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Werkseintrag · Moby-Dick
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Cover Moby-Dick
Moby-Dick
1851
– Werkseintrag –

Moby-Dick

1851 · Roman

Ein besessener Kapitän jagt einen weißen Wal – und Herman Melville macht daraus ein gewaltiges Buch über Mensch, Natur und die ganze Welt des Walfangs.

Überblick

Der Roman Moby-Dick; oder: Der Wal erschien 1851 in London und New York. Sein Verfasser ist der amerikanische Schriftsteller Herman Melville (1819–1891). Im Mittelpunkt steht die schicksalhafte Fahrt des Walfangschiffes Pequod. Dessen Kapitän Ahab jagt mit blindem Hass den weißen Pottwal Moby Dick, der ihm einen Unterschenkel abgerissen hatte. Entlang dieses erzählerischen Fadens reiht Melville zahlreiche philosophische, wissenschaftliche, kunstgeschichtliche und mythologische Exkurse aneinander. Dieser Faden macht knapp die Hälfte des Buches aus. Dazu treten viele persönliche Betrachtungen, mal lyrisch, mal ironisch. So entsteht zugleich ein detailreiches Bild der Welt des Walfangs im 18. und 19. Jahrhundert. Melville widmete das Werk seinem befreundeten Schriftsteller Nathaniel Hawthorne.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Zentrum steht das Walfangschiff Pequod und seine Mannschaft. Ihr Kapitän heißt Ahab. Ein weißer Pottwal namens Moby Dick hat ihm einst einen Unterschenkel abgerissen. Seither treibt ihn ein blinder Hass auf dieses eine Tier. Statt nur Tran und Gewinn zu suchen, macht Ahab die Jagd auf den weißen Wal zum eigentlichen Ziel der langen Seereise.

Zu den Gestalten des Buches gehört auch Queequeg, der seinen eigenen Göttern dient. Sein fremder Glaube wird im Roman ebenso ernst genommen wie das Christentum.

Rund um die Fahrt entfaltet das Werk ein weites Bild des Walfangs. Immer wieder unterbrechen lange Betrachtungen die Handlung: über den Wal, über Natur und Wissenschaft, über alte Mythen und über Gott und die Welt. Diese Mischung aus Abenteuer und Nachdenken bestimmt das ganze Buch.

Die Handlung im Detail

Erzählt wird die Reise des Walfangschiffes Pequod. Bald zeigt sich, dass diese Fahrt von Anfang an unter einem dunklen Stern steht. Kapitän Ahab hat ein Ziel, das über das gewöhnliche Geschäft des Walfangs weit hinausgeht. Ein weißer Pottwal, Moby Dick genannt, hat ihm bei einer früheren Begegnung einen Unterschenkel abgerissen. Aus dieser Verletzung ist ein blinder, alles verzehrender Hass geworden.

Ahab macht die Vernichtung dieses einen Tieres zum eigentlichen Zweck der ganzen Reise. Seine Besessenheit reißt Schiff und Mannschaft mit und treibt alle der Begegnung mit dem Wal entgegen. Zur Besatzung gehört Queequeg, der nicht dem Christentum, sondern seinen eigenen Göttern dient. Der Roman stellt diesen fremden Glauben dem Christentum gleichwertig zur Seite und spottet zugleich immer wieder über die überlieferte Religion.

Der erzählerische Faden macht nur etwa die Hälfte des Buches aus. Dazwischen schiebt Melville lange Abschnitte ein: über die Naturgeschichte des Wals, über das Handwerk des Walfangs, über Kunst, Mythos und Philosophie. So wächst die Jagd eines Einzelnen zu einem riesigen Panorama. Ahabs Besessenheit erscheint dabei nicht als bloß persönliches Schicksal, sondern als Ausdruck tieferer Widersprüche der Welt. Der Kapitän trägt die Züge eines Helden, der seinem tragischen Fall entgegengeht.

