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Werkseintrag · Indiana
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Indiana
1832
– Werkseintrag –

Indiana

1832 · Roman

George Sands erster Solo-Roman von 1832 über eine junge Frau zwischen einem herrischen Ehemann, einem charmanten Verführer und einem stillen Freund, der mehr weiß, als er sagt.

Überblick

Mit Indiana begann 1832 die literarische Laufbahn der Französin Aurore Dupin. Sie schrieb unter dem Männernamen George Sand. Es ist ihr erster allein verfasster und unter diesem Pseudonym veröffentlichter Roman. Er erschien am 20. Mai 1832 bei J.-P. Roret in Paris. Erzählt wird die Geschichte einer jungen Frau. Sie leidet unter einem strengen, misstrauischen Ehemann und flüchtet sich in einen Verehrer. Dieser entpuppt sich als unzuverlässiger Frauenheld. Schon bei Erscheinen war der Roman ein großer Publikums- und Kritikererfolg. Indiana gilt als eines der frühen feministischen Werke Sands. Es klagt die enge, abhängige Stellung der Frau im Frankreich der Restauration und der Julimonarchie an.

Inhalt (ohne Spoiler)

Auf dem Landgut Lagny in der Brie lebt die junge Kreolin Indiana an der Seite ihres Mannes, Oberst Delmare. Er ist ein herrischer, eifersüchtiger Mann und behandelt sie wie eine Untergebene. Im Haus wohnt auch Sir Ralph, ein kühl wirkender englischer Cousin und Jugendfreund Indianas. Er wacht unauffällig über sie. Indianas einzige enge Vertraute ist ihre Kammerzofe und Milchschwester Noun.

Eines regnerischen Herbstabends dringt ein Fremder heimlich auf das Grundstück ein. Der Oberst schießt ihn an. Es ist Raymon de Ramière, ein junger Adliger aus der Nachbarschaft: charmant, gewandt, sprachbegabt und ein erfahrener Verführer. Aus dieser Begegnung entwickelt sich eine verhängnisvolle Verstrickung. Indiana ist ausgehungert nach Zuneigung und beginnt für Raymon zu schwärmen. Dieser aber hält in Wahrheit mehrere Fäden zugleich in der Hand.

Der Roman folgt diesem Dreieck. Es besteht aus einer Frau, die zum ersten Mal liebt, einem Mann, der zu lieben vorgibt, und einem stillen Dritten, der mehr sieht und weiß, als er zugibt. Die Handlung führt vom feuchten Park des Landguts in die Pariser Salons der späten Restauration und in die Anfangszeit der Julimonarchie. Politische Gespräche zwischen dem bonapartistischen Oberst, dem monarchistischen Raymon und dem republikanischen Ralph spiegeln die zerrissene Stimmung der Epoche. Im Hintergrund steht die Frage, wie viel Freiheit eine Frau in dieser Gesellschaft überhaupt haben darf. Und sie zeigt, welchen Preis Indiana für jeden Schritt aus der Ehe heraus zu zahlen hat.

Die Handlung im Detail

An einem regnerischen Herbstabend sitzen auf dem Gut Lagny in der Brie drei Menschen beieinander: Oberst Delmare, herrisch und argwöhnisch, seine junge, kränkelnde Frau Indiana und Sir Ralph, ihr englischer Cousin, hilfsbereit, aber spröde. Der Verwalter meldet, nachts dringe jemand ins Anwesen ein, vermutlich Kohlendiebe. Der Oberst greift zum Gewehr und geht in den Park. Ein Schuss fällt. Man trägt einen verletzten jungen Mann ins Haus, den der Gärtner bald als Raymon de Ramière erkennt, Besitzer des Nachbargutes Cercy. Der Oberst argwöhnt, der Fremde sei Indianas wegen gekommen. Ralph aber lenkt seinen Blick auf Noun, Indianas Zofe und Milchschwester, die sich auffällig um den Verletzten sorgt. Tatsächlich belauscht der Oberst nachts ein Gespräch und erkennt: Raymon und Noun sind ein Liebespaar. Der Verwundete wird nach Melun gebracht, die Sache wirkt vergessen.

