1902 – 1989
Nicolás Guillén
Kurzbiografie↑
Der kubanische Dichter Nicolás Guillén wurde 1902 in Camagüey geboren und starb 1989 in Havanna. Er brachte die afrokubanische Tradition seines Landes in die Literatur, die dort lange kaum beachtet worden war. Für ihn war die kubanische Kultur eine Mischkultur, und diese Mischung wollte er auch in seinen Versen hörbar machen: spanische Versmaße verband er mit afrikanischen Elementen. Der Rhythmus des Son prägt viele seiner Gedichte. Neben dem Schreiben arbeitete er als Journalist; politisch stand er der Kommunistischen Partei Kubas nahe, nach der Revolution von 1959 wurde er zum ersten Vorsitzenden des staatlichen Schriftsteller- und Künstlerverbandes UNEAC gewählt.
Biografie↑
Geboren wurde Nicolás Cristóbal Guillén Batista am 10. Juli 1902 in Camagüey auf Kuba. Sein Vater, ebenfalls Nicolás Guillén, war Journalist, seine Mutter hieß Argelia Batista Arrieta. Guillén war Mulatte, und diese Herkunft aus zwei Kulturen sollte sein ganzes Werk bestimmen. Der Vater wurde 1917 bei einem politischen Aufstand von Soldaten erschossen.
Erste Gedichte veröffentlichte Guillén 1920 in lokalen Zeitungen in Camagüey und Manzanillo. 1922 begann er an der Universität von Havanna ein Jurastudium, brach es aber schon kurz darauf ab und wandte sich dem Journalismus zu. Nach einem längeren Aufenthalt in seiner Heimatstadt kehrte er nach Havanna zurück. Dort lernte er Federico García Lorca kennen, der auf Einladung von Fernando Ortiz zu einer Lesereise nach Kuba gekommen war.
1930 erschien mit Motivos de son jener Gedichtband, der den Rhythmus des Son in die Lyrik holte. Ein Jahr später folgte Sóngoro cosongo; poemas mulatos, 1934 dann West Indies, Ltd.
Politisch bezog Guillén zunehmend Stellung. 1937 trat er der Kommunistischen Partei Kubas bei. Im selben Jahr reiste er nach Spanien, wo Bürgerkrieg herrschte, zum Zweiten Internationalen Schriftstellerkongress zur Verteidigung der Kultur, veranstaltet von der Allianz antifaschistischer Intellektueller. Aus diesem Jahr stammen auch zwei Bände: Cantos para soldados y sones para turistas und España. Poema en cuatro angustias y una esperanza. 1940 kandidierte er bei den Bürgermeisterwahlen in Camagüey für die Kommunisten, die damals unter dem Namen Unión Revolucionaria Comunista auftraten.
1947 erschien El son entero, 1951 die Elegía a Jesús Menéndez sowie Las coplas de Juan Descalzo. 1953 musste Guillén Kuba verlassen und ging nach Paris. Erst der Sieg der kubanischen Revolution von 1959 ermöglichte ihm die Rückkehr.
In den Jahren danach war Guillén eine feste Größe im Kulturleben des Landes. 1961 wurde er zum ersten Vorsitzenden der UNEAC gewählt, des staatlichen kubanischen Schriftsteller- und Künstlerverbandes. Im selben Jahr erschien der Prosaband Prosa de prisa. Es folgten 1964 Poemas de amor, Tengo und die Antología mayor, 1967 El gran zoo, 1969 Cuatro canciones para el Che. 1972 kamen La rueda dentada und Diario que a diario heraus, 1979 die Nueva antología mayor.
Nicolás Guillén starb am 16. Juli 1989 in Havanna, wenige Tage nach seinem 87. Geburtstag.
Literarische Merkmale↑
Kennzeichnend für Guilléns Dichtung ist die Verbindung zweier Überlieferungen. Er verstand die kubanische Kultur als Mischkultur und wollte diese Sicht in der Form seiner Gedichte selbst sichtbar machen: spanische Metrik trifft bei ihm auf afrikanische Elemente. Diese Verbindung schwarzer und weißer Kulturtraditionen Kubas gehört zu dem, was als Mulataje bezeichnet wird.
Besonders auffällig sind die lautmalerischen Wörter, mit denen er arbeitet. Ausdrücke wie „Sóngoro Cosongo“ oder „Mayombe-bombe“ bilden keinen Begriff ab, sondern einen Klang. Auf diese Weise versuchte Guillén, den Rhythmus des Son in die geschriebene Sprache zu übertragen. Das Gedicht soll nicht nur gelesen, sondern gehört werden.
Rezeption↑
Guilléns Verse haben auch Komponisten angezogen. Die Symphonie Sensemayá von Silvestre Revueltas geht auf ein Gedicht von ihm zurück, ebenso eine gleichnamige Komposition von Werner Heider.
Nach der Revolution von 1959 wurde Guillén auch offiziell zur Leitfigur: 1961 wählte man ihn zum ersten Vorsitzenden des staatlichen Schriftsteller- und Künstlerverbandes UNEAC. Literatur von und über Guillén ist in deutschen Katalogen erfasst, unter anderem im Katalog des Ibero-Amerikanischen Instituts Preußischer Kulturbesitz in Berlin. In der Deutschen Biographie ist Guillén als Indexeintrag verzeichnet; dort erscheint er zudem im Zusammenhang mit Erich Arendt.
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