Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
Autoreneintrag · Carl Sandburg
Eingang · Autoren · Carl Sandburg
Porträt Carl Sandburg
Carl Sandburg
1878 – 1967
– Autorenporträt –

Carl Sandburg

1878 – 1967 · 89 Jahre

Dichter des amerikanischen Mittleren Westens, der Chicago als Arbeiterstadt besang und für seine sechsbändige Lincoln-Biographie den Pulitzer-Preis erhielt.

Kurzbiografie↑

Carl Sandburg war ein amerikanischer Dichter, Journalist und Historiker. Er stammte aus einer schwedischstämmigen Arbeiterfamilie in Illinois und machte die Sprache der einfachen Leute des Mittleren Westens zum Material seiner Gedichte. Berühmt wurde er 1916 mit dem Band Chicago Poems, in dem er die Großstadt als raue Arbeitsstadt besingt. Daneben schrieb er eine mehrbändige Biographie Abraham Lincolns, für die er 1940 den Pulitzer-Preis für Geschichte erhielt. Im deutschsprachigen Raum kennt man vor allem eine Zeile aus seinem Gedicht The People, Yes, die meist mit „Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin“ übersetzt wird.


Biografie↑

Geboren wurde Carl August Sandburg am 6. Januar 1878 in Galesburg im US-Bundesstaat Illinois. Seine Eltern stammten aus Schweden, der Vater arbeitete als Schmied und bei der Eisenbahn. Sandburg wuchs im Mittleren Westen auf und verließ mit dreizehn Jahren die Schule. In den Jahren danach schlug er sich mit den verschiedensten Gelegenheitsarbeiten durch, unter anderem als Maler.

Im Spanisch-Amerikanischen Krieg meldete er sich freiwillig. Er nahm 1898 an der Landung in Guánica auf Puerto Rico teil, geriet aber nicht in Kämpfe. Danach versuchte er es kurz in West Point. Nach eigenen Worten scheiterte er dort an den Eingangstests in Grammatik und Rechnen und blieb nur zwei Wochen. Anschließend besuchte er das Lombard College in seiner Heimatstadt Galesburg. 1903 verließ er es ohne Abschluss.

In Milwaukee trat Sandburg der sozialdemokratischen Partei bei und wurde Sekretär des Bürgermeisters Emil Seidel. Dort lernte er auch Lilian Steichen kennen, genannt Paula. Sie war die Schwester des Fotografen Edward Steichen. 1908 heirateten die beiden; aus der Ehe gingen drei Töchter hervor. Erste Gedichtbände hatte Sandburg bereits 1904 veröffentlicht, damals noch unter dem Namen Charles Sandburg mit In Reckless Ecstasy.

Von 1912 bis 1928 lebte er in Chicago und Umgebung. Er arbeitete als Reporter für das Blatt Day Book und ab 1919 für die Chicago Daily News. Im Ersten Weltkrieg war er Kriegskorrespondent; diese Erfahrungen flossen in den Band Cornhuskers von 1918 ein. Den Durchbruch brachte ihm 1916 der Gedichtband Chicago Poems. Darin nennt er die Stadt unter anderem „Hog Butcher for the World“ und „City of the Big Shoulders“. Als Dichter zählte er zu den wichtigen Vertretern der sogenannten Chicago Renaissance vom Anfang des 20. Jahrhunderts.

Für seine eigenen Töchter erfand Sandburg Kindergeschichten, die 1922 als Rootabaga Stories und 1923 als Rootabaga Pigeons erschienen. Statt der Ritter und Feen europäischer Märchen bevölkerte er darin ein erfundenes „Rootabaga Country“ mit Figuren aus dem amerikanischen Mittleren Westen. Daneben sammelte er amerikanische Volkslieder und gab sie 1927 unter dem Titel The American Songbag heraus; 1950 folgte der New American Songbag.

Ebenfalls in Chicago begann sein größtes Arbeitsvorhaben: eine sechsbändige Biographie Abraham Lincolns. Sie reicht von Abraham Lincoln: The Prairie Years aus dem Jahr 1926 bis zu Abraham Lincoln: The War Years von 1939. Für Kinder schrieb er 1928 zusätzlich Abe Lincoln Grows Up, 1932 folgte eine Biographie von Lincolns Ehefrau Mary Lincoln. 1929 verfasste er außerdem die Biographie seines Schwagers Edward Steichen. Für die Kriegsjahre-Bände erhielt er 1940 den Pulitzer-Preis für Geschichte, einen weiteren Pulitzer-Preis bekam er für seine gesammelten Gedichte.

