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Werkseintrag · Fêtes galantes
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Cover Fêtes galantes
Fêtes galantes
1869
– Werkseintrag –

Fêtes galantes

1869 · Lyrik

Mondlicht, Masken und Mandolinen: in einem verzauberten Park spielen Verlaines verkleidete Liebespaare ein anmutiges Spiel, das immer schwermütiger schimmert.

Überblick

Der Gedichtband Fêtes galantes von Paul Verlaine erschien 1869 in Paris. Es ist die zweite Sammlung, die der Dichter unter seinem Namen veröffentlichte, nach Poèmes saturniens aus dem Jahr 1866. Der Band versammelt 22 kurze Gedichte in wechselnden Versmaßen. Sie zeigen Szenen der Verführung und des Liebesspiels mit Figuren aus der italienischen Stegreifkomödie, der Commedia dell'arte, vor dem Hintergrund einer verfeinerten, ländlich-festlichen Welt. Der Titel und die Bildwelt knüpfen an die galanten Festgemälde des Malers Antoine Watteau an. Nach zunächst geringer Beachtung gilt der Band heute als eine der gelungensten Sammlungen Verlaines.

Inhalt (ohne Spoiler)

Eingeladen wird der Leser in eine künstliche, parkähnliche Welt aus Mondlicht, Springbrunnen und stillen Alleen. Durch sie bewegen sich Gestalten aus der Commedia dell'arte: Pierrot, Colombine, kleine Marquis und ihre Damen. Sie tändeln, tanzen, musizieren und tauschen Liebesschwüre. Mandolinen klingen, Masken verbergen die Gesichter, und immer wieder mischt sich Verspieltes mit einem Hauch von Schwermut.

Die einzelnen Gedichte fügen sich nicht zu einer durchgehenden Geschichte, sondern zu einer Folge von Bildern und Stimmungen. Schon früh klingt zwischen all der Anmut ein leiser Zweifel an: Ob diese Liebesspiele wirklich Glück bringen oder nur ein schönes Spiel bleiben, schwingt in vielen Versen mit. Wie sich diese Spannung zwischen Heiterkeit und Vergeblichkeit am Ende auflöst, soll hier offenbleiben.

Die Handlung im Detail

Statt einer fortlaufenden Handlung entfaltet die Sammlung eine durchgehende Stimmung. Den Auftakt macht das Gedicht Clair de lune (Mondlicht), das gleich zu Beginn das Bild der Seele als verzauberte Landschaft entwirft: Hinter den verkleideten Tänzern und Lautenspielern verbirgt sich eine Traurigkeit, die ihrer eigenen Verkleidung kaum glaubt. Damit ist der Ton gesetzt, der die ganze Sammlung durchzieht.

In den folgenden Gedichten ziehen die Figuren der Commedia dell'arte und die kleinen Marquis durch Park und Garten. Sie wandeln über Alleen und Rasenflächen, ruhen in Grotten, spielen Pantomime und singen zu Mandolinenklängen. Stücke wie Mandoline, Pantomime, Les Ingénus (Die Arglosen) oder Le Faune (Der Faun) malen einzelne Szenen dieses Liebes- und Maskenspiels aus. Auf den ersten Blick wirkt alles wie eine Reihe heiterer Watteau-Fantasien, getragen von leichtem, klingendem Versspiel.

Doch nach und nach legt sich das Gefühl von Scheitern und von der Vergeblichkeit dieser Liebesspiele über die Sammlung. Hinter der Anmut der kleinen Marquis und der Colombinen wird eine wachsende Ernüchterung spürbar. Diese Bewegung von der Verspieltheit zur Schwermut führt bis zum Schlussgedicht Colloque sentimental (Empfindsames Zwiegespräch): Zwei Gestalten gehen durch einen alten, einsamen Park und sprechen von ihrer einstigen Liebe. Der eine erinnert sich an die Glut von früher, der andere hat alles vergessen; die Vergangenheit lässt sich nicht zurückrufen. Mit diesem nüchternen, melancholischen Ausklang schließt sich der Bogen, der mit dem trügerischen Glanz des Mondlichts begonnen hatte.

Stil

Kennzeichnend ist die enge Verbindung von Malerei, Musik und Sprache. Verlaine knüpft an die galanten Festszenen des Malers Antoine Watteau an, ahmt sie aber nicht bloß nach, sondern findet in dieser überlieferten Bildwelt eine Form, die seinen eigenen Empfindungen entspricht. Die Gedichte sind kurz, mit knappen Versmaßen und kleinen Strophen gebaut, und sie spielen reich mit den Mitteln des Verses, mit Klang, Rhythmus und Reim.

Die Reize liegen besonders im Räumlichen und im Visuellen. Verlaine erzeugt eine eigentümliche Unschärfe von Raum, Zeit und Gedanken, eine fließende Bewegung der Bilder, aus der eine starke Musikalität erwächst. Genau aus dieser Musikalität gewinnt die Dichtung eine neue Wirkung. Die Spannung zwischen heftigen Gefühlen und den zierlichen, künstlichen Schauplätzen, in denen sie auftreten, trägt den ästhetischen Reiz der Sammlung.

Auffällig ist auch der nächtliche Grundton. Während Watteaus Feste im Tageslicht spielen, sind Verlaines galante Feste von Mondlicht und Dämmerung erfüllt. Damit reiht sich der Band in die Vorliebe für das Nächtliche ein, die in der Pariser Dichtung jener Jahre verbreitet war.

Rezeption

Nach dem Erscheinen blieb der Band zunächst fast ohne Wirkung. Francis Magnard, damals Leiter von Le Figaro, lehnte die Sammlung in einem Artikel vom 25. März 1869 ab; aus moralischen Gründen ließ er bei einem zitierten Gedicht eine erotisch anspielende Schlusszeile durch eine punktierte Linie ersetzen. Anerkennung kam dennoch von gewichtiger Seite: Victor Hugo äußerte sich am 16. April 1869 lobend, und Théodore de Banville erwähnte den Band am 19. April 1869 in der Zeitung Le National.

Besondere Aufmerksamkeit erregte die Sammlung bei dem jungen Arthur Rimbaud, der sie 1870 las und in einem Brief vom 25. August 1870 an Georges Izambard daraus zitierte. Von den 1880er Jahren an wandelte sich das Urteil rasch: Der Band galt nun als eine der besten Sammlungen Verlaines, in der seine dichterische Eigenart am stärksten hervortrete. Der junge Dichter Jules Tellier, ein Freund Verlaines, sah in seinem Buch Nos Poètes von 1888 in den galanten Festen sogar dessen Hauptwerk.

Weit reichte die Wirkung auf die spanischsprachige Dichtung. Der französische Symbolismus, dem Verlaine zugerechnet wird, wurde zu einem wichtigen Vorläufer des Modernismo in Spanien und Hispanoamerika. Auf den Nicaraguaner Rubén Darío wirkte Verlaine unmittelbar, auf den spanischen Dichter Manuel Machado in großem Maße; Machado übernahm Form, Innigkeit und Unschärfe ebenso wie die Figuren der Commedia dell'arte. Auch in der Musik fand der Band ein Echo: Claude Debussy vertonte mehrere Gedichte aus der Sammlung, darunter Clair de lune, En sourdine, Fantoches und Colloque sentimental; Gabriel Fauré vertonte ebenfalls Verse daraus, unter anderem sein Clair de lune op. 46 (1887).

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