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Porträt George Sand
George Sand
1804 – 1876
– Autorenporträt –

George Sand

1804 – 1876 · 71 Jahre

Französische Romanautorin des 19. Jahrhunderts, die in Männerkleidung schrieb, gegen die Fesseln der Ehe rebellierte und mit rund 180 Büchern zu den meistgelesenen Stimmen ihrer Zeit gehörte.

Kurzporträt

George Sand ist das Pseudonym der französischen Schriftstellerin Amantine Aurore Lucile Dupin de Francueil. Sie gilt als eine der produktivsten und meistgelesenen Autorinnen des 19. Jahrhunderts. Neben rund 180 Bücher umfassenden Romanen verfasste sie zahllose gesellschaftskritische Artikel und einen riesigen Briefwechsel. Mit ihren Werken und ihrer unkonventionellen Lebensweise trat sie für feministische und sozialkritische Ziele ein. Sie lehnte sich gegen die Beschränkungen auf, die die Ehe Frauen im 19. Jahrhundert auferlegte. Und sie forderte eine gleichberechtigte Teilhabe aller Klassen am gesellschaftlichen Leben.


Biografie

Geboren wurde Amantine Aurore Lucile Dupin de Francueil am 1. Juli 1804 in Paris. Ihren Vater, einen Oberst in den napoleonischen Armeen, verlor sie 1808 im Alter von vier Jahren. Sie war damals mit ihrer Mutter auf dem Landsitz der Großmutter in Nohant. Weil sich Mutter und Großmutter nicht verstanden, verließ die Mutter 1810 das Anwesen. Aurore wuchs unter strenger Etikette in Nohant auf. Mit dreizehn Jahren kam sie in ein Augustinerkloster in Paris. Kurz vor dem Tod der Großmutter kehrte sie nach Nohant zurück. Sie erbte das Landgut sowie das Hôtel de Narbonne, ein Patrizierhaus in Paris. Auch nach dem Tod der Großmutter wurde sie von der Mutter vernachlässigt.

1822 heiratete sie gegen den Willen ihrer Mutter den mittellosen Leutnant Casimir Dudevant. Aus der Ehe gingen die Kinder Maurice (1823–1889) und Solange (1828–1899) hervor. Die Vaterschaft der Tochter ist umstritten, da ab 1827 mehrere Liebesaffären Aurores bezeugt sind. 1831 trennte sie sich von ihrem Mann. Zuvor hatte sie in seinem Sekretär ein Testament gefunden, dessen Inhalt sie später als Aneinanderreihung von Missachtungen und Verwünschungen beschrieb. Die Scheidung wurde 1836 rechtskräftig. Sie erhielt das Anwesen der Großmutter und das Sorgerecht für Solange. Ihr Mann erhielt das Pariser Stadthaus und das Sorgerecht für Maurice, der jedoch im Internat oder bei der Mutter lebte.

1831 begann sie gemeinsam mit ihrem Geliebten Jules Sandeau für den Figaro zu schreiben. Mit ihm veröffentlichte sie den Roman Rose et Blanche. Aus dem gemeinsamen Pseudonym „J. Sand" leitete sie ihren Künstlernamen George Sand ab. Unter diesem Namen erschien 1832 ihr erster allein verfasster Roman Indiana. Ein oft vermuteter Zusammenhang mit Karl Ludwig Sand als Namensgeber trifft nicht zu. In autobiografischen Schriften distanzierte sie sich von dessen Fanatismus. Sie war sich aber bewusst, dass die Namensgleichheit ihre Popularität in Deutschland beförderte. Mit dem Männernamen nahm sie auch die Gewohnheit an, Männerkleidung zu tragen und von sich in der maskulinen Form zu sprechen. Der als skandaloes empfundene Roman Indiana und das Nachfolgewerk Lélia (1833) machten sie in Frankreich und weit darüber hinaus berühmt. Sie zählte bald zu den bestbezahlten Schriftstellern ihrer Zeit, und viele ihrer Werke wurden rasch übersetzt.

