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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Friedrich Schiller
Friedrich Schiller
1759 – 1805
– Autorenporträt –

Friedrich Schiller

1759 – 1805 · 45 Jahre

Dichter der Freiheit, Hauptvertreter des Sturm und Drang und – an Goethes Seite – Mitbegründer der Weimarer Klassik.

Kurzbiografie↑

Friedrich Schiller (1759–1805) gehört zu den bedeutendsten deutschsprachigen Dramatikern, Lyrikern und Essayisten. Er wurde in Marbach am Neckar geboren und starb in Weimar. Gemeinsam mit Goethe prägte er die Weimarer Klassik. Sein Theaterdebüt Die Räuber gilt als Höhepunkt des Sturm und Drang. Die späteren historischen Dramen Wallenstein, Maria Stuart, Die Jungfrau von Orleans und Wilhelm Tell zählen zum festen Bestand des deutschen Theaterrepertoires. Daneben verfasste er philosophisch-ästhetische Abhandlungen, Balladen und Geschichtsschriften. 1802 wurde er von Kaiser Franz II. in den Reichsadelsstand erhoben. Von da an durfte er sich Friedrich von Schiller nennen.


Biografie↑

Friedrich kam am 10. November 1759 in Marbach am Neckar zur Welt. Er war das zweite Kind und der einzige Sohn des Offiziers und Wundarztes Johann Kaspar Schiller und seiner Frau Elisabetha Dorothea, geborene Kodweiß. Die Familie zog 1764 nach Lorch und 1766 nach Ludwigsburg, wo Friedrich die Lateinschule besuchte. Schon mit dreizehn Jahren verfasste er erste, nicht erhaltene Theaterstücke. Auf herzoglichen Befehl und gegen den Willen der Eltern musste er am 16. Januar 1773 in die Karlsschule des Württemberger Herzogs Carl Eugen eintreten. Diese war zunächst auf Schloss Solitude bei Stuttgart untergebracht. Dort begann er ein Rechtsstudium und wechselte 1775 zur Medizin. Nach mehreren abgelehnten Anläufen wurde er 1780 mit einer Dissertation über den Zusammenhang der tierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen promoviert.

Anschließend trat Schiller als Regimentsmedicus in die württembergische Armee ein. Mit dem Sold eines Premierleutnants war seine Lage bescheiden, eine Zivilpraxis blieb ihm verwehrt. Heimlich arbeitete er an seinem Drama Die Räuber. Das Stück wurde am 13. Januar 1782 unter Wolfgang Heribert von Dalberg in Mannheim uraufgeführt und war ein durchschlagender Erfolg, besonders beim jungen Publikum. Weil Schiller die Aufführung ohne Erlaubnis besucht hatte, ließ Carl Eugen ihn vierzehn Tage in Arrest setzen. Zugleich verbot er ihm jede weitere nicht-medizinische Schriftstellerei. In der Nacht vom 22. auf den 23. September 1782 floh Schiller mit seinem Freund Andreas Streicher aus Stuttgart. Als Militärarzt galt er von da an als fahnenflüchtig.

Über Mannheim, Frankfurt und Oggersheim gelangte er Ende 1782 unter dem Pseudonym Dr. Ritter ins thüringische Bauerbach. Dort gewährte ihm Henriette von Wolzogen Asyl. Er vollendete Kabale und Liebe (zunächst Luise Millerin) und entwarf erste Pläne zu Don Karlos. Im Juli 1783 kehrte er nach Mannheim zurück und trat dort die Stelle eines Theaterdichters am Nationaltheater an. Nach einem Jahr wurde sein Vertrag nicht verlängert. Finanziell stand er kurz vor dem Schuldturm. 1784 ernannte ihn Herzog Carl August von Sachsen-Weimar zum Weimarischen Rat. Im April 1785 reiste Schiller nach Leipzig zu Christian Gottfried Körner. Dieser half ihm aus der Notlage und wurde zum lebenslangen Freund und Förderer. In dieser Zeit entstand die Ode An die Freude.

Im Juli 1787 ging er nach Weimar. Dort lernte er Herder, Wieland und den Kantianer Carl Leonhard Reinhold kennen. Bei einer Reise nach Rudolstadt begegnete er Charlotte und Caroline von Lengefeld. Am 7. September 1788 traf er dort erstmals näher mit Goethe zusammen. 1789 erhielt er auf Goethes Vermittlung eine zunächst unbesoldete außerordentliche Professur in Jena, wo er als Historiker lehrte. Seine Antrittsvorlesung Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte? füllte den Hörsaal über alle Maßen. Im Februar 1790 heiratete er in Wenigenjena Charlotte von Lengefeld. Im selben Jahr verlieh ihm Herzog Georg I. den Titel eines Sachsen-Meininger Hofrats.

