1850 – 1893
Guy de Maupassant
Kurzporträt↑
Guy de Maupassant (1850–1893) zählt neben Stendhal, Balzac, Flaubert und Zola zu den großen französischen Erzählern des 19. Jahrhunderts. Bekannt wurde er vor allem durch seine Novellen. Sie fanden ein breites Publikum und machten ihn zu einem der weltweit meistverfilmten Autoren. Die französische Literaturkritik tat ihn lange als zu leicht zugänglich ab. Leser und Kollegen im Ausland feierten ihn dagegen früh als Meister der kurzen Form. Erst die nouvelle critique entdeckte ihn ab den 1960er Jahren auch in Frankreich neu.
Biografie↑
Henry René Albert Guy de Maupassant wurde am 5. August 1850 geboren. Die Wikipedia nennt als Geburtsort das Schloss Miromesnil in Tourville-sur-Arques in der Normandie. Die algorithmisch verifizierten Eckdaten verzeichnen Dieppe. Der genaue Geburtsort innerhalb dieser normannischen Region ist in der Forschung also umstritten.
Maupassant arbeitete als Schriftsteller und Journalist. Wikidata führt darüber hinaus die Tätigkeiten als Kurzgeschichtenautor, Dramatiker, Romancier und Dichter. Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet ihn als Schriftsteller und Journalisten.
Er starb am 6. Juli 1893 in Passy in Paris.
Über die einzelnen Stationen seines Lebens liefert das vorgelegte Material keine weiteren Angaben: Herkunftsfamilie, Ausbildung, berufliche Anfänge, Krankheit und Tod.
Literarische Merkmale↑
Zu Maupassants Schreibweise enthält das vorgelegte Material nur indirekte Hinweise aus der Rezeptionsgeschichte. Seine Texte galten den französischen Kritikern seiner Zeit als leicht zugänglich. Das trug ihnen lange den Vorwurf des Einfachen und Oberflächlichen ein. Im Ausland wurde gerade diese Klarheit zur Tugend. In den Vereinigten Staaten orientierte sich die Theorie der "short story" ab der Wende zum 20. Jahrhundert eng an seinen Novellen. An ihnen ließen sich die Gattungsmerkmale der kurzen Erzählung mustergültig zeigen. Henry James prägte das Bild vom "lion in the path" – vom Löwen, der sein Terrain so souverän beherrscht, dass er alle anderen zur Umkehr zwingt.
Rezeption↑
Zu Lebzeiten und lange danach blieb Maupassant in Frankreich bei den Literaturkritikern umstritten. Wegen seiner leichten Zugänglichkeit galt er vielen als einfach und oberflächlich. Die critique traditionelle erkannte vor allem die großen Romanciers an: Stendhal, Balzac, Flaubert, Zola und andere. Seine Novellen spielten in der literaturtheoretischen Diskussion kaum eine Rolle. Erst ab den 1960er Jahren wurde Maupassant in Frankreich durch die nouvelle critique radikal neu gesehen. Diese brachte Perspektiven aus Sprachwissenschaft, Anthropologie, Soziologie und Philosophie in die Debatte ein.
Im Ausland verlief seine Aufnahme von Anfang an anders. In den Vereinigten Staaten erreichten seine Novellen schon zu Lebzeiten eine Auflage von 169.000 Exemplaren, die Romane sogar 180.000. Dort bildete sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Novellentheorie heraus. Deren Kriterien wurden grundlegend für die Entstehung der "short story". Henry James schuf das Bild Maupassants als "lion in the path". Von der Jahrhundertwende bis in die Gegenwart richtete sich die amerikanische Novellentheorie stark an ihm aus.
Auch in Deutschland, England, Italien und Russland fand sein Werk hohe Anerkennung, sowohl beim Publikum als auch in der Literaturtheorie. Zu seinen dauerhaften Bewunderern zählten Thomas Mann, Heinrich Mann, Tolstoi, Turgenjew und Pirandello.
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