1954
Zeit zu leben und Zeit zu sterben
Überblick↑
Der Roman Zeit zu leben und Zeit zu sterben stammt von Erich Maria Remarque. Die deutschsprachige Originalausgabe erschien 1954 im Verlag Kiepenheuer und Witsch. Das Werk erzählt von einem Wehrmachtssoldaten, der mitten im Zweiten Weltkrieg für wenige Wochen Fronturlaub erhält und in der zerbombten Heimat eine kurze, intensive Liebe erlebt. Schon der Titel stellt Leben und Tod, Glück und Vernichtung dicht nebeneinander – das Grundthema des ganzen Buches. 1958 wurde der Roman in den USA unter dem Titel A Time to Love and a Time to Die verfilmt.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Winter und Frühjahr 1944 erlebt der Soldat Ernst Gräber die Schrecken des Zweiten Weltkriegs an der Ostfront. Als sein Fronturlaub bewilligt wird, darf er für drei Wochen in seine Heimatstadt zurückkehren. Dort findet er vieles zerstört vor: Sein Elternhaus ist von Bomben getroffen, und von seinen Eltern fehlt jede Spur. Bei der Suche nach ihnen begegnet er Elisabeth, der Tochter des früheren Hausarztes seiner Familie, deren Vater wegen regimekritischer Äußerungen verhaftet wurde.
Zwischen Gräber und Elisabeth entsteht in den folgenden Tagen eine Liebe, die sich gegen die Trümmer, die Luftangriffe und die ständige Angst vor dem Naziregime behaupten muss. Gräber trifft alte Bekannte wieder – einen zum Kreisleiter aufgestiegenen Klassenkameraden und seinen einstigen Lehrer, der nun in einer Ruine lebt. Mit diesem spricht er über sein wachsendes Gewissensproblem: Er weiß, dass er nach dem Urlaub an die Front zurückkehren und weiter ein verbrecherisches System verteidigen muss. Wie er zwischen dem kurzen Glück und der drohenden Rückkehr in den Krieg seinen Weg sucht, bildet den Kern der Erzählung.
Die Handlung im Detail↑
Im Winter und Frühjahr 1944 ist der Wehrmachtssoldat Ernst Gräber an der Ostfront eingesetzt. In einem zerstörten ukrainischen Dorf wird er gezwungen, an der Erschießung von Partisanen teilzunehmen. Kurze Zeit später wird sein Fronturlaub bewilligt, und er fährt für drei Wochen in die Heimat.
In seiner Heimatstadt sind durch Bombenangriffe viele Häuser zerstört, darunter auch sein Elternhaus. Seine Eltern trifft er nicht an. Die durch die Angriffe überlasteten Behörden können ihm bei der Suche nicht helfen. Er sucht den ehemaligen Hausarzt seiner Eltern auf, trifft dort aber nur dessen Tochter Elisabeth an. Der Arzt wurde wegen regimekritischer Äußerungen verhaftet und sitzt im Konzentrationslager; Elisabeth muss in einer Fabrik Uniformmäntel nähen. In den folgenden Tagen kommen sich Gräber und Elisabeth näher und verlieben sich. Von einem Kameraden aus der Kaserne, in der er übernachtet, leiht Gräber sich eine Unteroffiziers-Uniform, um Elisabeth darin in ein nobles Restaurant auszuführen. Der Abend wird durch einen Luftangriff und die Flucht der Gäste in den Luftschutzkeller unterbrochen. Schließlich heiraten die beiden, weil Gräber glaubt, Elisabeth wäre als Frau eines Frontsoldaten besser versorgt und vor Übergriffen des Naziregimes geschützt.
Zufällig trifft Gräber seinen alten Klassenkameraden Alfons Binding, der inzwischen zum Kreisleiter aufgestiegen ist. Binding bewohnt eine Villa mit Haushälterin und riesigen Lebensmittel- und Alkoholvorräten. Gräber verachtet ihn, nutzt dessen Großzügigkeit aber aus, um sich und Elisabeth ernähren zu können. Später wird Binding durch einen Luftangriff auf seine Villa getötet.
