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Werkseintrag · Wilhelm Tell
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Cover Wilhelm Tell
Wilhelm Tell
1804
– Werkseintrag –

Wilhelm Tell

1804 · Drama

Ein Schweizer Bauer will nichts mit dem Aufstand zu tun haben – bis ein habsburgischer Vogt ihn zwingt, mit der Armbrust auf den eigenen Sohn zu zielen.

Überblick

Mit dem Schauspiel Wilhelm Tell legte Friedrich Schiller 1804 sein letztes vollendetes Drama vor. Er greift darin den Schweizer Nationalmythos um den Armbrustschützen Tell und den Rütlischwur auf. Er verbindet ihn mit der Frage, wann ein Volk sich gegen die Obrigkeit erheben darf. Die Uraufführung fand am 17. März 1804 am Weimarer Hoftheater statt. Bis heute gehört das Stück zu den bekanntesten Werken der deutschen Bühnenliteratur. Es ist fest im Schulunterricht verankert.

Inhalt (ohne Spoiler)

Schauplatz ist die Innerschweiz zu Beginn des 14. Jahrhunderts. Die habsburgischen Vögte bedrücken die Bauern der Kantone Uri, Schwyz und Unterwalden mit Frondiensten, Willkür und Gewalt. Männer aus den drei Kantonen finden sich heimlich zusammen, um einen Aufstand vorzubereiten. Der Armbrustschütze Wilhelm Tell hält sich dabei zurück. Er will für sich und seine Familie leben, nicht für eine politische Sache.

Doch der Landvogt Hermann Gessler treibt die Demütigung des Volkes auf die Spitze. Er lässt seinen Hut auf einer Stange in Altdorf aufstellen. Jeder Vorübergehende soll den Hut grüßen wie den Vogt selbst. Tell verweigert den Gruß. So gerät er in einen unausweichlichen Konflikt mit Gessler, der ihm eine berühmt gewordene Probe abverlangt.

Neben dieser Hauptlinie führt Schiller zwei weitere Stränge. Der eine ist die heimliche Verschwörung der Eidgenossen, die im nächtlichen Schwur auf dem Rütli ihren Höhepunkt findet. Der andere ist die Liebesgeschichte zwischen dem jungen Adligen Ulrich von Rudenz und dem Ritterfräulein Berta von Bruneck. Rudenz hat sich zunächst auf die Seite Habsburgs geschlagen. Nun muss er sich entscheiden, wohin er gehört.

Die Handlung im Detail

Am Vierwaldstättersee zieht ein Sturm auf. Der Bauer Konrad Baumgarten flieht vor habsburgischen Söldnern: Er hat den Burgvogt Wolfenschießen erschlagen, der seiner Frau Gewalt antun wollte. Der Fischer Ruodi weigert sich, ihn über den See zu rudern, doch Wilhelm Tell wagt die Fahrt und rettet ihn. Die Verfolger verheeren aus Rache die Hütten am Ufer.

In Schwyz drängt die Bäuerin Gertrud ihren Mann Werner Stauffacher, sich mit anderen gegen die habsburgische Tyrannei zu verbünden. In Altdorf zwingen die Vögte das Volk zum Frondienst beim Bau einer Zwingburg, der "Zwing-Uri". Stauffacher versucht vergeblich, Tell für die Sache zu gewinnen. Gessler lässt seinen Hut auf einer Stange aufstellen, vor dem jeder den Hut ziehen soll. Werner Stauffacher, der junge Arnold von Melchtal – dessen Vater von Vögten geblendet wurde – und der greise Walter Fürst verbünden sich, um den Aufstand der drei Kantone vorzubereiten.

Im Hause des Freiherrn von Attinghausen zeigt sich die Spaltung des Adels: Der alte Freiherr hat Verständnis für das Volk, sein Neffe Ulrich von Rudenz aber hält zu Habsburg, weil er sich von der Verbindung mit den Mächtigen Vorteile verspricht. In einer nächtlichen Szene unter einem Mondregenbogen versammeln sich Verschworene aus Uri, Schwyz und Unterwalden auf der Bergwiese Rütli. Unter der Leitung des Alt-Landammanns Itel Reding schwören sie, die habsburgische Besatzung zu vertreiben, und stimmen über die Einzelheiten ab. Tell ist nicht dabei.

Tell repariert daheim seine Pforte – "Die Axt im Haus erspart den Zimmermann" – und bricht mit seinem Sohn Walther nach Altdorf auf. Seine Frau Hedwig ahnt Schlimmes und versucht vergeblich, ihn zurückzuhalten. Auf einer Jagd gewinnt Berta von Bruneck den jungen Rudenz für die Sache der Eidgenossen. In Altdorf zieht Tell den Hut nicht und wird verhaftet. Gessler tritt hinzu und zwingt ihn, einen Apfel vom Kopf des eigenen Sohnes zu schießen, um beide am Leben zu lassen. Tell nimmt zwei Pfeile aus dem Köcher und trifft den Apfel. Auf Gesslers Frage, wozu der zweite Pfeil bestimmt gewesen sei, antwortet er erst ausweichend; als der Vogt ihm Straffreiheit zusichert, sagt Tell ihm ins Gesicht, der zweite Pfeil hätte Gessler getroffen, wenn er sein Kind verfehlt hätte. Gessler bricht sein Wort und lässt Tell fesseln, um ihn einzukerkern.

