1867 – 1902
Masaoka Shiki
Biografie↑
Geboren wurde Masaoka Shiki am 14. Oktober 1867 im Landkreis Onsen in der Provinz Iyo, dem heutigen Matsuyama. Sein wirklicher Name lautete Masaoka Tsunenori. In der Kindheit nannte man ihn Tokoronosuke, später Noboru. Der Vater Masaoka Tsunenao war Lehensmann des Matsuyama-hans, die Mutter Yae stammte aus dem Haus des konfuzianischen Gelehrten Ōhara Kanzan.
Der Vater starb im April 1872, als der Junge vier Jahre alt war. Im Jahr darauf besuchte Shiki die Privatschule seines Großvaters Ōhara Kanzan, der ihm die japanische Lesart klassischer chinesischer Texte beibrachte. Daneben ging er auf die Suehiro-Schule, die nach dem Muster einer alten Tempelschule geführt wurde. Im Januar 1875 wechselte er auf die Katsuyama-Schule, die heutige Banchō-Grundschule in Matsuyama. Im April desselben Jahres starb auch der Großvater. Von da an unterwies ihn Tsuchiya Kyūmei in den klassischen chinesischen Schriften. 1878 schrieb Shiki sein erstes chinesisches Gedicht und ließ es von Kyūmei korrigieren.
Die Katsuyama-Schule schloss er im Dezember 1879 ab. Ab März 1880 besuchte er die Matsuyama-Mittelschule, die heutige Matsuyama-Tōkō-Oberschule. Im Mai 1883 brach er sie ab: Er wollte nach Tōkyō, um die Aufnahmeprüfung für die Vorbereitungsschule der Universität abzulegen. Im Oktober bereitete er sich an der Suda- und an der Kyōritsu-Schule auf eine Prüfung in Englisch vor. Ab September 1884 besuchte er dann die Daigaku-yobimon, die Vorbereitungsschule der Universität Tōkyō, die in dieser Zeit in die Erste Mittel- und Oberschule umgewandelt wurde. Zu seinen Mitschülern zählten Natsume Sōseki, Yamada Bimyō, Ozaki Kōyō und Teraishi Masaji. Damals begann er, Haiku zu schreiben.
Im Juli 1888 beendete er den Vorbereitungskurs und trat in die reguläre schulische Ausbildung ein. Im Mai 1889 bekam er zum ersten Mal Bluthusten. Daraufhin legte er sich den Künstlernamen Shiki zu, ein chinesisch geprägtes Wort für den Gackelkuckuck, von dem es heißt, er singe, bis er Blut ausspeit.
Im Juli 1890 verließ er die Erste Mittel- und Oberschule und schrieb sich an der philosophischen Fakultät der Universität Tōkyō ein. Schon im Januar 1891 wechselte er zur Japanologie. Dort führte er Kawahigashi Hekigotō und Takahama Kyoshi in die Haiku-Dichtung ein. 1892 veröffentlichte er Dassai-Shooku-Haiwa und setzte sich darin für die Erneuerung des Haiku als eigenständige literarische Form ein. Im Oktober desselben Jahres brach er das Studium ab und ging als Mitarbeiter zur Zeitung Nippon Shimbun.
1894 zog er in die Gemeinde Kaminegishi im damaligen Tōkyōter Stadtbezirk Shitaya, der heute zum Bezirk Taitō gehört. Seine dortige Wohnstatt nannte er Shikian, also „Shiki-Hütte“.
Im Ersten Japanisch-Chinesischen Krieg war er ab April 1895 als Korrespondent für das japanische Militär in Lüshun tätig. Auf der Heimfahrt bekam er erneut Bluthusten und musste behandelt werden. Sein Haiku-Stil fand inzwischen Anerkennung. Im Oktober gab er Haikai-taiyō heraus, „Das Wichtigste über den Haiku“.