Raymon setzt seine nächtlichen Besuche bei Noun fort, sobald er gesund ist. Als der Oberst mit Indiana nach Paris reist und Noun allein auf dem Gut zurückbleibt, fühlt sich Raymon belastet und zieht sich nach Paris zurück. Einen Brief Nouns wirft er ins Feuer. Auf einem Ball beim spanischen Botschafter begegnet er einer jungen Frau, die als Nichte von Madame de Carvajal in die Welt eingeführt wird: Indiana. Er erkennt in ihr die Frau des Obersten, fordert sie zum Tanz auf, und von diesem Moment an ist Noun in seinen Gedanken ausgelöscht. Drei Tage später lässt er sich im Salon der Tante vorstellen. Indiana wird beinahe ohnmächtig.

Sie beginnt Raymon zu lieben, fürchtet aber nicht um sich, sondern um ihn, sollte der Oberst etwas erfahren. Sie meidet einen Ball, auf dem er sein wird. Raymon eilt zu ihr, kniet vor ihr, gesteht seine Liebe. Indiana sinkt ohnmächtig hin, Raymon läutet – und herein tritt Noun. Beiden Frauen lässt er ein Geheimnis zurück, das die andere zerstören muss. Am nächsten Tag schreibt Noun, sie wolle ihrer Herrin alles gestehen. Raymon hält sie zurück und bestellt sie nach Lagny. Dort empfängt sie ihn, mit den Kleidern und Schmuck ihrer Herrin geschmückt, in deren Schlafzimmer. Aus Tränen wird, vom Wein befeuert, eine durchwachte Liebesnacht. In Indianas Zimmer entdeckt Raymon ein Porträt Ralphs und wird eifersüchtig. Noun gesteht, schwanger zu sein; er bietet Geld und Verbannung in die Provinz an, sie weigert sich und will alles bekennen. Da kündigt eine Kutsche Indianas Heimkehr an. Raymon versteckt sich im Alkoven, wird entdeckt, behauptet, er habe Indiana ein letztes Mal sehen wollen, und schiebt Noun beiseite. Noun führt ihn hinaus – und stürzt sich in den Fluss, der die Fabrik des Obersten antreibt. Nur Raymon und der Gärtner wissen, dass es Selbstmord war; Indiana erfährt es nicht.

Zwei Monate später lädt der Oberst Raymon auf Vermittlung der Tante nach Lagny ein. Indiana, die Nouns Tod als Unfall betrauert und sich der eigenen Härte gegen die Zofe schuldig fühlt, empfängt ihn eisig. Raymon bringt seine Mutter ins Haus, die Indiana sofort schätzt. Bei einer dreitägigen Jagd auf Ralphs Gut Bellerive nähern sich Indiana und Raymon wieder an. Bei der Jagd selbst fällt sie vom Pferd; Ralph, in der Annahme, sie sei tot, greift zum Messer, um sich die Kehle durchzuschneiden – Raymon hält ihn ab. Es ist ein Irrtum: Nicht Indiana ist gestürzt, sondern der Oberst, der einen Beinbruch davonträgt. Über ein halbes Jahr lang ist er ans Bett gefesselt. Raymon kommt täglich, wird sein Freund, lässt sich auf politische Gespräche zwischen dem monarchistischen Raymon, dem bonapartistischen Oberst und dem republikanischen Ralph ein.

Indianas Liebe zu Raymon bleibt rein, und sie ist glücklich. Nur Ralph quält sich; er bereut, ihr aus Schonung nie die Wahrheit über Nouns Tod gesagt zu haben. Eine belgische Handelsfirma, von der das Vermögen der Delmares abhängt, geht bankrott; der Oberst muss nach Antwerpen reisen. Raymon nutzt die Gelegenheit, sich für ein nächtliches Treffen verabreden zu lassen – doch Ralph setzt sich an diesem Abend zu Indiana und erzählt ihr, ein Jahr zuvor habe sie an gleicher Stelle dunkle Vorahnungen gehabt; an jenem Abend sei Raymon ins Haus gekommen, und ohne diesen Mann lebte Noun noch. Indianas Verdacht wächst. Als Raymon erscheint, hält sie ihm Nouns abgeschnittenes Haar und einen kostbaren Ring entgegen, den man Noun nach dem Tod vom Finger gezogen hatte. Raymon gesteht. Er bedrängt sie, sie reißt sich los und flüchtet vor das Porträt Ralphs. Da wird ein Zettel unter der Tür durchgeschoben: „Ihr Mann ist hier. Ralph."

