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Werkseintrag · Das Totenschiff
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Cover Das Totenschiff
Das Totenschiff
1926
– Werkseintrag –

Das Totenschiff

1926 · Roman

Ein amerikanischer Seemann verpasst nach einem Landurlaub sein Schiff und mit ihm sein einziges Ausweispapier – plötzlich gilt er als staatenlos und heuert schließlich auf einem heruntergekommenen Dampfer an, dessen papierlose Besatzung in keinem Hafen mehr an Land darf.

Überblick

Der Roman Das Totenschiff mit dem Untertitel "Die Geschichte eines amerikanischen Seemanns" erschien 1926 in der Büchergilde Gutenberg. B. Traven hatte ihn ursprünglich auf Englisch verfasst. Erzählt wird das Schicksal eines Seemanns, der ohne Papiere durch das Netz staatlicher und gesellschaftlicher Ordnung fällt und schließlich auf einem herabgewirtschafteten Frachter landet. Das Buch verbindet ein spannendes Abenteuer auf See mit scharfer Kritik an Bürokratie und Ausbeutung. Es gehört zu den bekanntesten Werken des Autors.

Inhalt (ohne Spoiler)

Der amerikanische Seemann Gales aus New Orleans erlebt eine folgenschwere Kleinigkeit: Nach einem Landurlaub in Antwerpen verpasst er sein Schiff, die Tuscaloosa. Seine Seemannskarte, sein einziges Ausweispapier, ist an Bord geblieben. Ohne dieses Dokument fällt er plötzlich durch alle Maschen der anerkannten gesellschaftlichen Zugehörigkeit.

Von nun an gilt er als staatenlos. Man schiebt ihn über die Landesgrenzen ab, und so beginnt eine Irrfahrt durch Westeuropa – von Belgien über die Niederlande nach Frankreich, Spanien und schließlich Portugal. Nirgends findet er Halt, denn ohne urkundliche Bestätigung seiner Existenz kann ihm niemand mehr helfen, nicht einmal der amerikanische Konsul in Paris.

In Barcelona bleibt Gales schließlich keine Wahl: Er heuert auf dem völlig heruntergekommenen Dampfer Yorikke an. An Bord arbeiten nur Seeleute, die wie er keine Papiere mehr besitzen – lebendige Tote, für die sich niemand mehr zuständig fühlt. Das Schiff ist ein "Totenschiff", und wer erst einmal darauf gerät, kommt kaum wieder herunter.

Die Handlung im Detail

Der Ich-Erzähler Gales, ein Seemann aus New Orleans, verpasst nach einem Landurlaub in Antwerpen sein Schiff, die Tuscaloosa. Weil seine Seemannskarte an Bord zurückgeblieben ist, besitzt er kein einziges Dokument mehr, das seine Identität belegt. Damit macht er die neue Erfahrung, ohne Papiere durch alle Maschen der anerkannten gesellschaftlichen Zugehörigkeit zu fallen.

Als Staatenloser wird Gales über die Landesgrenzen abgeschoben und gerät auf eine Irrfahrt durch Westeuropa. Sie führt ihn von Belgien über die Niederlande nach Frankreich, Spanien und schließlich Portugal. Am deutlichsten macht ihm der amerikanische Konsul in Paris klar, in welche Lage er ohne urkundliche Bestätigung seiner Existenz geraten ist: Auch der Konsul kann ihm nicht mehr helfen.

In Barcelona zwingt ihn seine Not, auf dem völlig heruntergekommenen Dampfer Yorikke anzuheuern, der nach Liverpool auslaufen soll. Außer dem Skipper arbeiten dort nur Seeleute ohne Papiere – lebendige Tote, für die sich niemand mehr zuständig fühlt und die nur noch dem Eigner eines solchen "Totenschiffes" von Nutzen sind. In keinem Hafen werden sie mehr an Land gelassen. Um ihre geringe Heuer gebracht und dem Skipper ausgeliefert, haben sie kaum eine Chance, das Schiff je ordnungsgemäß wieder zu verlassen. So läuft die Yorikke gar nicht nach Liverpool, sondern betreibt, offiziell mit wertloser Fracht unterwegs, Waffenschmuggel auf Routen im Mittelmeer und im küstennahen Atlantik.

Bei einem Landgang in Dakar wird Gales zusammen mit seinem einzigen Freund shanghait, also gewaltsam verschleppt. Dieser Freund ist der aus Posen gebürtige Stanislaw Koslowski, der nach dem Ersten Weltkrieg weder die deutsche noch die polnische Staatsangehörigkeit erlangen konnte. Beide geraten so auf die Empress of Madagascar.

Die Empress ist ein erst drei Jahre altes Schiff und entsprechend gut in Schuss. Doch sie bringt nicht die angegebene Maschinenleistung, so dass die erhofften Frachtgewinne ausbleiben. Deshalb haben die Eigner bereits zweimal versucht, das Schiff zum Zweck des Versicherungsbetrugs untergehen zu lassen. Bei einem erneuten Versuch von Dakar aus, an dem Gales und Stanislaw gezwungenermaßen beteiligt sind, geht das Schiff schließlich mit Mann und Maus unter. Ohne Aussicht auf Rettung, völlig erschöpft und von Halluzinationen verfolgt, findet sich Gales am Ende auf einem Stück Kajütenwand im Meer treibend wieder.

Stil

Getragen wird der Roman von der Stimme seines seemännischen Ich-Erzählers. Gales spricht sarkastisch und ironisch und greift dabei immer wieder auf Wendungen aus der Seemannssprache zurück. Sein rauer, direkter Ton verleiht dem Buch seine besondere Färbung.

Die Lage des ausgebeuteten Seemanns erscheint schon beim Anmustern als Absurdität. Häufig spielt der Erzähler auf biblische Figuren an, um das angebliche Alter und die schlechte Qualität der so bezeichneten Gegenstände zu unterstreichen. Und immer wieder leitet er aus seinen Erfahrungen knappe, resümierende Urteile ab, die weit über den einzelnen Fall hinausweisen.

Rezeption

Erschienen ist der Roman 1926 in der Büchergilde Gutenberg. Er zählt zu den bekanntesten Werken B. Travens und hat über die Jahrzehnte auch andere Kunstformen angeregt.

Ein deutlicher Beleg dafür ist die Verfilmung von 1959 unter der Regie von Georg Tressler. Später, im Jahr 2018, entstand aus dem Stoff zudem eine Oper. Beide Bearbeitungen zeigen, dass der Roman über seine Entstehungszeit hinaus gewirkt hat.

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