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MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Jerome K. Jerome
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Porträt Jerome K. Jerome
Jerome K. Jerome
1859 – 1927
– Autorenporträt –

Jerome K. Jerome

1859 – 1927 · 68 Jahre

Englischer Humorist, dessen Themse-Roman „Drei Mann in einem Boot“ ihm 1889 Weltruhm brachte und zum Klassiker des englischen Humors wurde.

Kurzbiografie↑

Als englischer Autor wurde Jerome Klapka Jerome vor allem durch ein einziges Buch weltberühmt: den humorvollen Roman Drei Mann in einem Boot, der 1889 erschien. Geboren 1859 in Walsall, arbeitete er sich aus ärmlichen Verhältnissen über die Bühne und den Journalismus zum Schriftsteller empor. Sein Themse-Roman wurde ein sofortiger Erfolg, verkaufte sich millionenfach und diente später als Vorlage für Filme, Radio- und Bühnenfassungen. An diesen Erfolg konnte er trotz einer langen Reihe von Stücken, Essays und Erzählungen nie wieder anknüpfen. Jerome starb 1927 in Northampton.


Biografie↑

Geboren wurde Jerome am 2. Mai 1859 in Walsall in der Grafschaft Staffordshire als viertes Kind von Jerome Clapp und Marguerite Jones. Der Vater, der sich später Jerome Clapp Jerome nannte, war Eisenwarenhändler, Laienprediger und versuchte sich als Architekt. Der Sohn erhielt den angenommenen Namen des Vaters. Die Namensform „Klapka“ geht offenbar auf den ungarischen Exil-General György Klapka zurück, den Jeromes Vater verehrte. Neben ihm gab es zwei Schwestern, Paulina und Blandina, sowie einen früh verstorbenen Bruder, Milton.

Die Familie zog früh in den Osten Londons, wo Jerome die Marylebone Grammar School besuchte. Durch unglückliche Investitionen in den örtlichen Bergbau verarmte sie, und die Schuldeneintreiber kamen oft ins Haus. Diese Erfahrung schilderte Jerome später in seiner Autobiografie My Life and Times. Als 1872 beide Eltern starben, war er dreizehn Jahre alt und musste die Schule verlassen, um sich selbst zu versorgen. Er fand eine Anstellung bei der Eisenbahngesellschaft London and North Western Railway, wo er anfangs die Kohle sammelte, die entlang der Gleise gefallen war. Dort blieb er vier Jahre.

Angeregt durch die Theaterbegeisterung seiner Schwester versuchte er sich ab 1877 als Schauspieler. Er schloss sich einer Truppe an, die Stücke mit kleinstem Budget herausbrachte und oft aus eigener Tasche für Kostüme und Requisiten aufkam. Diese entbehrungsreiche Zeit verarbeitete er später sehr komisch in On the Stage – and Off. Nach drei erfolglosen Jahren hatte der Einundzwanzigjährige genug vom Bühnenleben. Er versuchte sich als Journalist und schrieb Essays, Satiren und Kurzgeschichten, von denen die meisten jedoch abgelehnt wurden. Zwischendurch arbeitete er als Schullehrer, als Packer und als Rechtsanwaltsgehilfe. 1885 hatte er mit On the Stage – and Off endlich einen ersten Erfolg, dem 1886 die Essaysammlung Idle Thoughts of an Idle Fellow folgte.

Am 21. Juni 1888 heiratete Jerome Georgina Elizabeth Henrietta Stanley Marris, genannt Ettie, neun Tage nach ihrer Scheidung von ihrem ersten Mann. Die Flitterwochen fanden auf der Themse statt, und dieser Umstand prägte sein nächstes und wichtigstes Buch. Gleich nach der Rückkehr machte er sich an Drei Mann in einem Boot. Seine Frau ersetzte er darin durch die langjährigen Freunde George Wingrave und Carl Hentschel, um die komischen Szenen ganz unsentimental erzählen zu können. Den Lauf der Themse nutzte er als roten Faden, an dem er Episoden und Anekdoten aufreihte. Das Buch erschien 1889 und wurde ein sofortiger Erfolg. Es war so beliebt, dass sich die Zahl der registrierten Themse-Boote im Jahr nach der Veröffentlichung verdoppelte. Allein in den ersten zwanzig Jahren verkaufte es sich weltweit über eine Million Mal, in den USA wurde rasch eine Million Exemplare eines Raubdrucks abgesetzt, und auch in Russland fand es begeistertes Echo. Ursprünglich war ein ernsthafter Reisebericht geplant gewesen; unter dem Einfluss des Zeitgenossen Mark Twain wurde daraus eine Humoreske.