Indiana befiehlt Raymon zu gehen. Sie schreibt ihm: er solle aufhören, ihr Liebhaber zu sein, und sie keuscher lieben als Noun. Raymon liebt sie nicht mehr, schwört sich aber, sie zu besitzen, und antwortet entgegenkommend. Ein zweiter Brief: die Familie ist ruiniert, Lagny wird verkauft, der Oberst will nach Bourbon, der heutigen Insel La Réunion, übersiedeln. Raymon soll Indiana den Befehl überbringen. Sie weigert sich; er rät zu vorgetäuschtem Gehorsam, um Zeit zu gewinnen. Ralph bietet sein Vermögen an, der Oberst lehnt stolz ab. In Paris sieht Raymon Indiana nur kurz täglich und stürzt sich sonst ins gesellschaftliche Leben, das ihm allein wichtig ist. Indiana fühlt sich verlassen, denkt an Selbstmord. Drei Tage vor der Abreise nach Bordeaux flieht sie nachts in Raymons Wohnung und bittet ihn, sie zu verstecken, bis der Oberst ohne sie aufbreche. Raymon weigert sich, versucht sie zu verführen, sie weicht aus. Schließlich sperrt er sie ein und geht zu seiner Mutter hinauf, die Indiana liebevoll tröstet.

Indiana will sich in die Seine stürzen. Im letzten Augenblick hält Ralph sie zurück, bringt sie heim, pflegt sie. Der Oberst kehrt zurück, will Gewalt anwenden, Ralph stellt sich dazwischen. Indiana sagt ihrem Mann, sie werde ihn nach Bourbon begleiten. Raymon ist erleichtert, sie loszusein; seine Mutter dagegen sorgt sich um Indianas Schicksal. Hier endet der von Sand in den überlieferten Kapiteln entfaltete Erzählbogen; die Reise in die Kolonie und die letzte Wendung bleiben dem Leser des Romans selbst überlassen.

Stil

Der Roman Indiana verbindet eine Liebesgeschichte mit einer Gesellschafts- und Sittenstudie. Sand erzählt in einem auktorialen Erzählton. Dieser mischt psychologische Schilderung, knappe Charakterporträts und ausführliche moralische Reflexionen. Wiederholt unterbricht die Erzählerstimme die Handlung, um die Figuren einzuordnen oder die Zustände der Zeit zu kommentieren. Eingestreute Briefe rücken die Stimmen der Liebenden unmittelbar heran. Schauplätze und Stimmungen sind sorgfältig auf das Innenleben der Figuren abgestimmt: der regnerische Herbstabend zu Beginn, der mondbeschienene Park, der Fluss an der Fabrik. Politische Gespräche zwischen Royalisten, Bonapartisten und Republikanern verankern den Roman in der konkreten historischen Lage am Übergang von der Restauration zur Julimonarchie.

Rezeption

Schon bei Erscheinen am 20. Mai 1832 fand Indiana großen Anklang bei Publikum und Kritik. Der Erfolg machte aus der bislang nur in Gemeinschaftsarbeit hervorgetretenen Autorin auf einen Schlag eine eigenständige literarische Stimme. Er gab dem Pseudonym George Sand sein Gewicht. Der Roman gilt seither als der Beginn ihrer großen Karriere. Er zählt zu ihren frühen Werken, in denen sie die enge, abhängige Stellung der Frau im damaligen Frankreich öffentlich anklagt. Dieses Thema sollte ihr Werk weiter prägen.

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