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The Injustice to Dou E
Überblick↑
Das Stück Das Unrecht an Dou E gehört zu den bekanntesten Werken des chinesischen Dramatikers Guan Hanqing (um 1241–1320). Es entstand zur Zeit der Yuan-Dynastie und zählt zur Gattung des zaju. Der vollständige chinesische Titel lässt sich etwa mit „Das Unrecht an Dou E, das Himmel und Erde bewegte“ wiedergeben. Bekannt ist das Werk auch unter dem Titel Schnee im Hochsommer. Erzählt wird die Geschichte einer jungen Witwe, die von einem bestechlichen Beamten für eine Tat verurteilt wird, die sie nicht begangen hat.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Mittelpunkt steht Dou Duanyun, ein junges Mädchen aus Chuzhou. Ihr Vater Dou Tianzhang ist hoch verschuldet und kann seine Schulden nicht zurückzahlen. Deshalb gibt er sie als Kindbraut an die Familie Cai, wo sie den Namen Dou E erhält.
Zwei Jahre nach der Hochzeit stirbt ihr Mann. Dou E und ihre Schwiegermutter bleiben allein zurück und sind aufeinander angewiesen. Beide werden von Sai Lu Yi bedrängt, einem gewissenlosen Arzt, der die Schwiegermutter beinahe erwürgt. Gerettet werden die Frauen vom Raufbold Zhang Lü'er und dessen Vater. Doch die Hilfe hat einen Preis: Zhang zieht gegen den Willen der Frauen bei ihnen ein und will Dou E zur Heirat zwingen. Sie weigert sich.
Aus dieser Zurückweisung erwächst ein Plan, der Dou E schließlich vor Gericht bringt. Dort trifft sie auf den Präfekturgouverneur Tao Wu, der sie mit Folter zu einem Geständnis bringen will. Was Dou E vor ihrem Richter und vor dem Himmel geltend macht, entfaltet eine Wirkung, die weit über den Gerichtssaal hinausreicht.
Die Handlung im Detail↑
Der Prolog führt Dou Duanyun ein, ein junges Mädchen aus Chuzhou, dem heutigen Bezirk Huai'an in der Provinz Jiangsu. Ihr Vater Dou Tianzhang hat hohe Schulden und kann sie nicht begleichen. Er verkauft seine Tochter als Kindbraut an die Familie Cai, wo sie fortan Dou E genannt wird.
Zwei Jahre nach der Heirat stirbt ihr Mann. Dou E lebt nun mit ihrer Schwiegermutter zusammen, und die beiden Frauen sind ganz aufeinander angewiesen. Der skrupellose Arzt Sai Lu Yi setzt ihnen zu und versucht sogar, die Schwiegermutter zu erwürgen. In dieser Lage tauchen der Raufbold Zhang Lü'er und sein Vater auf und retten die Frauen. Zhang bietet ihnen daraufhin seinen „Schutz“ an, zieht gegen ihren Willen in ihr Haus ein und drängt Dou E zur Ehe. Sie lehnt ab.
Als die Schwiegermutter Lust auf eine Suppe bekommt, sieht Zhang Lü'er seine Gelegenheit. Er will die alte Frau umbringen, um sich danach Dou E zu nehmen. Von Sai Lu Yi erpresst er Gift, indem er ihm droht, den früheren Mordversuch bei den Behörden anzuzeigen. Das Gift kommt in die Suppe. Doch statt der Schwiegermutter trinkt Zhangs eigener Vater davon und stirbt. Zhang Lü'er schiebt Dou E die Schuld am Tod seines Vaters zu.
Dou E wird verhaftet und dem Präfekturgouverneur Tao Wu vorgeführt. Er lässt sie foltern, um ein Geständnis zu erzwingen. Als sie standhält, droht er damit, die Schwiegermutter zu foltern. Um die alte Frau zu schützen, gesteht Dou E den Mord. Tao Wu verurteilt sie zum Tod durch Enthauptung.
Auf dem Richtplatz schwört Dou E, dass drei Zeichen ihre Unschuld beweisen werden. Ihr Blut werde auf ihre weißen Kleider spritzen, ohne dass ein einziger Tropfen den Boden berührt. Im sechsten Mondmonat, also mitten im Sommer, werde dichter Schnee fallen und ihren Leichnam bedecken. Und Chuzhou werde drei Jahre lang von Dürre heimgesucht. Nach ihrem Tod treten alle drei Zeichen ein.
Drei Jahre später erscheint Dou Es Geist ihrem Vater. Dou Tianzhang ist inzwischen zum hohen Regierungsbeamten in der Region Anhui und Jiangsu aufgestiegen. Die Tochter trägt ihm all ihr erlittenes Unrecht vor. Er ordnet eine neue Untersuchung des Falls an, und die Wahrheit kommt ans Licht. Dou E wird nachträglich für unschuldig erklärt, die Schuldigen erhalten ihre Strafe: Sai Lu Yi wird in ein fernes Land verbannt, Tao Wu wird aus dem Amt entfernt und darf nie wieder ein Amt bekleiden, Zhang Lü'er wird zum Tode verurteilt. Dou E bittet ihren Vater zuletzt, die Schwiegermutter bei sich aufzunehmen und für sie zu sorgen. Der Vater sagt es zu. Damit endet das Stück.
Stil↑
Das Werk folgt dem Aufbau des zaju der Yuan-Zeit: ein Prolog und vier Akte. Die Handlung ist streng auf ein Ziel hin gebaut. Jeder Akt treibt das Unrecht einen Schritt weiter, bis es sich im letzten Akt auflöst.
Auffällig ist die Verbindung von nüchtern geschildertem Alltag und übernatürlichem Geschehen. Erpressung, Schulden, ein Gerichtsverfahren und Folter stehen neben Naturzeichen und dem Auftritt eines Geistes. Die drei Schwüre auf dem Richtplatz bilden das Herzstück des Stücks: Dou E benennt genau, was geschehen soll, und das Geschehen bestätigt sie Punkt für Punkt. Diese Wiederholung von Ankündigung und Erfüllung gibt dem Werk seine eindringliche Wirkung.
Rezeption↑
Das Stück zählt zu den beliebtesten Werken Guan Hanqings und hat seine Wirkung über die Jahrhunderte behalten. Spätere Dramatiker haben den Stoff immer wieder aufgegriffen und abgewandelt.
Bis heute ist die Wendung vom „Schnee im Juni“ unter chinesischen Sprechern geläufig. Sie steht bildhaft für einen Justizirrtum, für ein Urteil also, das einen Unschuldigen trifft. Damit hat das Stück eine Redewendung hervorgebracht, die auch außerhalb des Theaters lebendig geblieben ist.
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