Stil

Das Werk verbindet zwei sehr verschiedene Bauweisen zu einem Ganzen. Auf der einen Seite steht die Abenteuergeschichte von Ahabs Jagd. Auf der anderen Seite stehen unzählige Einschübe wissenschaftlicher, philosophischer, kunstgeschichtlicher und mythologischer Art. Dazu kommen persönliche Betrachtungen des Erzählers, die mal feierlich-lyrisch, mal ironisch klingen.

Schon vor dem eigentlichen Beginn führt Melville den Leser auf ungewöhnliche Weise an sein Thema heran. Ein Abschnitt geht der Herkunft des Wortes „Wal" nach. Ein weiterer sammelt 81 Zitate über den Wal aus literarischen, religiösen und fachwissenschaftlichen Werken. Der Roman selbst umfasst über 900 Seiten in 135 Kapiteln mit eigenen Überschriften, dazu einen Epilog. In der britischen Erstausgabe fehlte dieser Epilog.

Mit diesem Verfahren versucht Melville, die ganze moderne Welt in ihrer Vielfalt und Zersplitterung einzufangen. Durch Verweise auf Mythos und Religion bindet er sie wieder zu einem Ganzen. Damit steht das Buch der Form großer Romane der klassischen Moderne nahe, wie sie später John Dos Passos, Alfred Döblin, Robert Musil und James Joyce schrieben.

Rezeption

Als der Roman 1851 erschien, zuerst in London und kurz darauf in New York, fiel das Echo geteilt aus. Die britischen Besprechungen waren im Ganzen eher freundlich bis neutral. Fast alle amerikanischen Urteile dagegen waren sehr negativ. Häufig zogen die Kritiker dabei ausgerechnet die beiden schärfsten britischen Verrisse als Beleg heran. Das zeigt, wie wenig entwickelt die amerikanische Literaturkritik damals noch war.

Für das vernichtende Urteil gab es vor allem zwei Gründe. Zum einen war der Literaturbetrieb in den USA stark religiös geprägt. Melville aber spottet über die überlieferte Religion und stellt den Götterglauben Queequegs dem Christentum gleich. In der Londoner Ausgabe waren fast alle religionskritischen Stellen gestrichen, was die milderen britischen Stimmen erklärt. Zum anderen war Melville durch seine erfolgreichen, stark autobiografischen Südsee-Romane bekannt. Moby-Dick war etwas ganz Neues und stieß deshalb auf Unverständnis.

Die schlechte Aufnahme führte dazu, dass Melville und sein Buch rasch in Vergessenheit gerieten. Eine Geschichte der amerikanischen Literatur von 1909 widmete ihm auf 500 Seiten nur gut eine Seite. Dort hieß das Werk zwar sein „Meisterwerk", zugleich aber ein „unausgeglichenes Werk von übertriebener Länge" in „teils gequältem Stil". Melville starb 1891 und erlebte die Wende nicht mehr. Sie begann in den 1890er Jahren mit der ersten Neuausgabe. Bis 1919, dem 100. Geburtstag des Autors, hatte sich die neue Sicht durchgesetzt. Seit den 1920er Jahren gilt das Buch als Klassiker der amerikanischen wie der Weltliteratur.

William Faulkner erklärte 1927, Moby-Dick sei das Buch, das er am liebsten selbst geschrieben hätte. Heute wird es auch im deutschsprachigen Raum als großes Werk gerühmt, als „barocke Summe menschlicher Erfahrung von Jahrtausenden". Ähnlich wie Robinson Crusoe und Don Quijote verdankt es seinen hohen Bekanntheitsgrad allerdings weniger dem Original selbst als seinen vielen Bearbeitungen für Film, Fernsehen und Hörspiel sowie als Jugendbuch. Von 2006 bis 2024 erschloss eine Gruppe von Kulturwissenschaftlern alle 135 Kapitel in einem umfangreichen Kommentar. Dessen Ergebnisse wurden von 2012 bis 2024 in der Neuen Rundschau des Fischer-Verlags veröffentlicht.

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