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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Drei Mann in einem Boot
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Cover Drei Mann in einem Boot
Drei Mann in einem Boot
1889
– Werkseintrag –

Drei Mann in einem Boot

1889 · Erzählung

Drei Freunde, ein Ruderboot und ein Hund auf der Themse – und aus jeder Kleinigkeit wächst eine urkomische Geschichte.

Überblick↑

Zu den bekanntesten humoristischen Büchern der englischen Literatur zählt Drei Mann in einem Boot von Jerome K. Jerome, im Original Three Men in a Boat. Die Erzählung erschien 1889 und schildert einen Bootsausflug dreier junger Männer auf der Themse. Der vollständige Titel lautet Drei Mann in einem Boot – vom Hunde ganz zu schweigen. Aus dem ursprünglich geplanten ernsthaften Reiseführer wurde ein heiteres Werk, in dem die komischen Schilderungen die Oberhand gewannen.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im ausgehenden 19. Jahrhundert beschließen drei junge Männer, sich von den Mühen des Alltags zu erholen. Der Ich-Erzähler Jerome will mit seinen Freunden George und Harris ein Ruderboot mieten und damit rund zwei Wochen lang die Themse zwischen Kingston und Oxford befahren. Begleitet werden die drei vom Hund Montmorency.

Schon die Vorbereitungen der Reise geben reichlich Anlass zu Missgeschicken und Streitereien. Das Packen, die Frage, wer welche Arbeit übernimmt, und die üblichen kleinen Katastrophen des Reisealltags werden mit viel Witz ausgemalt. Die eigentliche Fahrt auf dem Fluss bildet dabei nur den Rahmen. Immer wieder nimmt der Erzähler einzelne Ereignisse zum Anlass, weit ausholende Geschichten und Anekdoten einzuflechten, die mit der Reise wenig zu tun haben. So entsteht ein loses, heiteres Bild vom Leben am und auf dem Wasser.

Die Handlung im Detail↑

Die Rahmenhandlung ist rasch erzählt: Jerome, der Ich-Erzähler, plant gemeinsam mit seinen Freunden George und Harris einen Erholungsausflug. Sie mieten ein Ruderboot und fahren etwa zwei Wochen lang die Themse zwischen Kingston und Oxford hinauf. Mit an Bord ist der Hund Montmorency. Für die drei Männer gibt es reale Vorbilder; allein der Hund ist eine Erfindung, von dem Jerome sagt, er habe „viel mit mir gemeinsam“.

Den eigentlichen Reiz des Buches machen nicht die Stationen der Fahrt aus, sondern die Art, wie erzählt wird. Jerome verwendet einen assoziativen Erzählstil: Ein beliebiges Ereignis der Reisevorbereitungen oder der Fahrt selbst wird zum Sprungbrett für ausführliche Geschichten und Anekdoten, die oft nur lose oder gar nicht mit dem Ausflug zusammenhängen. Die Reise tritt dadurch, was den Umfang angeht, hinter die eingeflochtenen Episoden zurück und dient vor allem als verbindendes Gerüst.

Ursprünglich war das Werk als ernsthafter Reiseführer angelegt, mit Erzählungen über die Geschichte der Orte entlang der Strecke. Doch die humoristischen Schilderungen gewannen im Verlauf der Arbeit die Oberhand und prägten schließlich den ganzen Charakter des Buches. Der Grundton bleibt heiter und selbstironisch, wobei die kleinen Schwächen und Eitelkeiten der drei Reisenden liebevoll bloßgestellt werden.

Eine spätere Fortsetzung, die jedoch nicht denselben Erfolg hatte, trägt den Titel Drei Männer auf Bummelfahrt. Sie handelt von einer Radtour durch Deutschland.

Stil↑

Kennzeichnend ist der assoziative Erzählstil, mit dem Jerome sein Buch aufbaut. Aus einem einzelnen Anlass – einer Beobachtung, einem Missgeschick, einem Streit über das Packen – entwickeln sich immer neue Geschichten und Anekdoten, die vom eigentlichen Geschehen wegführen und dennoch alles zusammenhalten. Die Themse-Fahrt bildet nur den Rahmen, während die eingestreuten Episoden das Werk beherrschen.

Der Reiz liegt in der Mischung aus wahrheitsgetreuer Anekdote und Fantasie. Der leicht ironische, selbstverspottende Ton, mit dem der Erzähler von sich und seinen Freunden berichtet, prägt das ganze Buch. Dass aus dem geplanten Reiseführer eine reine Humoreske wurde, zeigt sich in vielen zugespitzten Sätzen, etwa: „Ich mag Arbeit sehr: sie fasziniert mich. Ich kann stundenlang dabeisitzen und zuschauen.“

Rezeption↑

Bis heute gilt das Werk als einer der beliebtesten Klassiker der englischsprachigen Komik. Der britische Schriftsteller Nigel Williams, dessen 1993 erschienene Reiseerzählung Two and a Half Men in a Boat auf Jeromes Fahrt beruht und vielfach auf sie Bezug nimmt, würdigte das Buch ausdrücklich. Er fragte: „Wie brachte dieser Mann es fertig, eines der witzigsten Bücher der englischen Literaturgeschichte zu schreiben?“ Das Geheimnis von Jeromes Komik sei die „einzigartig moderne Mixtur aus wahrheitsgetreuer Anekdote und Phantasie“.

Der Stoff wurde mehrfach für Kino und Fernsehen bearbeitet. Titel und einige Motive lieferte die Erzählung dem deutschen Spielfilm Drei Mann in einem Boot von 1961, in dem unter anderem Hans-Joachim Kulenkampff, Heinz Erhardt, Walter Giller und Willy Reichert mitwirkten. Eine weitere Verfilmung erschien 2017 unter dem Titel Leichtmatrosen – Drei Mann in einem Boot. Ins Deutsche wurde das Werk immer wieder neu aufgelegt.

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