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Werkseintrag · Der Menschen Hörigkeit
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Der Menschen Hörigkeit
1915
– Werkseintrag –

Der Menschen Hörigkeit

1915 · Roman

Ein junger Mann durchschaut die Frau, die er liebt, bis auf den Grund – und kommt doch nicht gegen seine Leidenschaft an.

Überblick↑

Bei diesem Werk handelt es sich um einen Entwicklungsroman von William Somerset Maugham, der 1915 bei Heinemann in London erschien. Die Übertragung ins Deutsche kam 1939 heraus. Erzählt wird der Werdegang des 1876 geborenen englischen Mediziners Philip Carey, und zwar von seinem neunten bis zu seinem dreißigsten Lebensjahr. Trotz eines angeborenen Klumpfußes setzt sich Philip durch. Der Text trägt autobiographische Züge. Der Titel greift ein Postulat des Philosophen Spinoza von der menschlichen Knechtschaft auf, wie es im vierten Buch seiner Ethik steht: Philip ist der Geliebten Mildred wider besseres Wissen hörig.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Als Kind verliert Philip Carey früh seine Eltern und wächst bei Onkel William, einem Vikar, und Tante Louisa im Fischerdorf Blackstable in der Grafschaft Kent auf. Das kinderlose Ehepaar ermöglicht dem Jungen die Schulbildung. Eigentlich soll Philip Geistlicher werden, doch er zweifelt an seinem Glauben und geht stattdessen nach Heidelberg. Dort hört er Vorlesungen und freundet sich mit dem Literaten Hayward an.

Zurück in England versucht sich Philip auf der Suche nach seinem Weg an mehreren Berufen. Eine Lehre bei einem Londoner Buchprüfer bricht er ab. In Paris will er Maler werden, muss aber nach anderthalb Jahren erkennen, dass sein Talent nur zum Mittelmaß reicht. Schließlich entschließt er sich zum Medizinstudium und tritt in die Fußstapfen seines verstorbenen Vaters, eines Chirurgen, an einem Londoner Krankenhaus.

In einer Teestube verliebt sich Philip in die junge Kellnerin Mildred Rogers. Er durchschaut sie genau: Sie ist ungebildet, ordinär und erwidert seine Gefühle nicht. Dennoch kommt er nicht gegen seine Leidenschaft an. Er liebt und hasst Mildred zugleich und verabscheut sich dafür. Aus dieser Hörigkeit erwachsen die entscheidenden Verwicklungen des Romans.

Die Handlung im Detail↑

Nach dem Tod seiner Mutter Helen im Jahr 1885 wird der Junge von Onkel William und Tante Louisa in Blackstable aufgenommen. Vikar William Carey ist der Bruder von Philips früh an einer Blutvergiftung verstorbenem Vater Stephen, einem Chirurgen. Das Ehepaar ermöglicht dem Dreizehnjährigen die Schule in der King's School im nahen Tercanbury.

Als Achtzehnjähriger soll Philip nach Oxford gehen und Geistlicher werden. Daraus wird nichts. Der junge Mann zweifelt an seinem Glauben und begibt sich nach Heidelberg. Dort freundet er sich mit dem sechsundzwanzigjährigen Hayward an, einem halbgebildeten Literaten, dem eine Erbschaft ein sorgloses Leben ermöglicht. Bei Kuno Fischer hört Philip Vorlesungen über Schopenhauer.

Wieder daheim in Blackstable, beginnt Philip eine Affäre mit Miss Emily Wilkinson, die zu Besuch im Pfarrhaus weilt, obwohl er nicht in sie verliebt ist. Als sie abreisen muss, beantwortet er ihre Briefe nur nachlässig. Eine Lehre bei dem Londoner Buchprüfer Herbert Carter steht Philip nicht durch. Als Carter dienstlich nach Paris reist, nimmt er den Lehrling mit. Philip fühlt sich zum Maler berufen und bleibt gegen den Willen des Onkels in Paris.

In der Nähe der Malschule Armitrano nimmt die Erzieherin Fanny Price den Ankömmling unter ihre Fittiche. Der alte Mal-Professor Foinet bescheinigt Fanny jedoch Talentlosigkeit. Sie hungert und erhängt sich in ihrem Zimmer. Philip mietet mit dem aufstrebenden Maler Frederik Lawson ein billiges Atelier. Abends lauscht der Freundeskreis den Reden des heruntergekommenen, dem Alkohol verfallenen Dichters Cronshaw. Nach ein paar Monaten erkennt Philip sein eigenes Mittelmaß; auch Foinet rät ihm vom Malerberuf ab. Der Tod Tante Louisas ist der äußere Anlass zur reuigen Rückkehr. Philip erklärt sich bereit, Medizin zu studieren, was der gealterte Onkel William befürwortet.