Die finanzielle Sicherheit erlaubte es Jerome, sich fortan ganz dem Schreiben zu widmen. Er verfasste Stücke, Essays und Erzählungen, doch ein Erfolg wie der Themse-Roman gelang ihm nie wieder. 1892 bat ihn Robert Barr, das Satiremagazin The Idler zu leiten, das monatlich erschien und sich an müßiggängerische Gentlemen richtete. 1893 gründete Jerome die Zeitschrift To-Day. Von beiden Blättern musste er sich schließlich wegen finanzieller Schwierigkeiten und eines Ehrenhandels trennen. Ein kurzer Aufenthalt in Deutschland regte ihn 1898 zu Drei Männer auf Bummelfahrt an, der Fortsetzung mit denselben Figuren auf einer Fahrradtour. Das Buch erreichte nur einen bescheidenen Erfolg. 1902 folgte das überwiegend autobiografische Paul Kelver, für das er hervorragende Kritiken erhielt und sogar mit Charles Dickens verglichen wurde.

Als Dramatiker trat Jerome 1908 mit Passing of the Third Floor Back hervor, einem Stück, das eine düstere Seite von ihm zeigte und vom Publikum nur zögerlich angenommen wurde. Darin verändert ein christusähnlicher Fremder das Leben der Bewohner einer heruntergekommenen Pension. Die Hauptrolle spielte in der ersten Aufführung der bekannte Hamlet-Darsteller Sir John Forbes-Robertson; das Stück wurde bis in die 1960er Jahre aufgeführt. Neben diesem Erfolg treten Jeromes übrige Bühnenwerke zurück, obwohl er über die Jahre vier Theaterstücke herausbrachte und weitere fünfzehn schrieb, von denen viele in London und Amerika beachtlichen Erfolg hatten.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs meldete sich Jerome freiwillig, wurde aber mit 56 Jahren abgelehnt. Er setzte seinen Wunsch schließlich durch und wurde freiwilliger Sanitätswagenfahrer in der französischen Armee. Die Kriegserfahrung belastete ihn schwer; sein Sekretär sprach von einem gebrochenen Mann. 1921 kam der frühe Tod seiner Stieftochter Elsie hinzu. Auf der Rückfahrt von Devon nach London erlitt Jerome einen Schlaganfall mit Gehirnblutung. Nach zwei Wochen im Krankenhaus in Northampton, in denen er sich nicht bewegen und nicht sprechen konnte, starb er am 14. Juni 1927. Seine Frau überlebte ihn um elf Jahre. Die Familie liegt im Kirchhof von Ewelme in Oxfordshire begraben, nicht weit von der Themse. Zu Jeromes Freunden zählten J. M. Barrie, H. G. Wells, Rudyard Kipling, Arthur Conan Doyle, Thomas Hardy und Israel Zangwill. In seinem Geburtsort Walsall erinnert heute ein Museum an ihn.


Literarische Merkmale↑

Kennzeichnend für Jeromes bekanntestes Buch ist die Verbindung von komischer Übertreibung und Selbstironie. In Drei Mann in einem Boot reihte er einzelne Episoden und Anekdoten locker am Lauf der Themse auf, statt eine durchgehende Handlung zu erzählen. Indem er seine Frau durch die beiden Freunde ersetzte, konnte er die humorvollen Situationen ganz unsentimental schildern. Sein gesunder Mutterwitz und sein Spott über die viktorianische Bildungsheuchelei machten das Buch zum Klassiker des englischen Humors. Dass sich ein ursprünglich ernst gemeinter Reisebericht in eine Humoreske verwandelte, geschah auch unter dem Einfluss Mark Twains. Nicht immer schlug Jerome diesen heiteren Ton an: Das Stück Passing of the Third Floor Back zeigte eine düsterere, ernstere Seite seines Schaffens.


Rezeption↑

Sofort nach seinem Erscheinen 1889 war Drei Mann in einem Boot ein durchschlagender Erfolg. Das Buch verkaufte sich weltweit millionenfach und wird bis heute gedruckt; in den USA kursierte rasch ein Raubdruck, von dem eine Million Exemplare abgesetzt wurden, und auch in Russland fand es begeistertes Echo. Die Wirkung reichte über die Literatur hinaus: Im Jahr nach der Veröffentlichung verdoppelte sich die Zahl der registrierten Themse-Boote, und der Fluss wurde zur Touristenattraktion. Der Roman diente als Vorlage für Filme, Fernseh- und Radiosendungen, Bühnenstücke und sogar ein Musical, und sein Schreibstil beeinflusste zahlreiche Humoristen und Satiriker über England hinaus. In Deutschland gehört das Buch bis heute zur Schullektüre. An diesen Erfolg konnten Jeromes spätere Werke kaum anknüpfen; für das autobiografische Paul Kelver aber erhielt er hervorragende Kritiken und wurde mit Charles Dickens verglichen. Sein Bühnenstück Passing of the Third Floor Back blieb bis in die 1960er Jahre auf dem Spielplan.

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