1928 zog Sandburg nach Harbert in Michigan. In der Wirtschaftskrise der dreißiger Jahre engagierte er sich wieder in der sozialistischen Bewegung. Seit 1933 gehörte er der American Academy of Arts and Letters an. Ab 1945 lebte er in Flat Rock in North Carolina auf dem Anwesen „Connemara“, das heute vom National Park Service verwaltet wird. Dort konnte er in Ruhe schreiben, während seine Frau die Landwirtschaft führte.

Sein einziger Roman Remembrance Rock erschien 1948. Fünfmal wirkte er an Drehbüchern für Film und Fernsehen mit; das erste schrieb er 1941 für den Dokumentarfilm Bomber. Für den Katalog der Ausstellung The Family of Man, die Edward Steichen kuratierte, verfasste er das Vorwort. 1959 erhielt er einen Grammy für seine Aufnahme von Aaron Coplands Lincoln Portrait mit den New Yorker Philharmonikern. Joe DiMaggio hatte sich gewünscht, dass Sandburg die Trauerrede am Sarg von Marilyn Monroe halte; da Sandburg gesundheitlich dazu nicht in der Lage war, übernahm am 8. August 1962 ihr Schauspiellehrer Lee Strasberg mit einer eigenen Rede diese Aufgabe. Auch autobiographisch trat Sandburg hervor, 1953 mit Always the Young Strangers; Ever the Winds of Change erschien erst 1983. Er starb am 22. Juli 1967 in Flat Rock.

Hinzuweisen ist auf eine Unstimmigkeit in den Angaben zum Sterbeort: Datenbanken führen Flat Rock teils unter Michigan, tatsächlich liegt der Ort in North Carolina.


Literarische Merkmale↑

Kennzeichnend für Sandburgs Dichtung ist der Griff zur Alltagssprache. Er verwendete vielfach die Sprache der Arbeiterklasse des Mittleren Westens, etwa in The Chicago Race Riots von 1919 und in The People, Yes von 1936. Seine Gedichte auf Chicago arbeiten mit knappen, kräftigen Zurufen: Die Stadt wird als Schlachter, Werkzeugmacher und Umschlagplatz der Eisenbahnen angesprochen, stürmisch und breitschultrig.

Dazu passt sein Interesse am Volkslied. Sandburg sammelte amerikanische Folksongs und veröffentlichte sie in eigenen Bänden. Dieselbe Nähe zum gesprochenen, gesungenen Wort prägt auch seine Kindergeschichten. In den Rootabaga-Büchern ersetzte er das europäische Märchenpersonal durch eine erfundene Landschaft des amerikanischen Mittleren Westens.

Als Historiker und Biograph arbeitete er im großen Format. Die Lincoln-Darstellung wuchs über mehr als ein Jahrzehnt auf sechs Bände an, und er legte daneben eine eigene Fassung für Kinder vor. Sein Werk umfasst so Lyrik, Sachbuch, Kinderbuch, Liedersammlung, einen Roman und autobiographische Bücher.


Rezeption↑

Bekannt wurde Sandburg vor allem durch seine Gedichte und durch die Lincoln-Biographie. Für den Band über die Kriegsjahre erhielt er 1940 den Pulitzer-Preis für Geschichte, für die gesammelten Gedichte ebenfalls einen Pulitzer-Preis. 1933 wurde er in die American Academy of Arts and Letters aufgenommen, 1959 kam ein Grammy für eine Schallplattenaufnahme hinzu. Als Dichter gilt er als einer der wichtigen Vertreter der Chicago Renaissance.

Im deutschsprachigen Raum ist Sandburg vor allem durch eine einzige Zeile präsent. Der Vers „Sometime they'll give a war and nobody will come“ aus The People, Yes wird meist mit „Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin“ wiedergegeben. Der Satz wurde zum geflügelten Wort und gelegentlich fälschlich Bertolt Brecht zugeschrieben.

Übersetzungen erschienen seit den Nachkriegsjahren, darunter die Gedichtauswahl Guten Morgen, Amerika 1948, die Lincoln-Biographie 1958 unter dem Titel Abraham Lincoln: Das Leben eines Unsterblichen und 1964 Das Volk, jawohl. Auch seine Kinderbücher wurden ins Deutsche gebracht, zuletzt 2013 Die Hochzeit von Lumpenpüppchen und Besenstiel und wer alles dabei war. Sein Anwesen „Connemara“ in Flat Rock wird heute vom National Park Service betreut. Zu seinem Werk liegen mehrere amerikanische Monographien vor, unter anderem von Gay W. Allen, North Callahan und Richard Crowder.

Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →

Aus dem Werkverzeichnis↑

Vollständiges Werkverzeichnis bei Wikipedia (19 weitere Titel)

meisterwerke-der-worte.de · Auszug aus dem Lexikon · Alle Rechte vorbehalten