1881
Eine Landpartie
Überblick↑
Die Erzählung Une partie de campagne stammt von Guy de Maupassant und erschien 1881. Sie gehört zu der Sammlung La Maison Tellier. Auf knappem Raum schildert sie den Ausflug einer kleinbürgerlichen Pariser Familie aufs Land. Aus einem flüchtigen Augenblick am Flussufer entwickelt Maupassant ein feines Bild von Sehnsucht und verpasstem Glück.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
An einem Feiertag bricht Herr Dufour, ein kleiner Pariser Eisenwarenhändler, mit seiner Familie aufs Land auf. Mit dabei sind seine Frau Pétronille, die zwanzigjährige Tochter Henriette, die Großmutter und Henriettes Verlobter Anatole. Einmal wollen sie die ungewohnte Freude des Lebens unter freiem Himmel genießen.
Nach dem Mittagessen in einem Gasthaus in Bezons, nahe der Seine, lernen sie zwei junge Ruderer kennen. Diese laden Henriette und ihre Mutter zu einer kleinen Fahrt auf dem Fluss ein. So bilden sich zwei Paare. Die hübsche und arglose Henriette findet sich mit Henry allein und lauscht verzaubert dem Gesang einer Nachtigall – jenem Vogel, den auch Julia auf ihrem Balkon anruft und der die Küsse der Liebenden begleitet.
Die Handlung im Detail↑
Der kleine Pariser Eisenwarenhändler Herr Dufour unternimmt mit seiner Familie einen Ausflug aufs Land. Begleitet wird er von seiner Frau Pétronille, der zwanzigjährigen Tochter Henriette, der Großmutter und Henriettes Verlobtem Anatole. Sie wollen sich für einmal der ungewohnten Freude des Lebens im Freien hingeben.
Das Mittagessen nehmen sie in einem Gasthaus in Bezons ein, in der Nähe der Seine. Dort kommen sie mit zwei jungen Ruderern ins Gespräch. Die anmutige, naive Henriette und ihre Mutter Pétronille nehmen die Einladung zu einer kurzen Bootsfahrt in den schmalen Ruderbooten an. Es bilden sich zwei Paare. Henriette zieht sich mit Henry, einem der beiden Ruderer, an einen abgelegenen Ort zurück. Dort hört sie verzaubert dem Gesang einer Nachtigall zu. Sie hat noch nie eine gehört, und der Gedanke daran weckt in ihrem Herzen ein Bild zärtlicher, dichterischer Empfindungen.
Zwei Monate später betritt der junge Henry zufällig den Laden der Dufours. So erfährt er, dass Henriette inzwischen geheiratet hat.
Ein Jahr später, an einem Sonntag, kehrt Henry an jenen Ort zurück, an dem er und Henriette einst der Nachtigall gelauscht hatten. Dort findet er Henriette wieder. Sie sitzt mit traurigem Gesicht im Gras, während neben ihr ihr Mann – der junge Mann mit den gelblichen Haaren, noch immer in Hemdsärmeln – schläft. Als Henry ihr sagt, dass er oft hierhergekommen sei, weil der Ort so viele Erinnerungen in ihm wachrufe, antwortet sie ihm, dass sie jeden Abend daran denke. In diesem Augenblick wacht der Ehemann auf, gähnt und sagt seiner Frau, es sei Zeit, aufzubrechen.
Stil↑
Auffällig ist der dreiteilige Aufbau der Erzählung. Sie ist durch zwei typografische Leerräume in drei Abschnitte gegliedert. Die beiden Schlussteile von jeweils nur wenigen Zeilen schildern die Ereignisse aus der Sicht Henrys – einmal zwei Monate, einmal ein Jahr nach dem Ausflug der Dufours. In dieser Figur verdichten sich einige autobiografische Züge des Autors.
In den ersten und mittleren Teilen herrscht ein durchgehend spöttischer, ironischer Ton vor. Im Schlussteil dagegen fällt die Ironie fast ganz weg. Der Schluss gibt den Erlebnissen von Henry und Henriette ein neues, entscheidendes Gewicht. Er zwingt den Leser, die ganze Erzählung noch einmal durchzugehen und ihrer Begegnung einen besonderen Wert beizumessen.
Rezeption↑
Zuerst erschien der Text in der Literaturzeitschrift La Vie moderne, in den Ausgaben vom 2. und vom 9. April 1881. Wenige Tage später wurde er in die erste Ausgabe der Sammlung La Maison Tellier aufgenommen, die am 21. April 1881 beim Verleger Havard herauskam.
Der Literaturwissenschaftler Romano Luperini hat auf den dreiteiligen Aufbau und die besondere Wirkung des Schlusses hingewiesen: Die knappen Schlussteile aus der Sicht Henrys verändern den Blick auf das ganze Geschehen und verlangen geradezu eine erneute Lektüre. Während Spott und Ironie die einleitenden und mittleren Passagen prägen, weicht dieser Ton am Ende einer ernsteren Stimmung.
Die Erzählung wurde später auch für das Kino bearbeitet. Jean Renoir drehte 1936 den Film Partie de campagne, der jedoch unvollendet blieb. Der Produzent Pierre Braunberger stellte ihn 1946 in einer rund vierzigminütigen Fassung vor.
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