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Werkseintrag · Maria Stuart
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Cover Maria Stuart
Maria Stuart
1801
– Werkseintrag –

Maria Stuart

1801 · Tragödie

Zwei Königinnen, eine gefangen und zum Tode verurteilt, die andere mächtig und doch unsicher – Schillers Tragödie um Maria Stuart und Elisabeth von England.

Kurzporträt

Das Trauerspiel Maria Stuart gehört zu den bekanntesten Dramen Friedrich Schillers. Es schildert die letzten Tage der gefangenen schottischen Königin Maria Stuart, die in England auf ihre Hinrichtung wartet. Im Zentrum steht der Gegensatz zweier Frauen und Königinnen: der gefangenen Maria und der mächtigen Elisabeth I. von England. Schiller verbindet darin politische Machtfragen mit dem inneren Ringen seiner Figuren um Schuld, Recht und Würde. Erste Pläne zum Stoff lassen sich bereits 1783 nachweisen, doch erst 1799 griff Schiller das Thema endgültig auf. Die Uraufführung fand am 14. Juni 1800 im Weimarer Hoftheater statt, mit Friederike Vohs in der Titelrolle. Die Buchausgabe erschien im April 1801.

Inhalt (ohne Spoiler)

Die schottische Königin Maria Stuart ist auf dem englischen Schloss Fotheringhay gefangen. Ein Gericht hat sie wegen Hochverrats zum Tode verurteilt, denn man sieht in ihr eine Bedrohung für die protestantische Königin Elisabeth I. und für den Frieden im Land. Maria bestreitet die Zuständigkeit dieses Gerichts und hofft auf ein persönliches Gespräch mit Elisabeth, der einzigen Frau von gleichem Rang.

Elisabeth steht vor einer schweren Entscheidung. Lässt sie Maria hinrichten, fürchtet sie um ihren Ruf in der Welt; lässt sie sie am Leben, bleibt die Rivalin eine Gefahr. Ihre Berater raten ihr widersprüchlich: Der eine drängt auf Vollstreckung des Urteils aus Staatsräson, der andere mahnt zur Gnade.

Um Maria sammeln sich verschiedene Männer mit eigenen Absichten. Der junge Mortimer, ein glühender Anhänger Marias, schmiedet Befreiungspläne. Auch der einflussreiche Graf Leicester ist in das Geschehen verstrickt, denn ihn verbindet eine alte Beziehung mit beiden Königinnen. So entsteht ein Geflecht aus Liebe, Ehrgeiz und politischer Berechnung, in dem sich entscheidet, ob Maria gerettet werden kann oder ihrem Schicksal entgegengeht.

Die Handlung im Detail

Auf Schloss Fotheringhay, dem Gefängnis Marias, beschlagnahmt der strenge Wächter Paulet ihren Schmuck und ihre Briefe, weil er darin ein Mittel zur Unterstützung von Verschwörern sieht. Maria bittet ihn, Elisabeth ein Schreiben zu übergeben, in dem sie um eine persönliche Audienz ersucht. Sie erwartet ihre baldige Verurteilung und wünscht kirchlichen Beistand. Im Gespräch mit ihrer treuen Dienerin Hanna Kennedy erinnert sich Maria an den Jahrestag der Ermordung ihres Mannes Darnley, an der sie mitwirkte, verführt von Bothwell. Sie räumt diese alte Schuld ein, betont aber, dass England sie nicht deshalb anklage, sondern aus politischen Gründen.

Paulets Neffe Mortimer erscheint und gibt sich Maria gegenüber zunächst abweisend. Heimlich aber bekennt er ihr, auf seinen Reisen zum Katholizismus übergetreten und von Marias Anspruch auf den englischen Thron überzeugt zu sein. Er bringt die Nachricht, dass Maria schuldig gesprochen wurde, und versucht, sie zu einem Fluchtplan zu überreden. Maria verweist ihn überraschend an Graf Leicester und gibt ihm ihr Bild für diesen mit. Burleigh, der Großschatzmeister, verkündet den Richterspruch. Maria erkennt das Gericht nicht an und nennt Verfahrensfehler, die Burleigh sogar zugibt. Insgeheim sieht Burleigh, dass eine Hinrichtung kritisch ist, und legt Paulet eine heimliche Vergiftung Marias nahe. Paulet weist dies entrüstet zurück.