Der Student geht wie einst sein Vater ans Londoner St.-Luke-Krankenhaus. Über ihm wohnt der Medizinstudent Harry Griffiths, mit dem er sich anfreundet. Von dem großsprecherischen Börsianer Macalister erhofft sich Philip eine gewinnbringende Anlage seines ererbten Vermögens. In einer Teestube verliebt er sich in die Kellnerin Mildred Rogers. Er sieht ihre Fehler klar, kann sich seiner Leidenschaft aber nicht erwehren. Mildred nutzt ihn schamlos aus und eröffnet ihm schließlich, sie erwarte ein Kind von dem verheirateten Emil. Als dieser sie im Stich lässt, hält Philip zu der werdenden Mutter und bezahlt Unterhalt und Wohnung.

Das kleine Mädchen wird geboren, und Philip liebt es wie ein Vater, während Mildred es kaum beachtet. Dann beginnt Mildred hinter seinem Rücken eine Affäre mit Harry Griffiths. Tief verletzt, gibt Philip den beiden dennoch Geld aus seinen Ersparnissen, damit sie zusammen fortgehen können – in der Hoffnung, sich so von seiner Besessenheit zu befreien. Kurz darauf lernt er die geschiedene Norah Nesbit kennen, die sich und ihr Kind mit Groschenromanen über Wasser hält. Die kluge, zärtliche Norah liebt ihn und verhilft ihm mit ihrer Fürsorge zum medizinischen Examen.

Das Glück währt nicht lange. Zufällig trifft Philip Mildred wieder: Griffiths hat sie verlassen, sie hat ihr Kind in Pflege gegeben und arbeitet als Prostituierte. Von Mitleid erfüllt, bietet Philip ihr an, mit dem Kind bei ihm als Haushälterin zu wohnen, und trennt sich dafür von Norah. Das Zusammenleben verläuft unharmonisch. Es kränkt Mildred, dass Philip sie nicht mehr begehrt. Als er ihre Verführungsversuche zurückweist, demoliert sie in seiner Abwesenheit die Wohnung, zerschlägt die Einrichtung, zerstört seine Bilder und verschwindet.

Seine letzten paar hundert Pfund investiert Philip auf Macalisters Rat in eine rhodesische Goldmine und verspekuliert sich. Mittellos muss er das Studium abbrechen und seine Bleibe aufgeben. Hungernd nächtigt er im Sommer auf einer Londoner Parkbank. Unterschlupf findet er bei dem Journalisten Thorpe Athelny, einem ehemaligen Patienten und Vorstand einer elfköpfigen Familie. Athelny verschafft ihm eine Stelle als Aufseher im Weißwarengeschäft Lynn & Sedley, wo Philip sich bald als Modezeichner für Damenoberbekleidung betätigt.

Noch einmal sucht Mildred ihn auf, krank und wieder auf dem Strich. Bei der Untersuchung erfährt Philip, dass das kleine Mädchen inzwischen gestorben ist. Mildred hat offenbar Syphilis. Sein Bemühen, sie von der Prostitution abzuhalten, bleibt vergeblich; sie taucht in London unter, diesmal für immer.

Als Onkel William stirbt, tritt Philip das Erbe an, kündigt und schließt endlich das Medizinstudium ab. Als frisch approbierter Arzt übernimmt er eine Vertretung bei dem raubeinigen Dr. South in Farnley in Dorsetshire, der ihm eine Teilhaberschaft anbietet. In den Sommerferien hilft Philip mit der Familie Athelny bei der Hopfenernte. In einer lauen Nacht kommt es zwischen ihm und der ältesten Tochter Sally zu Intimitäten; später teilt sie ihm mit, sie sei womöglich schwanger. Daraufhin entschließt sich Philip, Dr. Souths Angebot anzunehmen, Sally zu heiraten und mit ihr nach Farnley zu gehen. Auch als sich herausstellt, dass Sally nicht schwanger ist, bleibt er bei diesem Entschluss.

Stil↑

Angelegt ist das Werk als Entwicklungsroman, der einen einzigen Lebensweg über gut zwei Jahrzehnte hinweg Schritt für Schritt verfolgt. Erzählt wird der Werdegang Philip Careys von der Kindheit bis ins Mannesalter. Die autobiographischen Züge geben der Darstellung ihre Genauigkeit, besonders in der über weite Strecken eindringlich geschilderten, quälenden Zuneigung zu Mildred. Schon der Titel verweist mit dem Rückgriff auf Spinozas Gedanken von der menschlichen Knechtschaft auf das gedankliche Gerüst des Romans: die Unfreiheit eines Menschen, der einer Leidenschaft gegen alle Vernunft ausgeliefert ist.

Rezeption↑

Zu den Zeugnissen der Nachwirkung zählen mehrere Verfilmungen des Stoffes. Bereits 1934 entstand eine Kinofassung unter der Regie von John Cromwell. 1964 folgte eine weitere Verfilmung, bei der Henry Hathaway Regie führte. Daneben wurde der Stoff auch als Episode einer Fernsehserie bearbeitet. Diese wiederholten Bearbeitungen für Leinwand und Bildschirm zeigen, dass die Geschichte von Philips Hörigkeit über die Jahrzehnte immer wieder ein Publikum fand.

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