Anfang 1791 erlitt Schiller in Erfurt einen schweren Zusammenbruch. Vermutlich brach eine Tuberkulose aus, von der er sich zeitlebens nicht mehr erholen sollte. Ein dänischer Freundeskreis um Ernst Heinrich von Schimmelmann und Friedrich Christian von Augustenburg gewährte ihm 1791 eine auf drei Jahre befristete Pension von jährlich 1000 Talern. So befreite er ihn vom Druck des Broterwerbs. 1792 wurde ihm die französische Ehrenbürgerschaft verliehen, mehr seinem Ruf als Rebell als seinem tatsächlichen Wirken geschuldet. Der Französischen Revolution stand er anfangs wohlwollend gegenüber. Die Schreckensherrschaft der Jakobiner aber verabscheute er.

1794 lernte Schiller den Verleger Johann Friedrich Cotta kennen, der seine Zeitschrift "Die Horen" und später den "Musen-Almanach" herausgab. Im selben Jahr begann der enge Briefwechsel mit Goethe. Er mündete in eine zehn Jahre währende, fast tägliche Freundschaft. 1797, das "Balladenjahr", brachte unter anderem Der Taucher, Der Handschuh und Die Kraniche des Ibykus. 1798 folgten Die Bürgschaft und Der Kampf mit dem Drachen. Ende 1799 zog Schiller mit seiner Familie nach Weimar. Es entstanden Wallenstein, Das Lied von der Glocke, Maria Stuart (Uraufführung 1800), Die Jungfrau von Orleans (1801), Die Braut von Messina (1803) und Wilhelm Tell (1804). 1802 erhob Kaiser Franz II. ihn auf Antrag des Weimarer Herzogs in den Reichsadelsstand.

Im Februar 1805 erkrankte Schiller schwer. Am 1. Mai traf er auf dem Weg ins Hoftheater Weimar zum letzten Mal mit Goethe zusammen. Am 9. Mai 1805 starb er mit 45 Jahren an einer akuten Lungenentzündung, die vermutlich auf seine Tuberkulose zurückging. Die Obduktion ergab, dass sein rechter Lungenflügel völlig zerstört war. Sein Leichnam wurde zunächst im Kassengewölbe auf dem Jacobsfriedhof Weimar beigesetzt. 1827 wurden vermeintliche Gebeine in die Fürstengruft überführt. Dort wurde später auf eigenen Wunsch auch Goethe "an Schillers Seite" bestattet. DNA-Analysen kamen 2008 zu dem Ergebnis, dass keiner der zwei dort als Schillerschädel geführten Totenköpfe Schiller zugeordnet werden kann. Die Klassik Stiftung Weimar ließ den Sarg daraufhin leer in der Fürstengruft.


Literarische Merkmale↑

Schiller war ein Schriftsteller der scharfen Antithesen. Seine Sprache lebt von kraftvollen, heftigen Gebärden und vom Gespür für die großen Themen der Gesellschaft und der Menschheit. Schon die frühe Lyrik machte ihn beim jungen Publikum rasch beliebt. Beeinflusst war sie von Klopstock, Schubart, Ossian, Ovid, Horaz, Shakespeare und dem jungen Goethe. Die Anthologie auf das Jahr 1782 mit ihren Laura-Gedichten verband lyrisches Experiment und philosophische Tiefe. Mit der Ode An die Freude von 1785 entstand eines der meistvertonten Gedichte der deutschen Literatur. Durch Beethovens Vertonung im Schlusssatz der 9. Sinfonie erhielt es Weltgeltung.

In seinen späteren klassischen Versen suchte Schiller das Allgemeine im Besonderen, wie er es in Über naive und sentimentalische Dichtung theoretisch fasste. Der "naive" Dichter – für ihn der Inbegriff: Goethe – ahme im "Zustand natürlicher Einfalt" die Wirklichkeit nach. Der "sentimentalische" dagegen stelle im "Zustand der Kultur" das Ideal dar. Goethe arbeitete mit dem Symbol, Schiller mit der Allegorie. Er veranschaulichte Abstraktes, indem er sich der Möglichkeiten menschlicher Vernunft vergewisserte. Wilhelm von Humboldt nannte 1830 diese "Intellectualität" eine besondere Eigenschaft seiner Verse. Er wehrte sich gegen das Etikett der bloßen Gedankenlyrik: Schillers philosophische Verse seien für ihn nicht weniger Erlebnislyrik als die Gedichte des jungen Goethe.

