1210 – 1298
Guan Hanqing
Kurzbiografie↑
Guan Hanqing zählt zu den bedeutendsten chinesischen Dramatikern der Yuan-Zeit, also der Epoche der Mongolenherrschaft. Geboren wurde er um 1210, gestorben ist er um 1298. Er schrieb rund 65 Bühnenstücke in der gesprochenen Sprache seiner Umgebung. Eines seiner bekanntesten Werke ist Dou E yuan, die Geschichte einer Frau, der bitteres Unrecht geschieht. Zusammen mit Ma Zhiyuan, Zheng Guangzu und Bai Pu wird er zu den vier großen yuanqu-Dichtern gerechnet.
Biografie↑
Über die Lebensdaten Guan Hanqings gibt es keine gesicherte Übereinstimmung. Die Angaben schwanken: Verbreitet ist die Datierung „geboren um 1230, gestorben um 1300“; andere Nachschlagewerke setzen die Geburt bereits um 1210 und den Tod gegen Ende des 13. Jahrhunderts an. Als Geburtsort wird Zhongdu genannt, als Sterbeort Cambaluc.
Guan Hanqing lebte in einer politisch bewegten Zeit. Sein Leben fiel in den Übergang von der Jin-Dynastie zur Herrschaft der Mongolen, die als Yuan-Dynastie über China regierten. Den größten Teil seiner späteren Jahre verbrachte er in Dadu. Dort entstand auch der Hauptteil seines Werks.
Er war nicht nur Autor, sondern arbeitete auch als Schauspieler; die Deutsche Nationalbibliothek führt ihn als Dramatiker, Lyriker und Schauspieler. Diese Nähe zur Bühne prägte sein Schaffen. In Dadu verfasste er etwa 65 Stücke, und zwar in der örtlich gesprochenen Sprache, nicht in einem gelehrten Idiom.
Zu seinen bekanntesten Dramen gehören Dou E yuan, auf Deutsch etwa „Ungerechtigkeit gegenüber Dou E“, ferner Hudiemeng, der Schmetterlingstraum, und Jiufengchen, die Rettung einer Prostituierten. Weitere Titel überliefert die Sammelausgabe Da Zhonghua Wenku, darunter Guan Da Wang Du Fu Dan Dao Hui, in dem der Feldherr Guan allein zum Gastmahl der Feinde geht, sowie Gui Yuan Jia Ren Bai Yue Ting, bekannt als der Pavillon der Mondanbetung. Dazu kommen Bao Dai Zhi Zhi Zhan Lu Zhai Lang, Wang Jiang Ting Zhong Qiu Qie Kuai Dan, der Pavillon am Fluss, Wen Tai Zhen Yu Jing Tai mit dem jadenen Spiegelständer und Deng Fu Ren Ku Tong Ku Cun Xiao über den Tod eines Generals.
Sein Grab, das Guan Hanqing mu, steht auf der Denkmalliste der Provinz Hebei. Erhalten ist auch der Ort seiner ehemaligen Wohnstätte.
Literarische Merkmale↑
Guan Hanqing schrieb seine Stücke in der lokalen Umgangssprache. Das unterschied sie von einer gelehrten, an klassischen Vorbildern geschulten Schriftsprache und machte sie für ein breites Publikum verständlich. Seine Arbeit gehört zur Gattung des zaju, des Yuan-zeitlichen Singspiels, in dem gesprochene Passagen und Gesangsteile ineinandergreifen.
Auffällig ist der Umfang seines Schaffens. Rund 65 Stücke sind ihm zugeschrieben, was ihn zu einem der produktivsten Autoren seiner Zeit macht. Die Stoffe reichen vom Gerichtsdrama über den Historienstoff bis zur listenreichen Komödie: In Dou E yuan steht ein himmelschreiendes Fehlurteil im Mittelpunkt, in Jiufengchen rettet eine kluge Frau eine andere aus dem Freudenhaus. Häufig treten Frauenfiguren als handelnde, nicht bloß erleidende Gestalten auf.
Rezeption↑
Guan Hanqing gilt als einer der angesehensten Dramatiker der Yuan-Periode; seine Stücke werden als ein Höhepunkt der chinesischen Bühnendichtung dieser Epoche beschrieben. Gemeinsam mit Ma Zhiyuan, Zheng Guangzu und Bai Pu bildet er die Gruppe der vier großen yuanqu-Dichter. Sein Rang zeigt sich auch an einem Beinamen: Der jüngere zaju-Dramatiker Gao Wenxiu wurde „Kleiner Hanqing“ genannt, in Anspielung auf den Großen.
Sein Werk blieb über Jahrhunderte lebendig. Dou E yuan wurde im Lauf der Zeit immer wieder umgearbeitet, im 20. Jahrhundert mehrfach verfilmt und als Oper vertont. Nach Europa kam das Stück schon früh: Antoine Pierre Louis Bazin nahm es 1838 in seine französische Sammlung chinesischer Theaterstücke auf.
Im 20. Jahrhundert erschienen mehrere Ausgaben und Übersetzungen. Xianyi Yang und Gladys Yang legten 1958 ausgewählte Stücke in englischer Sprache vor; eine zweite Auflage folgte 1979. 1958 erschien außerdem eine chinesische Werksammlung, 2004 eine Auswahl in der Reihe Library of Chinese Classics. In die 2014 veröffentlichte Columbia Anthology of Yuan Drama wurde er ebenfalls aufgenommen. Für den deutschen Sprachraum untersuchte W. Oberstenfeld in einer 1983 erschienenen Dissertation eigens die Aufnahme Guan Hanqings in der Volksrepublik China zwischen 1954 und 1965 und legte dabei eine kommentierte Übersetzung des Singspiels vom Goldfadenteich vor.
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