1839
Der Untergang des Hauses Usher
Überblick↑
Edgar Allan Poes Erzählung The Fall of the House of Usher erschien 1839 in Burton's Gentleman's Magazine. 1840 wurde sie überarbeitet in die Sammlung Tales of the Grotesque and Arabesque aufgenommen. Die Kurzgeschichte gilt als eines der bekanntesten Werke der amerikanischen Schauerliteratur. Auf wenigen Seiten verdichtet sie Krankheit, Verfall und Untergang eines Adelsgeschlechts zu einem dichten Bild des Schreckens. Im deutschen Sprachraum wurde sie erstmals 1901 von Hedda Eulenberg übersetzt. Spätere Übertragungen stammen von Christel und Helmut Wiemken (1960) und von Arno Schmidt (1966).
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Ein namenloser Ich-Erzähler folgt dem dringlichen Brief eines Jugendfreundes und reitet zum abgelegenen Anwesen der Familie Usher. Das Haus erhebt sich aus einem düsteren Pfuhl und wird von einem feinen Riss durchzogen. Schon der erste Blick darauf beunruhigt ihn zutiefst. Von einem nahen See heißt es, dämonische Gestalten holten denjenigen, der zu lange in seine Tiefe schaue.
Im Inneren trifft der Erzähler auf Roderick Usher, den letzten Spross eines verfallenden Adelsgeschlechts. Roderick ist nervlich völlig überreizt und scheint von einer rätselhaften Krankheit gezeichnet. Auch seine Zwillingsschwester Madeline ist schwer krank. Der Besucher willigt ein, dem Freund Gesellschaft zu leisten und so die quälenden Tage ein wenig zu lindern. Doch im Haus mit seinen düsteren Räumen, seinen Geräuschen und seinem schwermütigen Hausherrn nimmt das Unheimliche immer mehr Raum ein.
Die Handlung im Detail↑
Aufgewühlt durch den dringlichen Brief seines Jugendfreundes Roderick Usher reitet der namenlose Ich-Erzähler zu dessen Anwesen. Schon die Umgebung des Hauses ist beklemmend: Das Gemäuer erhebt sich aus einem dunklen Pfuhl, und ein feiner Riss zieht sich durch die Mauern. Von dem nahen See wird erzählt, dämonische Gestalten stiegen aus ihm empor und holten jeden, der zu lange in das Wasser starre.
Im Haus trifft der Erzähler auf Roderick Usher, den letzten Spross eines degenerierten Adelsgeschlechts. Roderick ist nervlich stark überreizt und leidet offenbar an einer Geisteskrankheit. Er bittet den Freund, ihm eine Weile Gesellschaft zu leisten, um die Krankheit erträglicher zu machen. Wenig später stirbt anscheinend Rodericks Zwillingsschwester Lady Madeline. Ihr Leichnam wird im Keller des Hauses aufgebahrt und dort beigesetzt.
Einige Tage danach hält ein Sturm das Haus in Atem. Der Erzähler liest dem schlaflosen, aufgewühlten Roderick eine Rittergeschichte vor, die ihn aufheitern soll. Doch jedes Geräusch aus der Erzählung findet eine gespenstische Entsprechung im Haus selbst; das Grauen vor den unheimlichen Klängen steigert sich immer weiter. Aus Rodericks Geständnis und dem Lauf der Erzählung wird klar: Er hat seine Schwester lebendig begraben. In diesem Augenblick steht Lady Madeline blutüberströmt in der Tür. Sie wirft sich sterbend auf den Bruder, der vor Schreck im selben Moment tot zusammenbricht.
Panisch flieht der Erzähler aus dem Haus. Im Davonreiten sieht er, wie der Riss im Gemäuer immer weiter auseinanderklafft, bis das Haus zusammenstürzt und in dem düsteren Pfuhl versinkt.
Stil↑
Poe erzählt aus der Perspektive eines namenlosen Ich-Erzählers. Dessen wachsende Beklemmung zieht den Leser von der ersten Seite an in den Sog der Geschichte. Landschaft, Haus und Bewohner verschmelzen zu einem einzigen Bild des Verfalls. Der Riss im Gemäuer, der trübe Pfuhl, die kranken Geschwister und das aussterbende Geschlecht spiegeln einander. Eingelagerte Elemente wie die Rittergeschichte, die der Erzähler vorliest, verzahnen sich unmittelbar mit den Vorgängen im Haus. So treiben sie das Grauen Schritt für Schritt auf seinen Höhepunkt zu.
Rezeption↑
Die Erzählung gehört zu den meistgelesenen Texten Edgar Allan Poes. Im deutschen Sprachraum ist sie durch mehrere bedeutende Übersetzungen verbreitet worden. Nach der frühen Übertragung von Hedda Eulenberg aus dem Jahr 1901 legten 1960 Christel und Helmut Wiemken eine Neuübersetzung vor. 1966 folgte die viel beachtete Fassung von Arno Schmidt. Sie rückte das Werk auch in den Blickpunkt deutscher Schriftstellerkollegen.
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