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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · William Somerset Maugham
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Porträt William Somerset Maugham
William Somerset Maugham
1874 – 1965
– Autorenporträt –

William Somerset Maugham

1874 – 1965 · 91 Jahre

William Somerset Maugham zählt bis heute zu den meistgelesenen englischsprachigen Autoren des 20. Jahrhunderts und schrieb als Romancier, Dramatiker und zeitweiliger Geheimdienstmann klar gebaute, unterhaltsame Geschichten mit künstlerischem Anspruch.

Kurzbiografie↑

Als einer der meistgelesenen englischsprachigen Autoren des 20. Jahrhunderts hat William Somerset Maugham (1874–1965) ein umfangreiches Werk aus Romanen, Theaterstücken und Kurzgeschichten hinterlassen. Geboren in Paris als Sohn eines englischen Anwalts, wuchs er als Waise auf und schlug nach einem abgeschlossenen Medizinstudium den Weg des Schriftstellers ein. Sein Ruf gründet auf klar gebauten Erzählungen mit hohem Unterhaltungswert, die zugleich künstlerischen Anspruch wahren. Reisen nach Fernost und in die Südsee, ein Dienst beim britischen Geheimdienst und ein autobiografisch gefärbter Hauptroman prägten sein Schaffen.


Biografie↑

Geboren wurde Maugham am 25. Januar 1874 in Paris, wo sein Vater als englischer Anwalt für britische Klienten arbeitete. Sein älterer Bruder war der Jurist Frederic Maugham. Beide Eltern starben, als er noch ein Kind war. So verbrachte er seine Jugend als Waise unter der Aufsicht eines frömmelnden Onkels und in Internaten. Er litt unter Stottern.

An der Universität Heidelberg studierte er Deutsch, Literatur und Philosophie, später am King's College London Medizin. Trotz seines Drangs zur Literatur schloss er das Medizinstudium 1898 ab, vor allem auf Druck seines Onkels. Eine Erkrankung an Lungentuberkulose kurierte er im milden Klima Südfrankreichs. Nach seiner Erholung zog er nach Paris. 1907 gelang ihm mit dem Theaterstück Lady Frederick der erste große öffentliche Erfolg.

Während des Ersten Weltkriegs diente Maugham beim englischen Geheimdienst MI6. Zunächst war er in Italien, der Schweiz und in den USA tätig, ehe man ihn 1917 nach Russland beorderte. Dort versuchten die Briten, die provisorische Regierung Alexander Kerenskis an der Macht zu halten, damit Russland im Krieg gegen die Mittelmächte blieb. Zugleich war Maugham Informant des amerikanischen Geheimdienstes. Obwohl er während seines gesamten Aufenthalts unter Spionageverdacht stand, ließ man ihn gewähren, offenbar mit Rücksicht auf seinen internationalen Bekanntheitsgrad. Bis zur Oktoberrevolution lernte er führende russische Politiker kennen und verfasste zahlreiche Berichte. Im Winter 1917 kehrte er nach Großbritannien zurück. Diese Erfahrungen inspirierten ihn zu Ashenden: Or, the British Agent (1928).

1917 heiratete er in New Jersey seine Geliebte Syrie Barnardo, die geschiedene Frau des Pharma-Unternehmers Henry Wellcome und Tochter von Thomas John Barnardo. Das Paar hatte eine Tochter, Elizabeth (1915–1998). Die Ehe litt unter schweren Zerwürfnissen, die durch Maughams homosexuelle Neigungen kompliziert wurden. Sein eigentlicher Partner war sein Sekretär, der Amerikaner Gerald Haxton. 1928 wurde die Ehe geschieden; in den folgenden dreißig Jahren stritten die beiden über Geld und die Erziehung der Tochter.

Nach der Scheidung zog es Maugham an die Côte d'Azur. Auf der Halbinsel Cap Ferrat bei Nizza kaufte er die Villa La Mauresque, die früher dem belgischen König Leopold II. gehört hatte. Mit seiner Kunstsammlung ausgestattet, wurde das Haus weithin bekannt. 1933 gab er das Schreiben von Theaterstücken auf, weil er sich mit rund 50 Jahren zu alt fühlte, um mit den wechselnden Trends der Theaterwelt Schritt zu halten. 1947 stiftete er den Somerset Maugham Award, einen Literaturpreis für junge Autoren. 1948 verfasste er mit Catalina seinen letzten Roman, 1959 hörte er endgültig mit dem Schreiben auf. Ab 1950 war er Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Letters.

Maugham starb am 16. Dezember 1965 an einer Lungenentzündung in seinem Haus in Saint-Jean-Cap-Ferrat. Seine Leiche wurde eingeäschert, die Asche in der Nähe der Bibliothek der King's School in Canterbury verstreut. Um das Erbe stritt sein zweiter männlicher Partner, Alan Searle, mit Maughams Tochter. Auch ein Neffe, Robin Maugham, wurde als Schriftsteller bekannt.


Literarische Merkmale↑

Mit seinem 1897 veröffentlichten Erstlingswerk Liza of Lambeth errang Maugham früh literarischen Erfolg und löste zugleich einen Skandal aus. In dem Roman verarbeitete er Erfahrungen, die er als angehender Arzt in den Armenvierteln Londons gemacht hatte. Das Bürgertum empfand es als unpassend, die Welt der Arbeiter derart naturalistisch darzustellen.

Danach folgten Jahre, in denen er seinen Weg als Autor fand. Zunächst arbeitete er als Dramatiker und schrieb Theaterstücke wie The Circle, Our Betters und The Constant Wife. Im frühen 20. Jahrhundert wurden zeitweise vier seiner Stücke gleichzeitig in London aufgeführt. Seine Produktivität war erstaunlich: In der Regel brauchte er nur eine Woche, um einen Aufzug zu schreiben, und eine weitere, um das Stück zu redigieren. Später widmete er sich der Prosa und verfasste zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Seine Reisen in die Südsee und nach Fernost schlugen sich in Kurzgeschichten nieder, die er gesammelt ab 1921 herausgab. Darin finden sich Porträts des „Englishman abroad“, Kolonialfiguren, die Maugham mit skeptisch-distanziertem Blick schilderte.

Als seine bedeutendste Arbeit gilt meist der Roman Der Menschen Hörigkeit (im Original Of Human Bondage), eine autobiografisch gefärbte Geschichte. Ihr Held Philip Carey wächst wie Maugham als Waise bei einem frömmelnden Onkel auf und ist durch einen Klumpfuß behindert; Maugham selbst stotterte. Im englischen Sprachraum zählt man sein Werk zur sogenannten middlebrow-Literatur, die bei leichter Lesbarkeit und hohem Unterhaltungswert ein beachtliches künstlerisches und formales Niveau erreicht. Ein Thema, das ihn im dramatischen wie im erzählerischen Werk immer wieder beschäftigte, ist der Ehebruch.


Rezeption↑

Zu den meistgelesenen englischsprachigen Autoren des 20. Jahrhunderts wird Maugham bis heute gezählt. Besondere Nachwirkung entfaltete sein Spionageroman Ashenden: Or, the British Agent: Mit ihm beeinflusste er spätere Schriftsteller wie Graham Greene, Eric Ambler, Ian Fleming und John le Carré. Fleming bewunderte Maugham. Ähnlich wie Greene reiste Maugham gern, und diese Leidenschaft prägte viele seiner Romane.

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