1833 begann ihre Liebesbeziehung mit Alfred de Musset. Er beklagte sich über ihre Schaffenskraft: Während er zehn Verse schrieb und eine Flasche Schnaps trank, habe sie einen Liter Milch getrunken und ein halbes Buch geschrieben. Als de Musset auf einer Venedig-Reise erkrankte, verliebte sie sich in seinen Arzt Pietro Pagello und begann 1834 ein Verhältnis mit ihm. Bis 1835 korrespondierte sie weiter mit de Musset. Ihre Wohnsitze in Paris und Nohant wurden zu Treffpunkten von Künstlern. Zu ihrem Freundeskreis zählten Honoré de Balzac, Alexandre Dumas, Eugène Delacroix, Franz Liszt und dessen Geliebte Marie d'Agoult. Als angebliche Geliebte gilt auch die Schauspielerin Marie Dorval.

Durch Liszt lernte sie Frédéric Chopin kennen, mit dem sie 1838 eine Liebesbeziehung begann. Im November 1838 reiste sie mit ihren Kindern und Chopin nach Mallorca. Sie hoffte, das milde Klima werde Maurice' rheumatische Erkrankung und Chopins Tuberkulose bessern. Während Maurice sich erholte, verschlechterte sich Chopins Zustand in der schwer heizbaren Kartause von Valldemossa. Das Paar wurde von den Einheimischen gemieden. Nach 98 Tagen verliessen beide im Februar 1839 die Insel. Sand verarbeitete den Aufenthalt im Reisebericht Ein Winter auf Mallorca. Die Beziehung endete 1847. Die Gründe sind nicht überliefert, doch fielen sie in eine Zeit der Streitigkeiten um Solanges heimliche Verlobung mit dem mittellosen Bildhauer Auguste Clésinger.

In den 1840er Jahren wandte Sand sich in Romanen und Zeitungsartikeln sozialen Themen zu. 1841 gründete sie mit Pierre Leroux die sozialistische Revue indépendante und orientierte sich an seinem „Sozialevangelium". In Spiridion (1839) behandelte sie religionskritische Fragen. Der als Fortsetzungsroman erschienene Doppelroman Consuelo / La Comtesse de Rudolstadt (1842/1844) entwirft eine utopische Gesellschaft ohne Geschlechter- und Klassenunterschiede. Sie befürwortete die Februarrevolution 1848, zog nach Paris und übernahm die Verantwortung für das Bulletin de la République, das offizielle Organ der neuen Regierung. Louis Napoléon, den sie 1838 kennengelernt hatte, begrüßte sie zunächst als Staatspräsidenten. 1852 konnte sie das gute Verhältnis nutzen, um vier zum Tode verurteilten Sozialisten die Begnadigung zu erwirken. Nach seiner Kaiserkrönung kehrte sie enttäuscht nach Nohant zurück. Wegen verschärfter Zensur vernichtete sie politische Schriften und wandte sich unverfänglicheren Themen zu.

Von 1850 bis zu seinem Tod war der Kupferstecher Alexandre Manceau (1817–1865) ihr Lebensgefährte. Seit 1864 wohnten sie in Palaiseau, was zeitweise zum Konflikt mit ihrem Sohn führte. Solanges Ehe mit Clésinger wurde 1854 geschieden. Beide Toechter aus dieser Ehe und ein Sohn von Maurice starben jung, was Sand tief traf. Den beiden Töchtern von Maurice war sie eine liebevolle Großmutter und schrieb Märchen für sie; die jüngere, Aurore, starb 1961 mit 95 Jahren. In ihrem letzten Lebensjahrzehnt verband sie eine innige Freundschaft mit Gustave Flaubert. Diese drückte sich in zahlreichen Begegnungen und einem regen Briefwechsel aus. George Sand starb am 8. Juni 1876 auf ihrem Landsitz in Nohant im Alter von fast 72 Jahren und wurde im Park des Anwesens beigesetzt. Ein Teil ihres Besitzes ist heute im Musée de la Vie romantique in Paris zu sehen.