Im Drama wurde Schiller mit den Räubern zum Hauptvertreter des Sturm und Drang. Später schuf er das deutsche klassische Geschichtsdrama, das aus seinen historischen Studien hervorging. Seine Balladen Der Taucher, Der Handschuh, Die Kraniche des Ibykus und Die Bürgschaft wurden zu festem Schulgut und zogen zahllose Nachahmer nach sich. Hervorgehoben wird seine "pointensichere" Bühnensprache. Viele seiner Verse wurden zu geflügelten Worten.

Auch als Historiker und Ästhetiker hinterließ Schiller Spuren. In den Briefen über die ästhetische Erziehung des Menschen und in Über naive und sentimentalische Dichtung entwickelte er eine Ästhetik, die zwischen Sinnenwelt und Vernunftwelt zu vermitteln suchte. Schönheit war für ihn "Bürgerin zweier Welten": sinnlicher Natur entsprungen und doch dem Reich der Vernunft zugehörig. Im Dialog mit Kant betrachtete er das Zusammenspiel von rationalen und sinnlichen Elementen als wesentlich für die Tugend, nicht nur als eine Pflicht unter vielen. Seine Erzählungen sind schmal, aber gewichtig. Der Verbrecher aus verlorener Ehre und der fragmentarische Schauerroman Der Geisterseher konzentrieren sich auf die psychologische Entwicklung der Protagonisten und weisen auf gesellschaftliche Missstände hin.


Rezeption↑

Schon zu Lebzeiten löste Schiller Begeisterung aus. Die Uraufführung der Räuber entfachte Jubelstürme beim jugendlichen Publikum. In Süddeutschland gründeten freiheitsbegeisterte Jugendliche "Räuberbanden". Seine Antrittsvorlesung in Jena 1789 sprengte den Hörsaal. Die Französische Republik machte ihn 1792 zum Ehrenbürger. Sein Tod 1805 war für Goethe der Verlust der halben eigenen Existenz. An Carl Friedrich Zelter schrieb er, er glaube die Hälfte seines Lebens zu verlieren.

Im 19. Jahrhundert wurden Schillers Werke nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa und in den USA begeistert aufgenommen: im noch ungeeinten Italien (etwa von Giuseppe Verdi), im zaristischen Russland und in Dänemark, wo Hans Christian Andersen ihm im Kunstmärchen Die alte Kirchenglocke ein Denkmal setzte. 1859 wurde sein 100. Geburtstag in ganz Europa und in den USA gefeiert. Der Verleger Cotta verkaufte bis 1867 insgesamt 2,4 Millionen Exemplare der Werkausgabe. Das deutsche Bürgertum pflegte zunehmend einen verdinglichten Umgang mit seinem Werk. Seit die Schulreformer des 19. Jahrhunderts ihn in die Lesebücher gebracht hatten, lernte man Schiller auswendig und nutzte ihn mehr als kulturelles Kapital denn als Künstler. Geschätzt wurde er auch in der Arbeiterbewegung als Freiheitsdichter. Daneben versuchten nationalistische Kreise ihn zu vereinnahmen, 1906 mit der Gründung des Deutschen Schillerbundes.

Die Nationalsozialisten wollten Schiller zunächst als "deutschen Dichter" reklamieren. 1941 verbot Hitler jedoch persönlich die Aufführung des Wilhelm Tell, in dem er die Verherrlichung eines "Schweizer Heckenschützen" sah. Auch Don Karlos verschwand von den Bühnen. In der DDR galt Schiller als "fortschrittlicher Bürgerlicher", der den Kommunismus mit vorbereitet habe. 1959 wurde sein 200. Geburtstag aufwendig gefeiert. Thomas Mann hielt 1955 in beiden Teilen des geteilten Deutschlands seine Rede Versuch über Schiller – eine Liebeserklärung und ein Appell an die Deutschen zugleich.

Im Schillerjahr 2005 wurde sichtbar, dass das Werk in der wiedervereinigten Bundesrepublik eher kalendarisch als mit echtem Zuspruch begangen wurde. Die Literaturwissenschaft nahm neuen Aufschwung, die Massenmedien begnügten sich mit biografischen Streiflichtern. Den Typus des Bildungsbürgers, der Schillers Texte aus eigener Lektüre kennt, kann man bei Theaterpublikum und Lesern im 21. Jahrhundert nicht mehr voraussetzen. Sein Nachleben sichern bis heute Gedenkstätten in Marbach, Bauerbach, Jena und Weimar sowie das Goethe- und Schiller-Archiv der Stiftung Weimarer Klassik. Die Deutsche Schillerstiftung von 1859, die Deutsche Schillergesellschaft von 1946 und mehrere Schiller-Preise halten sein Erbe wach, darunter der Schiller-Gedächtnispreis des Landes Baden-Württemberg seit 1955.

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