Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
Werkseintrag · The Importance of Being Earnest
Eingang · Werke · The Importance of Being Earnest
Cover The Importance of Being Earnest
The Importance of Being Earnest
1895
– Werkseintrag –

The Importance of Being Earnest

1895 · Komödie

Zwei junge Gentlemen erfinden falsche Namen und kranke Freunde, um der feinen Gesellschaft zu entkommen – und geraten in ein heiteres Spiel der Verwechslungen, bei dem alles vom Namen Ernest abhängt.

Kurzporträt

Die Komödie The Importance of Being Earnest gehört zu den bekanntesten Bühnenwerken von Oscar Wilde. Im deutschen Sprachraum kennt man sie unter den Titeln Ernst sein ist alles oder Bunbury. Sie wurde am 14. Februar 1895 im Londoner St. James Theatre uraufgeführt, die Inszenierung stammte von George Alexander. In diesem Stück greift Wilde geistreich und mit feiner Ironie die feine Gesellschaft seiner Zeit an, ohne ihr müßiges Leben grundsätzlich infrage zu stellen. Der Autor selbst hielt Bunbury für seine beste Komödie. Bis heute ist das Werk vielfach für Bühne, Film und Fernsehen bearbeitet worden, unter anderem in der Verfilmung Ernst sein ist alles von Oliver Parker aus dem Jahr 2002.

Inhalt (ohne Spoiler)

Zwei junge englische Gentlemen, Algernon und Jack, führen ein bequemes Leben und gehen gern ihrem Vergnügen nach. Um gesellschaftliche Pflichten und private Wünsche unter einen Hut zu bringen, hat sich jeder von ihnen eine kleine Lüge zurechtgelegt. Algernon erfindet einen kränkelnden Freund namens Bunbury, dessentwegen er jederzeit aufs Land entschwinden kann. Jack gibt vor, sich um einen liederlichen Bruder namens Ernest kümmern zu müssen, um nach Belieben in die Stadt fahren zu können.

In der Stadt nennt sich Jack selbst Ernest. Unter diesem Namen verliebt er sich in Algernons Cousine Gwendolen und macht ihr einen Heiratsantrag. Doch Gwendolen erklärt, sie könne nur einen Mann lieben, der Ernest heiße. Bald gerät das Spiel mit den falschen Namen und erfundenen Personen kräftig durcheinander, zumal Algernon ebenfalls ein Auge auf eine junge Dame wirft. Die Komödie lebt von Verwechslungen, doppelten Identitäten und einer schlagfertigen Standesdame, die jeder Verbindung zunächst im Wege steht.

Die Handlung im Detail

Algernon und Jack sind zwei wohlhabende Lebemänner, die ihre Freizeit dem Vergnügen widmen. Beide haben sich eine Ausrede erfunden, um gesellschaftliche Verpflichtungen mit ihren Vergnügungen zu vereinbaren. Algernon hat einen angeblich kranken Freund namens Bunbury erdacht, dessentwegen er aufs Land reisen kann. Jack hingegen behauptet, sich um seinen liederlichen Bruder Ernest kümmern zu müssen, um Vorwände für Stadtreisen zu haben.

In der Stadt gibt Jack sich stets als sein eigener Bruder Ernest aus. Unter diesem Namen verliebt er sich in Gwendolen, die Cousine Algernons, und macht ihr einen Heiratsantrag. Gwendolen erklärt, es sei ihr Lebensziel, einen Mann namens Ernest zu heiraten.

Algernon reist daraufhin zu Jacks Landhaus und gibt sich dort fälschlich als Jacks Bruder Ernest aus. Dabei verliebt er sich in Jacks Mündel Cecily. Auch Cecily ist überzeugt, ihr künftiger Mann müsse unbedingt Ernest heißen.

Algernons Tante Augusta wendet sich entschieden gegen eine Heirat ihrer Tochter Gwendolen mit Jack. Denn sie hat erfahren, dass Jack eine Vollwaise ist und als Säugling auf dem Londoner Bahnhof Victoria in einer Reisetasche gefunden wurde. Einer Hochzeit ihres Neffen Algernon mit Cecily stimmt sie jedoch zu, sobald sie von Cecilys stattlichem Vermögen erfährt. Jack aber will seine Einwilligung nur geben, wenn er im Gegenzug Gwendolen heiraten darf.

Schließlich stellt sich heraus, dass Cecilys Gouvernante Miss Prism vor vielen Jahren versehentlich ein Baby in einer Handtasche am Bahnhof zurückließ. Dieses Findelkind war niemand anderes als Jack. Damit ist klar: Jack ist Algernons älterer Bruder. Außerdem kommt heraus, dass Jack in Wirklichkeit nach seinem leiblichen Vater Ernest John benannt wurde. So hat Jack die ganze Zeit, ohne es zu wissen, doch die Wahrheit gesagt. Da Jack im Englischen eine Koseform von John ist, wird aus ihm Ernest John – der „wahrhaftige John". Damit steht der ersehnten Doppelhochzeit nichts mehr im Wege.

Stil

Das Werk ist eine Komödie in drei Akten. Es lebt von geistreichen Dialogen, pointierten Aperçus und feiner Ironie. Wilde verspottet die Herren und Damen der Oberschicht, ohne ihr müßiges Leben wirklich anzuprangern. Sein Witz richtet sich gegen die Selbstgefälligkeit und die hohlen Förmlichkeiten der feinen Gesellschaft.

Im Mittelpunkt steht ein Wortspiel, das schon im Titel angelegt ist. Das englische Wort „earnest" bedeutet „aufrichtig" und klingt zugleich wie der Vorname Ernest. Im Deutschen lässt sich dieses Spiel mit „Ernst" und „ernst" nur unvollkommen wiedergeben. Auf diesem Doppelsinn beruht die ganze Verwechslungshandlung. Neben der dreiaktigen Bühnenfassung existiert auch eine vieraktige Vorfassung, die zu Wildes Lebzeiten nie gespielt wurde. Diese frühere Form liegt der ersten deutschen Übersetzung des Stoffes zugrunde.

Rezeption

Die Komödie zählt zu den erfolgreichsten Dramen von Oscar Wilde. Wilde selbst betrachtete sie als seine beste Komödie. Bis heute gehört das Stück zum festen Bestand der Theaterspielpläne und ist immer wieder neu inszeniert worden.

Auch in Film und Fernsehen wirkt das Werk fort. Es wurde mehrfach verfilmt, unter anderem 1992 in der Regie von Kurt Baker und 2002 unter dem Titel Ernst sein ist alles in der Regie von Oliver Parker. 2011 entstand eine weitere Verfilmung unter der Regie von Brian Bedford, 2018 folgte eine Fassung von Michael Fentiman. Daneben gibt es zahlreiche Theaterproduktionen und eine musikalische Bearbeitung aus dem Jahr 2010.

Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →

meisterwerke-der-worte.de · Auszug aus dem Lexikon · Alle Rechte vorbehalten