Gräber besucht seinen ehemaligen Lehrer Pohlmann, der wegen seiner oppositionellen Haltung aus dem Schuldienst entlassen wurde. Pohlmann lebt in einer Ruine und versteckt dort den Juden Jakob. Gräber unterstützt die beiden mit Lebensmitteln aus Bindings Vorrat und spricht mit Pohlmann über seine Gewissenskonflikte: Er weiß, dass er nach seiner Rückkehr an die Front weiter ein verbrecherisches System verteidigen muss. Pohlmann kann sein Gewissen jedoch nicht mit einfachen Antworten beruhigen. Als Elisabeths Wohnung bei einem weiteren Bombenangriff zerstört wird, kommen die beiden zunächst bei Pohlmann unter. Gegen Ende des Urlaubs erfährt Gräber durch Jakob, dass Pohlmann von der Gestapo verhaftet wurde.
Elisabeth erhält eine Vorladung von der Gestapo. Gräber fängt sie ab und geht selbst hin, aus Angst vor einer möglichen Verhaftung Elisabeths. In der Dienststelle wird er über den Tod von Elisabeths Vater informiert und nimmt dessen Asche in einer Zigarrenkiste entgegen. Den Tod verschweigt er Elisabeth. Später finden die beiden ein noch unzerstörtes Restaurant mit Pension, in dem sie die letzte Nacht vor Gräbers Abreise verbringen. Elisabeth sagt, sie hoffe, ein Kind von ihm zu bekommen. Während Gräber in eine so grausame Welt kein Kind setzen möchte, das womöglich im nächsten Krieg kämpfen muss, entgegnet Elisabeth: „Sollen nur die Barbaren welche haben? Wer soll dann die Welt wieder in Ordnung bringen?"
Gräber kehrt per Zug an die Front zurück, die inzwischen weit zurückverlegt wurde. Von seinen alten Kameraden sind viele gefallen oder verwundet; sie wurden durch junge, schlecht ausgebildete Rekruten ersetzt. Erneut werden vier Zivilisten als angebliche Partisanen festgenommen. Gräber übernimmt ihre Bewachung, um zu verhindern, dass Steinbrenner, ein überzeugter Nazi und ehemaliger KZ-Aufseher, das tut. Gräber spielt mit dem Gedanken, die Gefangenen heimlich freizulassen. Einer von ihnen, der etwas Deutsch spricht, bietet ihm sogar an, gemeinsam zu fliehen. Als die Rote Armee das Dorf überrollt und Gräbers Truppe sich weiter nach Westen zurückzieht, will Steinbrenner die Gefangenen erschießen. Im letzten Moment entschließt sich Gräber, Steinbrenner zu erschießen und die Gefangenen freizulassen. Da diese sich nicht aus ihrer Zelle trauen, wirft Gräber sein Gewehr weg und macht sich auf den Weg zu seiner Truppe. Daraufhin verlassen die Gefangenen die Zelle – einer von ihnen nimmt sich Gräbers Gewehr und erschießt ihn.
Stil↑
Geprägt ist der Roman vom Wechsel zwischen zwei Welten, die unmittelbar aneinanderstoßen: das Grauen der Ostfront und die zerbombte Heimat, der Krieg und die kurze Liebe. Schon der Titel setzt diesen Gegensatz – Zeit zum Leben und Zeit zum Sterben – als Bauprinzip des ganzen Werks. Die Erzählung folgt dem Soldaten Ernst Gräber und nimmt durchweg dessen Blick ein. So rücken die Schrecken des Krieges und die quälenden Gewissensfragen ganz nah an den Leser heran.
Die großen Fragen werden nicht abstrakt verhandelt, sondern in konkreten Szenen greifbar: ein Essen in geliehener Uniform, Lebensmittel aus dem Vorrat eines Profiteurs, eine Asche in einer Zigarrenkiste. Gespräche – etwa die mit dem alten Lehrer Pohlmann – tragen die moralischen Konflikte, ohne sie in einfache Antworten aufzulösen.
Rezeption↑
Bekannt geworden ist der Stoff auch über die Leinwand: 1958 wurde der Roman in den USA unter dem Titel A Time to Love and a Time to Die verfilmt.
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