Auf der Überfahrt zur Burg bricht erneut ein Seesturm los. Tell entkommt mit einem Sprung an Land, an die Stelle, an der später die Tellskapelle steht. Ein Fischerknabe weist ihm einen heimlichen Weg nach Küssnacht. Der sterbende Attinghausen erklärt im Kreis seiner Leute, die Sonderstellung des Blutadels sei zu Ende; seine letzten Worte lauten: "Seid einig – einig – einig." Sein Neffe Rudenz schließt sich nun dem eidgenössischen Bund an. In der Hohlen Gasse bei Küssnacht lauert Tell dem Vogt auf. In einem Monolog rechtfertigt er seinen Entschluss: Er will dem teuflischen Treiben Gesslers ein Ende setzen. Als Gessler eine Bittstellerin namens Armgart überreiten will, trifft Tells Pfeil und tötet ihn.

Die Zwingburg in Altdorf wird geschleift. Rudenz und der Bauernsohn Melchtal befreien gemeinsam Berta aus dem Verlies. Eine Nachricht trifft ein: Der habsburgische König Albrecht ist von seinem Neffen Johannes ermordet worden, weil dieser ihm sein Erbe vorenthalten hatte. Der Mörder, genannt Parricida, flieht und sucht ausgerechnet bei Tell Beistand. Tell weist ihn schroff zurück und stellt seine Tat klar gegen die des Königsmörders: "Darfst du der Ehrsucht blutge Schuld vermengen mit der gerechten Notwehr eines Vaters?" Er weist Parricida den Weg nach Rom, wo dieser dem Papst beichten soll. Das Volk strömt herbei und jubelt Tell zu. Schiller lässt seinen Titelhelden am Ende zurücktreten. Berta verbindet sich mit Rudenz: "So reich ich diesem Jüngling meine Rechte, die freie Schweizerin dem freien Mann!" Rudenz' Antwort beschließt das Stück: "Und frei erklär ich alle meine Knechte."

Stil

Schiller bezeichnete sein Werk im Untertitel schlicht als "Schauspiel". Er verwebt drei Handlungsstränge: die Sage um Tell und den Apfelschuss, die Verschwörung und Befreiung der drei Waldstätten und die Liebesgeschichte zwischen Berta von Bruneck und Rudenz. Tell-Handlung und Bundesgeschehen bleiben weitgehend lose verbunden. Erst am Schluss laufen die Linien zusammen, wenn Adel, Bauerntum und Frauen gemeinsam auftreten.

Die Sprache ist in Versen gehalten. Sie hat eine Vielzahl von Wendungen hervorgebracht, die ins Sprichwörtliche übergegangen sind, etwa "Die Axt im Haus erspart den Zimmermann" oder Attinghausens Mahnung "Seid einig – einig – einig". Schiller arbeitet mit großen Bildern: dem Sturm am See, dem Mondregenbogen über dem Rütli, der Hohlen Gasse. Einzelne Szenen wie den Apfelschuss und den Rütlischwur stellt er als dramatische Höhepunkte heraus. Die Schlussszene weicht vom üblichen Heldenstück ab. Der Titelheld tritt zurück, das Wort haben Frauen und der Adlige, der seine Knechte freilässt.

Rezeption

Schon im 19. Jahrhundert wurde der fünfte Aufzug entweder stark gekürzt oder ganz weggelassen. Ludwig Börne und andere meinten, Schiller habe hier eine problematische Auffassung der Befreiung zum Ausdruck gebracht. Der Titelheld hätte statt des Apfelschusses gleich auf den Landvogt schießen und den Heldentod in Kauf nehmen sollen. Diese Lesart entsprach dem Zeitgeist nach 1815.

Im "Dritten Reich" wurde das Stück zunächst von Propagandaminister Goebbels als "Führerdrama" gepriesen. Tell und Stauffacher wurden als ideale Führergestalten gedeutet, Tellzitate fanden sich in den meisten Lesebüchern. Doch mehrere Umstände führten zu einer völligen Abkehr von Tell: Schillers Motiv des gerechtfertigten Tyrannenmords, der Beifall des Publikums an den "unpassenden" Stellen und mehrere Attentate auf Hitler, unter anderem geplant von dem Schweizer Maurice Bavaud. Am 3. Juni 1941 verbot Hitler das Stück für Aufführung und Schulunterricht. Im selben Jahr feierte die Schweiz 650 Jahre Eidgenossenschaft und berief sich vielfach auf Schillers Drama. Die Tellspielgesellschaft Altdorf führte am 1. August die Rütlischwurszene auf dem Rütli auf.

Nach 1945 galt das Schauspiel wegen seines zivilisatorischen Gehalts und seiner künstlerischen Form als wichtigstes Stück im gymnasialen Deutschunterricht. In den 1960er Jahren wurde es meist im 10. Schuljahr behandelt, heute auch schon früher. Am 10. Oktober 1989 brachte das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin auf der Berliner Volksbühne eine Inszenierung heraus, die mehr oder minder offen zur Revolution aufrief. Die staatlichen Ehrengäste verließen türenschlagend den Saal. Am Abend des Mauerfalls wurde das Stück in Schwerin erneut gespielt, diesmal ohne Unterbrechung. 2004 wurde Wilhelm Tell zum zweihundertjährigen Jubiläum erstmals auf dem Rütli aufgeführt, durch das Deutsche Nationaltheater Weimar. 2006 erregte eine Inszenierung von Samuel Schwarz am Theater St. Gallen Aufmerksamkeit. Sie griff die Vereinnahmung des Tellmythos durch die Nationalsozialisten auf und brachte sie mit gegenwärtigen Gewalttätern in Verbindung.

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