1938
Drei Kameraden
Überblick↑
Drei Kameraden ist ein Roman von Erich Maria Remarque, der 1938 auf Deutsch im Exilverlag Querido in Amsterdam erschien (zuvor war er 1936 in dänischer und 1937 in englischer Übersetzung herausgekommen) – Remarque lebte zu diesem Zeitpunkt bereits im Exil, seine Bücher waren in Deutschland verboten. Gewidmet ist das Werk Ilse Jutta Zambona, seiner ersten Frau. Der Roman erzählt von drei Männern, die den Ersten Weltkrieg überlebt haben und sich im Berlin der späten zwanziger Jahre mit einer kleinen Autowerkstatt über Wasser halten. Er gehört zu den bekanntesten Büchern Remarques und wurde 1938 unter dem Titel Three Comrades von Frank Borzage in Hollywood verfilmt.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Erzählt wird das Leben dreier Freunde in einer großen, namentlich nicht genannten deutschen Stadt – vermutlich Berlin – in der zweiten Hälfte des Jahres 1928 und zu Beginn des Jahres 1929. Robert „Robby“ Lohkamp, Otto Köster und Gottfried Lenz haben gemeinsam den Ersten Weltkrieg überlebt und betreiben nun eine kleine Autowerkstatt. Die Einkünfte reichen kaum zum Leben; Korruption, Arbeitslosigkeit und Hoffnungslosigkeit prägen die Welt um sie herum. Bei einem Ausflug lernen die drei das Mädchen Patrice „Pat“ Hollmann kennen, die aus besseren Verhältnissen stammt. Zwischen Robert und Pat entwickelt sich eine Liebesgeschichte, die ihn aus seiner Schwermut herauszieht und ihm wieder einen Sinn im Dasein gibt. Doch die Welt, in der die vier leben, lässt das Glück nicht ungestört.
Die Handlung im Detail↑
In einer großen deutschen Stadt der späten Weimarer Republik führen die Kriegskameraden Robert Lohkamp, Otto Köster und Gottfried Lenz eine Autowerkstatt. Das Geschäft trägt sich kaum, und um Robert herum bestimmen Hinterhofkneipen, Bars und kleine Trinkrunden den Alltag. Bei einem Ausflug begegnen die drei der jungen Patrice Hollmann, die einer höheren sozialen Schicht angehört. Robert trifft sich wiederholt mit ihr und führt sie nach und nach in seine Welt ein. Aus den Begegnungen wird eine intensive Liebesbeziehung, die ihm zum ersten Mal seit dem Krieg wieder Halt gibt.
Während eines gemeinsamen Urlaubs an der See erleidet Pat einen Blutsturz. Köster bringt in seinem Rennwagen Karl ihren behandelnden Arzt Jaffé so schnell zu ihr, dass sie überlebt. Es zeigt sich, dass Pat an Tuberkulose erkrankt ist. Diese Eröffnung legt einen Schatten über das Verhältnis der beiden. Jaffé erklärt später, dass Pat nur eine Überlebenschance hat, wenn sie den Winter in einem Sanatorium in den Alpen verbringt. Als die kalte Jahreszeit beginnt, bricht sie auf; Robert begleitet sie, kann aber nicht lange bei ihr bleiben.
Obwohl immer wieder von Aussichten auf Genesung die Rede ist, verschlechtert sich Pats Zustand. Eines Tages erreicht Robert ein Telegramm mit den Worten „Robby komm bald“. Er fährt mit Köster in Karl in die Berge. In der Zwischenzeit ist die Werkstatt zusammengebrochen, und Lenz wurde Opfer eines politisch motivierten Attentats – beides verschweigt Robert ihr, um sie nicht weiter zu schwächen. Um den Aufenthalt im Sanatorium bezahlen zu können, verkauft Köster nach seiner Rückkehr seinen geliebten Wagen Karl. Doch alle Mühe ist vergebens. Pat stirbt nach einem schweren und qualvollen Todeskampf. Der Roman schließt mit dem Satz: „Dann kam der Morgen, und sie war es nicht mehr.“
Stil↑
Remarque erzählt aus der Ich-Perspektive Roberts in einer knappen, klaren und unsentimentalen Sprache. Die Sätze sind kurz, der Ton ist nüchtern und lakonisch; selbst die heftigsten Empfindungen werden zurückgenommen statt ausgemalt. Die Stadt, in der die Handlung spielt, wird nie beim Namen genannt und nie durch örtliche Eigenheiten festgelegt – Remarque verzichtet bewusst auf Lokalkolorit und gibt dem Geschehen damit etwas Allgemeingültiges. Die Welt der drei Kameraden wird vor allem über Dialoge, kleine Alltagsszenen in Bars und Werkstatt sowie über die wiederkehrenden Bilder von Autos, Regen und Nachtstunden greifbar. Männerfreundschaft, Trinkrunden und ein trockener Humor stehen neben der zarten, fast scheuen Liebesgeschichte und der allgegenwärtigen Erinnerung an den Krieg.
Rezeption↑
Drei Kameraden gehört bis heute zu den meistgelesenen Romanen Remarques und steht neben Im Westen nichts Neues und Der Weg zurück für seine literarische Auseinandersetzung mit der Generation, die durch den Ersten Weltkrieg geprägt wurde. Schon kurz nach dem Erscheinen wurde der Stoff in Hollywood verfilmt: Three Comrades kam 1938 unter der Regie von Frank Borzage in die Kinos, mit einem Drehbuch, an dem F. Scott Fitzgerald mitarbeitete. Im nationalsozialistischen Deutschland blieb der Roman, wie das übrige Werk Remarques, verboten; seine breite Wirkung entfaltete er erst nach 1945 in der Bundesrepublik und in zahlreichen Übersetzungen weltweit.
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