1644 – 1694
Matsuo Bashō
Kurzporträt↑
Als wandernder Dichter des 17. Jahrhunderts zählt Matsuo Bashō zu den bedeutenden Vertretern der japanischen Versform Haiku. Geboren wurde er 1644 in Akasaka in der Provinz Iga, eigentlich als Matsuo Munefusa. Das Dichten machte er zum Mittelpunkt seines Lebens. Gemeinsam mit seinen Schülern erneuerte er die bis dahin humorvoll-spielerische Haikai-Dichtung. Er erhob sie in den Rang ernsthafter Literatur. Aus seinen ausgedehnten Wanderungen gingen Reisetagebücher hervor. Eines davon, Oku no Hosomichi, wurde zum Klassiker der japanischen Literatur. Bashō starb 1694 in Osaka.
Biografie↑
Geboren wurde Bashō 1644 in eine Samuraifamilie niederen Ranges. Deren vorgezeichneter Lebensweg widerstrebte ihm. Statt der für ihn bestimmten militärischen Laufbahn zu folgen, wurde er ein Wanderer. Er wandte sich dem Zen und der klassischen chinesischen Dichtung zu. Sein Vater starb 1656. Möglicherweise stand der zwölfjährige Bashō zu diesem Zeitpunkt bereits im Dienst von Todo Yoshitada, einem jungen Verwandten des herrschenden Feudalherrn. Mit ihm teilte er die Leidenschaft für das Haikai no Renga, eine Form des abwechselnden, gemeinschaftlichen Dichtens.
Mit dem plötzlichen Tod Yoshitadas 1666 endete Bashōs Dienst. Im Alter von 22 Jahren zog er sich vermutlich in die Einsamkeit eines buddhistischen Klosters bei Kyōto zurück. Dort entstanden seine frühesten erhaltenen Verse. Ab 1667 wohnte er wohl in Fukagawa bei Edo, dem heutigen Tokio, bei seinem Freund Sugiyama Sampū. Er vertiefte sich in die Dichtung. Zwar erschienen seine Verse 1667, 1669 und 1671 in verschiedenen Anthologien. Doch die biografischen Aufzeichnungen brechen bis 1676 weitgehend ab.
In den späten 1670er Jahren fand seine Poesie in den literarischen Zirkeln von Nihonbashi große Aufmerksamkeit. Er wurde von Kitamura Kigin unterrichtet. 1680 hatte er bereits zwanzig eigene Schüler. Diese errichteten ihm eine erste Hütte aus Bananenstauden, japanisch bashō-an. Daraus leitet sich sein dichterisches Pseudonym her. Trotz seines Erfolgs blieb Bashō einsam und wandte sich der Zen-Meditation zu. 1682 brannte seine Hütte nieder. Im Jahr darauf starb seine Mutter in Ueno. Seine Schüler erbauten ihm eine zweite Hütte.
Im Winter 1684 brach Bashō zur ersten von vier großen Wanderungen auf. Sie dauerte bis 1685 und brachte das Verwitterte Skelett hervor. In Nagoya führte er zudem eine Dichtergruppe an, die Die Wintersonne verfasste. 1687 begann er seine zweite Wanderung nach Kashima. Er hielt sie in Ein Besuch im Schrein von Kashima fest. Aus den folgenden Reisen entlang des Tōkaidō gingen Die Aufzeichnungen einer wettergegerbten Schultasche und Ein Besuch am Schrein von Sarashina hervor.
1689 unternahm Bashō seine dritte Wanderung in die nördlichen Provinzen von Honshū. Auf ihr sammelte er das Material für Oku no Hosomichi – etwa „Der enge Pfad zum tiefen Norden“ oder „Auf schmalem Pfad durchs Hinterland“. Dieses Werk wurde zum Klassiker der japanischen Literatur. Auf seinen Reisen zeichnete er Bilder, um seine kontemplative Dichtung anzuregen. Er arbeitete mit Dichtern vor Ort an der verwandten Versform Renga. Und er schrieb Haibun, eine Kurz-Prosa-Poesie in Form von Reisetagebüchern.
In den letzten Jahren besuchte er 1690 Freunde in Kyōto und verbrachte Sommermonate am Biwa-See. Im „Haus der fallenden Persimonen“ entstand Das Saga-Tagebuch. Aus dieser Zeit stammt auch Mantel des Affen. 1692 wurde eine dritte Bashō-Hütte errichtet. 1694 brach er, schwer erkrankt, zu einer weiteren langen Sommerreise auf. Er starb am 28. November in Osaka. Bestattet wurde er am Tempel Gichū-ji in Ōtsu.
Literarische Merkmale↑
Geprägt ist Bashōs Dichtung von der knappen japanischen Versform Haiku. Diese führte er aus dem heiteren, spielerischen Ton der älteren Haikai-Dichtung heraus. Gemeinsam mit seinen Schülern gab er ihr eine ernsthafte, nachdenkliche Tiefe. Seine Verse sind von der Zen-Meditation und einer kontemplativen Haltung durchdrungen. Auf seinen Reisen zeichnete er Bilder, um diese Dichtung anzuregen. Neben dem Haiku arbeitete er an der verwandten Versform Renga. Mit dem Haibun schuf er eine Verbindung von knapper Prosa und Poesie, in der seine Reisetagebücher entstanden.
Rezeption↑
Als bedeutender Vertreter des Haiku wirkt Bashō bis heute nach. Sein Reisetagebuch Oku no Hosomichi entstand auf der Wanderung in den Norden Honshūs. Es wurde zu einem Klassiker der japanischen Literatur. Schon zu Lebzeiten genoss seine Dichtung in den literarischen Zirkeln Edos große Aufmerksamkeit. Um ihn sammelte sich ein wachsender Kreis von Schülern. Sein Andenken reicht bis in die Gegenwart: Nach ihm ist der Krater Bashō auf dem Planeten Merkur benannt.
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