und Antidreyfusards: ein progressives linkes und ein konservatives, militant-nationalistisches und antisemitisches Lager. Noch 1898 wurde Zola wegen Diffamierung verurteilt. Er entzog sich der Strafe durch Flucht nach London, wo er fast ein Jahr blieb. 1898 begann er den dritten Zyklus Quatre Évangiles. Der vierte Band Justice blieb unvollendet. Zola starb am 29. September 1902 in seinem Pariser Haus an einer Kohlenstoffmonoxidvergiftung. Gerüchte, der Kamin sei absichtlich verstopft worden, konnten bis heute nicht gänzlich entkräftet werden. Am 4. Juni 1908 wurden seine Überreste auf Anordnung der Regierung Clemenceau in das Panthéon überführt.


Literarische Merkmale

Zola gilt als Begründer des Naturalismus und prägte diese Strömung europaweit. Aus dem Material spricht ein Schriftsteller, dessen Werk auf strenger Beobachtung der Wirklichkeit beruht. Die Handlung von Germinal (1885) geht auf eigene Begegnungen mit Bergleuten zurück. Sie schildert sogar den Höhenflug der Bergbauaktien an der Börse von Lille minutiös. Ähnlich wie das Werk der Brüder Goncourt ist Zolas Erzählwerk darum eine Fundgrube für Sozialhistoriker.

Hinter dieser Genauigkeit stand eine außergewöhnliche Arbeitsdisziplin. Zolas Motto „Nulla dies sine linea" – „Kein Tag ohne eine Zeile" – stand auf dem Kamin seines Arbeitszimmers in Médan. Über drei Jahrzehnte hinweg teilte er seine Tage streng ein: morgens eine etwa vierstündige Arbeitssitzung mit fünf produzierten Seiten, nachmittags Lektüre und ein umfangreicher Briefwechsel. So entstand ab 1871 fast jährlich ein neuer Roman. Am Zyklus Die Rougon-Macquart arbeitete er über zwanzig Jahre. Die frühen Bände hatten eine satirische und politische Stoßrichtung. Das brachte den Roman Die Beute (1871) sogar in den Konflikt mit der Zensur.

Charakteristisch ist auch, dass Zola Romancier und Journalist zugleich war. Er bediente sich eines polemischen Journalismus, der seinen Hass ebenso wie seinen Geschmack zeigte. Seine ästhetischen und politischen Positionen vertrat er offen. Den politischen Stoff verarbeitete er später in seinen Romanen weiter. In der Kunstkritik trat er früh für die Impressionisten ein. Bis zu seinen letzten Tagen empfahl er jungen Schriftstellern, die ihn um Rat fragten, zuerst in Zeitungen zu veröffentlichen.


Rezeption

Schon zu Lebzeiten erreichte Zola ein breites Publikum. Nach Jahren erheblicher finanzieller Schwierigkeiten brachte der Erfolg von Der Totschläger 1877 den Durchbruch. Bereits 1878 konnte er ein Landhaus in Médan kaufen. Er verfügte fortan über ein Jahreseinkommen von 80.000 bis 100.000 Francs, das um 1895 auf rund 150.000 Francs stieg. Zahlreiche Übersetzungen und Theateradaptionen seiner Romane wurden zu weiteren bedeutenden Einnahmequellen. Um ihn versammelte sich in Médan ein Kreis jüngerer Autoren: Guy de Maupassant, Joris-Karl Huysmans, Paul Alexis, Léon Hennique und Henry Céard. Dieser Kreis wurde mit dem Novellenband Les Soirées de Médan (1880) selbst literarisch sichtbar.

Sein politisches Engagement spaltete das Publikum. Als sein Einsatz für Dreyfus 1898 die Verkaufszahlen einbrechen ließ, geriet er zeitweise in Geldnot. Politische Prozesse wegen Diffamierung trieben ihn für fast ein Jahr ins Londoner Exil. Zugleich machte ihn gerade J'accuse…! zur moralischen Leitfigur eines progressiven, republikanischen Frankreichs.

Die offizielle Anerkennung kam nach seinem Tod. Am 4. Juni 1908 wurden Zolas Überreste auf Anordnung der Regierung Clemenceau in das Panthéon überführt – wohl auch, um sein Engagement in der Dreyfus-Affäre zu würdigen. Sein Name ist außerdem im Asteroiden (8096) Émilezola verewigt. Bis heute bleibt sein erzählerisches Werk eine Quelle für Sozialhistoriker. Auch die Umstände seines Todes durch Kohlenstoffmonoxidvergiftung beschäftigen die Nachwelt weiter: Die Gerüchte, der Kamin sei absichtlich verstopft worden, konnten nie gänzlich entkräftet werden.

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