Literarische Merkmale

Mit dem Maennerpseudonym George Sand übernahm Aurore Dupin zugleich eine männliche Selbstinszenierung. Sie trug Männerkleidung, rauchte Zigarren und sprach von sich in der maskulinen Form. Diese Haltung prägt auch ihr Schreiben. Es wendet sich gegen die Rolleneinschränkungen der Frau im 19. Jahrhundert und fordert die gleichberechtigte Teilhabe aller Klassen am gesellschaftlichen Leben ein.

Ihr Werk bewegt sich zwischen Roman, Reisebericht, Märchen und journalistischem Essay. Romane wie Indiana und Lélia wirkten in ihrer Zeit skandaloes. Spiridion (1839) greift religionskritische Fragen auf. Der Doppelroman Consuelo / La Comtesse de Rudolstadt (1842/1844) zeichnet eine utopische Gesellschaft ohne Geschlechter- und Klassenunterschiede. Daneben stehen anschauliche autobiografische und reisende Prosa wie Ein Winter auf Mallorca sowie Märchen für ihre Enkelinnen.

Auffällig ist eine außerordentliche Schaffenskraft, die schon Zeitgenossen verblüfft hat. Alfred de Musset notierte, während er an einem Abend zehn Verse zustande brachte und eine Flasche Schnaps trank, habe sie einen Liter Milch getrunken und ein halbes Buch geschrieben. Ihr Oeuvre umfasst rund 180 Bücher, zahllose sozialkritische Zeitungsbeiträge und annähernd 40.000 Briefe, von denen etwa 15.000 erhalten sind. Damit gehört es zu den umfangreichsten des 19. Jahrhunderts.


Rezeption

Schon zu Lebzeiten zählte George Sand zu den bekanntesten und bestbezahlten Schriftstellern ihrer Zeit. Indiana und Lélia machten sie in Frankreich und weit darüber hinaus berühmt. Viele ihrer Werke wurden rasch in andere Sprachen übersetzt. Zu ihren Bewunderern zählten neben Alfred de Musset, Balzac und Flaubert auch Heinrich Heine sowie Fjodor Dostojewski und weitere russische Autoren. Marcel Proust lässt in Auf der Suche nach der verlorenen Zeit den Ich-Erzähler gleich zu Beginn über seine Kindheitslektüre Sands berichten, den Roman François das Findelkind. Am Ende des letzten Bandes greift er das Buch erneut auf: Im Bücherschrank der Gastgeber löst es zahlreiche Rückblenden aus, die ihn „die Zeit wiederfinden" lassen.

Nicht alle reagierten freundlich. Charles Baudelaire bezeichnete sie abschätzig als „Latrine". Friedrich Nietzsche notierte: „Ich halte diesen bunten Tapeten-Stil nicht aus; ebensowenig als die Pöbel-Ambition nach generösen Gefühlen." Er sprach von einer „unausstehlichen Künstlerin", die sich aufgezogen habe „wie eine Uhr – und schrieb". Er nannte sie eine „fruchtbare Schreibe-Kuh", die nur „beim Niedergang des französischen Geschmacks möglich" gewesen sei.

Ihr Roman Consuelo bildete die Grundlage der gleichnamigen Opern von Alfonso Rendano (1888) und Giacomo Orefice (1895). Im Tafelservice berühmter Frauen von Vanessa Bell und Duncan Grant (1934) wurde Sand ein Teller gewidmet. Auch im Film lebt ihre Gestalt fort: Geza von Bolvarys „Abschiedswalzer" (1934) mit Sybille Schmitz, „Ein Winter auf Mallorca" (1981) mit Eleonore Weisgerber, „Verliebt in Chopin" (Impromptu, 1991) mit Judy Davis, Andrzej Żuławskis „Blue Note" (1991) mit Marie-France Pisier, „Das Liebesdrama von Venedig" (1999) mit Juliette Binoche und „Chopin – Sehnsucht nach Liebe" (2002) mit Danuta Stenka. Auch im Himmel ist ihr Name verzeichnet: Der Asteroid (10733) Georgesand trägt ihren Namen.

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