Am Hof zu Westminster drängen französische Gesandte auf eine Heirat Elisabeths mit dem französischen Thronfolger und bitten um Marias Begnadigung, die Elisabeth ablehnt. Ihre Berater raten widersprüchlich: Burleigh fordert die Hinrichtung aus Staatsräson, Talbot mahnt zur Gnade, Leicester warnt davor, aus Maria eine Märtyrerin zu machen. Elisabeth legt sich nicht fest. Allein mit Mortimer bittet sie ihn sehr indirekt, Maria zu ermorden. In einem Monolog enthüllt Mortimer seine wahre Absicht: Er hasst Elisabeth, liebt Maria und hat den Auftrag nur zum Schein angenommen. Leicester wiederum offenbart Mortimer seine Zuneigung zu Maria und gesteht, dass sie ihm im Fall der Befreiung die Ehe versprochen habe. Er rät jedoch zu vorsichtigem, diplomatischem Vorgehen. Schließlich überredet Leicester Elisabeth zu einem scheinbar zufälligen Treffen mit Maria bei einer Jagd, da nach Burleighs Worten ein Urteil nicht mehr vollstreckt werden könne, sobald die Königin der Verurteilten nahegekommen sei.

Im Park vor ihrem Gefängnis genießt Maria die unverhoffte Freiheit. Talbot mahnt sie, sich unterwürfig zu zeigen. Beim Treffen gibt Maria zunächst nach, doch als Elisabeth höhnisch auf ihre Jugendsünden zu sprechen kommt, bricht der Streit aus. Maria wirft ihr die Unrechtmäßigkeit ihres Königtums vor und entlarvt sie als unmenschlich. Sie gewinnt die Oberhand, doch ihre letzten Worte sind nur noch verletzend. Damit ist ihr Schicksal besiegelt. Triumphierend berichtet Maria der Kennedy, sie habe Elisabeth vor Leicesters Augen erniedrigt. Mortimer, der das Gespräch belauscht hat, gesteht Maria seine Liebe und seinen gewaltsamen Befreiungsplan, der die Ermordung seines Onkels Paulet einschließt. Maria ist entsetzt. Da dringen Bewaffnete in den Garten: Ein Anschlag auf Elisabeth ist versucht worden und misslungen.

Am Hof bereitet Burleigh den Hinrichtungsbefehl vor, bricht die Beziehungen zu Frankreich ab und weist den französischen Gesandten Aubespine aus. Burleigh und Leicester geraten heftig aneinander. Mortimer bringt Leicester die Nachricht, dass ein abgefangener Brief Marias an ihn nun in Burleighs Händen ist. Um sich selbst zu retten, will Leicester Mortimer der Wache ausliefern. Mortimer verrät ihn jedoch nicht, sondern entzieht sich der Gefangennahme durch Selbstmord. Burleigh zeigt Elisabeth den belastenden Brief. Sie befiehlt Marias Tod und will auch Leicester in den Tower werfen lassen. Doch als dieser unangemeldet erscheint, weist er alle Vorwürfe von sich und stellt sich als wahren Retter Elisabeths dar.

Das Drama führt zur Vollstreckung des Todesurteils an Maria Stuart. Während Maria ihrem Ende mit gefasster Würde entgegengeht und kirchlichen Beistand empfängt, sichert Elisabeth ihre Macht – doch sie bleibt am Ende vereinsamt zurück, denn auch ihr engster Vertrauter wendet sich von ihr ab.

Stil

Das Werk Maria Stuart ist als klassische Tragödie in fünf Aufzügen angelegt und folgt damit dem strengen Aufbau des klassischen Dramas. Schiller verbindet eine kunstvolle Versdichtung mit großer rhetorischer Wucht. Die Reden seiner Figuren sind wohlgeformte Argumente, in denen sich Recht und Macht, Gefühl und politisches Kalkül gegenüberstehen.

Besonders kennzeichnend ist die Spiegelung der beiden Königinnen, deren Gegensatz das ganze Stück durchzieht. Höhepunkt ist die berühmte Begegnung im Park, die Schiller frei erfand und die historisch nie stattfand. In ihr steigert sich der Wortwechsel von vorsichtigem Nachgeben bis zur offenen Beschimpfung. Vielsagende Bilder und einprägsame Sentenzen prägen die Sprache, etwa wenn vom Richtschwert in der Hand der Frau die Rede ist.

Rezeption

Das Trauerspiel zählt seit seiner Uraufführung im Jahr 1800 zu den meistgespielten Bühnenwerken der deutschen Literatur. Es hat sich fest im Spielplan der Theater behauptet und wurde bis in die Gegenwart immer wieder neu inszeniert.

Der Stoff hat auch über das Sprechtheater hinaus gewirkt. Die Oper Maria Stuarda griff den Gegensatz der beiden Königinnen musikalisch auf. Zahlreiche moderne Theaterproduktionen sowie literarische Bearbeitungen wie Maria/Stuart zeugen davon, dass das Werk bis heute zu neuen Auseinandersetzungen anregt.

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