1846
Das Teufelsmoor
Überblick↑
Mit La Mare au diable legte die französische Schriftstellerin George Sand 1846 einen kurzen Roman vor. Er erschien bei Desessart in Paris und zählt bis heute zu ihren bekanntesten Werken. Er gehört zu der Reihe ländlicher Romane, mit denen Sand das Leben der Bauern im Berry literarisch würdigte. Das Berry ist ihre Heimatregion in Mittelfrankreich. Im Mittelpunkt steht eine Liebesgeschichte im dörflichen Milieu. Sand zeichnet sie in einer bewusst gehobenen, teilweise idealisierten Form. Dazu kommt eine genaue Schilderung bäuerlicher Bräuche, vor allem der Bauernhochzeit. Dieser widmet Sand einen eigenen Anhang. Das Buch hatte sofort Erfolg. Später wurde es mehrfach für Bühne, Film und Fernsehen bearbeitet.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im ländlichen Berry begegnet der Leser dem Bauern Germain. Er ist ein ernster, arbeitsamer Mann mittleren Alters und steht vor einer neuen Lebensentscheidung. George Sand erzählt von Menschen, die sich auf einer nächtlichen Reise einander annähern, ohne es zunächst zu bemerken. Eingebettet ist das alles in den Jahreslauf des Dorfes: Feldarbeit, Wege durch die Landschaft, alte Sitten. Die geheimnisvolle Teufelspfütze gibt dem Roman den Namen. Sie liegt wie ein dunkler Spiegel im Mittelpunkt der Erzählung.
Die Handlung im Detail↑
Der Roman folgt dem Bauern Germain und einer kleinen Reisegesellschaft auf dem Weg durch das ländliche Berry. Im Verlauf der Erzählung erprobt Germain, was George Sand selbst als „die Willensübung eines erwachsenen Mannes" beschreibt; er findet seinen inneren Halt schon zu Beginn in der Arbeit des Pflügens, begleitet von seinem Gesang, der dem Werk eine beinahe magische Kraft verleiht. Im weiteren Verlauf entfaltet sich, ausgehend von dieser Anfangsszene, die Geschichte einer inneren Reifung. Sie führt am Schluss zu einem bäuerlichen Hochzeitsfest, dem Sand viel Raum gibt und das sie als Ausdruck einer gemeinsamen, kollektiven Klugheit der dörflichen Gemeinschaft schildert. Den genauen Sitten dieser Bauernhochzeit widmet die Autorin einen eigenen Anhang.
Stil↑
George Sand stellt ihrem Roman einen Kupferstich von Hans Holbein dem Jüngeren voran. Er zeigt den Tod neben einem Pflüger und stammt aus der Folge Les Simulachres de la mort. Mit diesem Bild als Auftakt setzt sie der bäuerlichen Welt einen feierlichen, fast philosophischen Rahmen. Die Handlung selbst spielt im ländlichen Berry und kreist um Bauerngestalten, denen die Erzählerin literarische Würde verleiht. Sie zeigt sie nicht als grob oder einfältig, sondern als Menschen mit klarem Verstand, feinem Empfinden und einer komplexen Innenwelt. Das Buch trägt Züge eines Bildungs- oder Initiationsromans. Darin erprobt die Hauptfigur Germain seinen Willen und entwickelt sich.
Auffallend ist die hohe Stellung der Musik. Sand verkehrte mit Komponisten wie Liszt und Chopin. Sie lässt das Lied des Pflügers am Anfang und die Musik des Hochzeitsfestes am Ende stehen. Beide Male stehen sie als Zeichen für Würde, Arbeit und Gemeinschaft. Ihre Wertschätzung für die Landbevölkerung geht weit. Im Anhang zum dritten Kapitel nennt sie eine reale Person, Françoise Meillant. Diese diente ihr lange Jahre. Sie hatte Eugène Delacroix als Modell für die heilige Anna in dessen Gemälde L'Éducation de la Vierge gestanden. Durch sie ehrt Sand stellvertretend eine ganze Berrichoner Bauernfamilie.
Auch der Schauplatz der titelgebenden Teufelspfütze hat einen realen Hintergrund. Zur Entstehungszeit des Romans war die Pfütze größer und mit einem Sumpf verbunden. 1851 wurde sie auf Wunsch des damaligen Besitzers durch einen Weg geteilt. In ihrer Autobiografie Histoire de ma vie berichtet Sand von einem nächtlichen Erlebnis ihrer Kindheit in der Brande zwischen Châteauroux und Nohant. Sie erzählt von der Furcht am Wasser und vom Gesang der Frösche. Diese Erinnerung formte sie für den Roman in das innere Erleben Germains um. Hinzu treten Merkmale der Romantik: die enge Verbindung mit der Natur, ein verhalten phantastischer Ton und die zentrale Rolle der Musik.
Rezeption↑
Der Roman La Mare au diable hatte bei seinem Erscheinen 1846 unmittelbaren Erfolg. Er gehört bis heute zu den bekanntesten Romanen George Sands. Der Stoff wurde mehrfach aufgegriffen und für Theater, Kino und Fernsehen bearbeitet.
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