Im Januar 1897 gründete er in Matsuyama die Zeitschrift Hototogisu; der Name bedeutet wie sein Pseudonym „Gackelkuckuck“. Im selben Jahr trat zu seinem Lungenleiden eine tuberkulöse Erkrankung der Wirbelsäule. Im April 1897 erschien Haijin Buson, „Der Haiku-Dichter Buson“. Im Februar 1898 folgte Utayomi ni atauru sho, „Dichtern gewidmete Schrift“; damit begann seine Arbeit an einer Neugestaltung der Waka. Im März rief er in seinem Haus die Negishi-Tanka-Gemeinschaft zusammen. Er befürwortete außerdem die Naturbeschreibung und war ab 1899 selbst in dieser Gattung tätig; so betrat er auch das Feld der Prosa. 1900 veranstaltete er einen Vorlesekreis zum Man'yōshū, zu dem Nagatsuka Takashi und Itō Sachio kamen.
Die letzten Jahre verbrachte er weitgehend im Krankenlager, ohne mit dem Schreiben aufzuhören. Im Januar 1901 veröffentlichte er Bokujū-itteki, „Ein Tropfen Tusche“, im September Gyōga-manroku, etwa „Die Skizzen eines Liegenden“. 1902 verfasste er, bereits im Endstadium seiner Erkrankung, Byōshō-rokushaku, „Die sechs Fuß des Krankenlagers“. Am 19. September 1902 starb Masaoka Shiki im Alter von 34 Jahren. Über den genauen Sterbeort gehen die Angaben auseinander: Wikidata nennt Negishi, die Deutsche Nationalbibliothek Tōkyō. Da Negishi zu Tōkyō gehörte, widersprechen sich beide Angaben allerdings nicht zwingend.
Literarische Merkmale↑
Shikis Schreiben umfasste mehrere literarische Formen. Er begann mit chinesischen Gedichten, wandte sich als Schüler dem Haiku zu und arbeitete später ebenso an der Tanka-Dichtung. Dazu kamen kritische und essayistische Schriften sowie Prosa.
Kennzeichnend ist sein Eintreten für die Naturbeschreibung. Er befürwortete diese Schreibweise ausdrücklich und war ab 1899 selbst darin tätig, wodurch er über die Gedichtformen hinaus zur Prosa fand. Ebenso hartnäckig verfocht er die Eigenständigkeit des Haiku als literarische Form; schon in Dassai-Shooku-Haiwa von 1892 trat er für dessen Erneuerung ein, und Haikai-taiyō von 1895 fasste seine Auffassung vom Haiku zusammen. Mit Utayomi ni atauru sho nahm er sich 1898 die Waka vor.
Seine späten Arbeiten entstanden im Krankenzimmer und tragen das im Titel: Gyōga-manroku heißt sinngemäß „Die Skizzen eines Liegenden“, Byōshō-rokushaku „Die sechs Fuß des Krankenlagers“. Auch sein Sterbegedicht, kurz vor dem Tod entstanden, gehört in diese Reihe: Es handelt vom Schwammkürbis und gab seinem Gedenktag den Namen.
Rezeption↑
Auf die moderne japanische Literatur übte Masaoka Shiki großen Einfluss aus. Er gilt als Begründer der modernen Haiku- und Tanka-Dichtung und wird neben Buson, Issa und Bashō zu den vier großen Haiku-Meistern gezählt.
Seine Wirkung lief auch über Personen und Zeitschriften. An der Universität führte er Kawahigashi Hekigotō und Takahama Kyoshi in die Haiku-Dichtung ein. Die 1897 in Matsuyama gegründete Zeitschrift Hototogisu gab dem erneuerten Haiku ein Forum. 1898 rief er in seinem Haus die Negishi-Tanka-Gemeinschaft zusammen. Auch bereitete er den Weg für die spätere Tanka-Zeitschrift Araragi. Zu seinem Vorlesekreis über das Man'yōshū kamen im Jahr 1900 Nagatsuka Takashi und Itō Sachio.
In Japan wird sein Todestag bis heute eigens benannt: Man nennt ihn Hechimaki, „Schwammkürbis-Trauertag“, nach seinem Sterbegedicht. Ein zweiter Name lautet Dassaiki, nach einem seiner Künstlernamen.
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